Mit einem Umsatzplus von etwa drei Prozent verzeichnet die Roto Frank AG in diesem Jahr voraussichtlich einen neuen Umsatzrekord. Dies teilte das Unternehmen am 26. Oktober 2011 während des 6. Internationalen Fachpressetages in Warschau mit. Dort informierte der Hersteller von Fenster- und Türbeschlägen über den Markt und seine Konzepte in Nordosteuropa. Außerdem präsentierte Roto zahlreiche neue Produkte und Dienstleistungen.
„Wir haben viel erreicht und wollen noch viel bewegen.“ Auf diese Kurzformel brachte der Roto-Vorstandsvorsitzende Dr. Eckhard Keill Situation und Perspektiven des international tätigen Bauzulieferers. Roto bleibe auch 2011 mit einem Umsatzplus von voraussichtlich etwa 3 % auf den Rekordwert von rund 660 Mio. Euro auf Erfolgskurs und könne sich dabei zumindest teilweise von rückläufigen Märkten abkoppeln. Die Relation Ausland/Inland bleibe wie im Vorjahr bei etwa zwei Drittel zu ein Drittel.
Die Ertragssituation charakterisierte Finanzvorstand Michael Stangier mit „nach wie vor nicht befriedigend“ und nannte als einen Grund dafür den anhaltenden Margendruck.
Nachdem 2010 im Jahresdurchschnitt etwa 4000 Mitarbeiter für den Bauzulieferer tätig waren, nehme ihre Zahl 2011 analog zum Umsatzwachstum auf über 4100 zu. Die Investitionen habe Roto gegenüber 2010 fast verdoppelt. Sie flossen vorrangig in eine weitere Verbesserung von Qualitätsmanagement, Lieferfähigkeit, Logistik etc., eine gezielte Marktbearbeitung sowie in die Entwicklung neuer Produkte und Systeme.
In seinem Ausblick auf 2012 vermied Keill „bewusst“ generelle Marktprognosen. Für die Roto-Gruppe und ihre beiden Divisionen gehe es auch im nächsten Jahr primär darum, sich möglichst immer besser als die Märkte zu entwickeln. „Wir streben für 2012 trotz schwieriger Rahmenbedingungen erneut ein leichtes Umsatzwachstum an“, erklärte der Vorstandsvorsitzende.
Unter der seit Mitte 2011 schwächeren gesamtwirtschaftlichen Dynamik leide letztlich auch der Bausektor. Das schlage sich in der Fenster- und Türenbranche – bei allerdings großen regionalen Unterschieden – ebenfalls nieder. Eine tiefe Rezession wie 2009 erwartet das Management jedoch nicht.
Eigenengagement zählt
Die Entwicklung der internationalen Fenster- und Türenmärkte im Kern ist ein Spiegelbild des generellen Baugeschehens in den einzelnen Märkten. Auf der „Verliererseite“ standen danach z. B. Griechenland, Großbritannien, Spanien und die USA. Stabile bis leicht wachsende Märkte treffe man in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Polen und Russland an. Ein „hohes Wachstumstempo“ sei in Asien zu registrieren. Grundsätzlich sei der Wirtschaftszweig weltweit nach Auffassung des Roto-Chefs gut beraten, sich nicht auf externe Hilfe wie staatliche Förderprogramme zu verlassen. Die Marktpartner müssten sich selbst aktiv und gemeinsam um einen höheren Stellenwert von Fenstern und Türen kümmern.
In Deutschland verliere die Branche 2011 den Sonderkonjunktur-Status der Vorjahre. Nach einem mehrfachen Auf und Ab signalisierten die Verbandsprognosen lediglich noch ein leichtes Mengenplus.
Wirtschaftsmacht Polen
Die Leiterin Barbara Ahlers, des Wirtschaftsraumes Nordosteuropa der Division Fenster- und Türtechnologie, gab einen Überblick über branchenspezifische Strukturen in der Region. Dazu gehören für Roto Polen, Ukraine, Weißrussland sowie die baltischen Staaten Estland, Litauen und Lettland. Parallel zur Einführung der Marktwirtschaft habe sich seit Beginn der 90er Jahre der aufgestaute Fensterbedarf in konkrete Nachfrage verwandelt und damit zeitweise einen regelrechten Boom ausgelöst.
Nach Erhebungen eines polnischen Informationszentrums repräsentierte der Wirtschaftsraum 2010 ein Volumen von rund 17 Mio. Fenstereinheiten und etwa 1,2 Mio. Türen. Polen, als der mit Abstand größte Markt, trage dazu gut mit 11 Mio. Fenster und 0,7 Mio. Türen bei. Roto bediene alle Märkte über ein Zentrallager in Warschau.
Polnische Fensterbranche
Gab es in Polen bis 1990 lediglich zehn staatliche Holzfensterhersteller, sind heute etwa 2000 Produzenten tätig, erläuterte Ahlers. Allein 1700 davon konzentrierten sich auf Kunststoff. Im gleichen Zeitraum drehte sich der Markt bei den verwendeten Rahmenmaterialien komplett. Danach war Holz 1990 mit einem Anteil von 95 % absolut dominant, während PVC (4,5 %) und Alu (0,5 %) nur untergeordnete Rollen spielten.
