Wer mit Ordner, Notizblock und Papier zur Baustelle eilt, gilt fast schon als antiquiert. Mit einem Smartphone, einem Tablet-PC oder Netbook bewaffnet, hat man Büro und Projekte immer dabei. Lesen Sie, was für wen sinnvoll ist und wo die Grenzen mobiler Hardware liegen.
Zettelwirtschaft? Die hat keiner besonders gerne, erst recht nicht unterwegs. Mobile Computing verspricht Abhilfe: Der mobile Einsatz moderner IT- und Kommunikationstechnik ermöglicht den zeit- und ortsunabhängigen Zugriff auf Büro- und Projektdaten oder das Internet.
Beim Kunden können digitale Aufmaße für Angebote oder Abrechnungen angefertigt, Montagezeiten dokumentiert oder Mitarbeiter koordiniert werden. Unterwegs kann man Termine organisieren, Adress- und Kontaktdaten erfassen und verwalten – oder mobile Branchensoftware nutzen. Schnittstellen ermöglichen einen schnellen Datenabgleich mit der Bürosoftware. Handschriftliche Notizen vor Ort und deren fehlerträchtiges Eintippen im Büro gehören der Vergangenheit an.
Mit mobiler Hard- und Software sowie drahtlosen Kommunikationstechnologien lassen sich Informationen genau dort eingeben oder abrufen, anzeigen oder modifizieren, wo sie gerade anfallen oder benötigt werden.
Aktuelle mobile Hardware gliedert sich in die Kategorie der Note- und Netbooks, Tablet-PCs sowie der Smartphones. Notebooks haben den Vorteil, dass man sie sowohl mobil als auch als Desktop-Arbeitsplatz im Büro nutzen kann. Sogar CAD-Pläne lassen sich auf Geräten mit hoher Bildauflösung und Displaygröße (ab 17 Zoll Bilddiagonale) anzeigen, kommentieren und bearbeiten. Per Mobilfunk-Stick kann man unterwegs auf Internet- oder Bürodaten zugreifen.
Preiswerter, kleiner und leichter sind Netbooks. Sie haben die Größe eines Terminplaners, wiegen etwa 1,5 Kilogramm und verfügen über ein 10–12 Zoll großes LC-Display. Ohne Steckdose halten sie, je nach Gerät und Nutzung, 5–10 Stunden durch. Für den Einsatz von Büro-Standardsoftware sind sie ideal, nicht jedoch für Software, die eine höhere Rechenleistung erfordert.
Eine Sonderform sind Note- oder Netbooks mit einem um 180 Grad drehbarem Display. Diese „Convertibles“ lassen sich sowohl als „normales“ Notebook als auch als Tablet-PC einsetzen. Das ist quasi ein Notebook ohne Tastatur. Das Display ist Schreibtafel und Bildschirm zugleich. Bedient werden Tablet-PCs mit einem kabellosen Stift oder Fingergesten, Daten werden per Touch-Screen-Tastatur oder einer extern anschließbaren Tastatur eingegeben.
Mit den in eine Handfläche passenden Smartphones kann man, neben dem Telefonieren vor allem E-Mails empfangen oder versenden, Informationen aus dem Internet abrufen, Termine organisieren oder mobile Softwareanwendungen, so genannte Apps, ablaufen lassen (siehe auch Beitrag in dieser Ausgabe auf Seite 98).
Für Smartphones sprechen kompakte Abmessungen und relativ lange Akkulaufzeiten. Das kleine LC-Display (etwa 2–3,5 Zoll) und die vergleichsweise niedrige Bildauflösung (etwa 240 x 320 bis 640 × 960 Pixel) schränken die Einsatzmöglichkeiten allerdings etwas ein.
Wichtig bei allen Gerätekategorien ist ein helles, dimmbares Display, das nachts nicht blendet und mit dem man auch bei vollem Tageslicht noch etwas erkennt. Angesichts rauer