Ganz anders die für 2010 genannten Werte: 9,3 Mio. Einheiten und damit 85 % des gesamten Fenstervolumens entfielen auf Kunststoff. Analog dazu sank die Holz-Quote drastisch auf 13 % (1,6 Mio. Stück), während sich Alu geringfügig auf 2 % (0,24 Mio. Stück) verbesserte. Der Blick auf die Struktur der polnischen Fensterhersteller zeige eine zunehmende Konzentration auf „große Marktplayer“. So deckten rund 20 Kunststoff-Fensterproduzenten etwa 50 % des gesamten Volumens ab. Mit einer Jahresfertigung von über 3 Mio. Einheiten bringen es im PVC-Sektor allein drei Unternehmen auf einen Anteil von rund 30 %.
Zudem gewinne für die polnische Fensterbranche der Export stetig an Bedeutung. Nachdem er 2005 noch bei rund 20 % lag, machte er im abgelaufenen Jahr schon 50 % der Gesamtproduktion von gut 11 Mio. Einheiten aus und nahm damit im europäischen Vergleich die Spitzenposition ein. Die zweite Hälfte des Volumens wurde im Inland (38 % Renovierung, 12 % Neubau) ab- und eingesetzt.
Strategische Eckpfeiler
Die Erfolgsgaranten ließen sich in vier strategischen Eckpfeilern zusammenfassen. So wolle Roto unter dem zentralen Motto „Nah am Kunden“ den Partnern konkreten Nutzwert bieten und sie damit (noch) wettbewerbsfähiger machen. Das gelte für Produkte, Logistik, Dienstleistungen und Betreuung gleichermaßen. Bei dem Premiumpaket „Rund ums Produkt“ forciere das Unternehmen alles, was die Leistungsfähigkeit steigere und für die Kunden spürbar sei. Die dritte Priorität: Marktgerechte, innovative Sortimente wie die Türtechnik-Generation „DoorSafe 600“ und das Wohndachfenster-Programm „Designo“.
Neue Schlossgeneration
Im Fokus der Türtechnik-Palette stehen, wie es hieß, die Segmente „DoorSafe“, „DoorLine“ und „DoorPlus“. Das aus Roto-Sicht entscheidende Argument der Struktur: „Alle erforderlichen Komponenten sind exakt aufeinander abgestimmt.“ Der Handel profitiere davon u. a. durch eine hohe Beratungssicherheit. Türenbauern bzw. Handwerkern wiederum garantiere die „Vernetzung“ z. B. funktionierende Prozess- und Projektabläufe (siehe auch BM 11/11, Seite 92).
Mehrwert für Kunden
Mit speziellen Dienstleistungen unterstütze das Unternehmen Türenhersteller bei dem Bemühen, die betriebliche Wertschöpfung zu steigern, erläutert der Marketingleiter der Division Fenster- und Türtechnologie Udo Pauly. Ein markantes Beispiel dafür sei das „Engineering“-Konzept zur individuellen Fertigungsoptimierung. Auf der Basis einer jeweils intensiven Ist-Analyse entwickelten, realisierten und kontrollierten die Experten immer gemeinsam mit dem Kunden Lösungen, um „vor Ort“ nachhaltige Verbesserungen zu erreichen.
In erster Linie an den Handel richte sich dagegen ein neuer Internet-Service, dessen Premiere in Warschau „live“ erlebt werden konnte. „RotoCon Simple Web“ ermögliche den Partnern exakte Beschlagauflösungen mit Grafik und Stücklisten. Der aktuelle Mehrwert überzeuge auf der Basis von Beschlagvorlagen durch ein schnelles, einfaches Handling und liefere dem Kunden per Login-Funktion individuelle Daten und Konfigurationen. Zudem sind für Fenster- und Türenproduzenten „Utility Videos“ gedacht. Sie sollen beschlagrelevante Praxisfälle aus Anwendersicht transparent machen. Wichtig sei, dass es sich dabei um keine durchgängigen Filme handele. Stattdessen stoppe das jeweilige Video nach jedem Arbeitsschritt automatisch, so dass der Profi das Gesehene sofort umsetzen und überprüfen könne.
Außerdem bietet Roto einen neuen Ersatzteilservice für Hersteller, Händler und Endgebraucher an. Per webgestützter Abfrage sei der User in der Lage, das gewünschte Bauteil zu identifizieren. Außerdem habe er die Möglichkeit, Bilder des gesuchten Artikels hochzuladen.
Im flankierenden Marketing- und Kommunikationssektor erhöhe man ebenfalls das Tempo. Exemplarisch wies Pauly auf die Microsite www.rotodoorsafe600.com sowie das neu vorgestellte Glossar „Durchblick“ hin. Die 16-seitige, zunächst in deutscher Sprache vorliegende Informations- und Orientierungshilfe soll Verbrauchern 33 wichtige Fachbegriffe rund um Türen und Schlösser verständlich erläutern und damit auch Türen-Profis die Beratung erleichtern.
Pauly kündigte weitere Schritte an, um den Status des „komplettesten türtechnischen Systemanbieters“ stets zu aktualisieren und damit auszubauen. Er werde u. a. zu einem thematischen Schwerpunkt während der „fensterbau/frontale“ im März 2012. Zur wichtigsten Messe präsentiere sich „DoorSafe 600“ erstmals einem breiten internationalen Publikum. Zudem seien Neuheiten bei „DoorLine“ und „DoorPlus“ zu erwarten.
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www.roto-frank.com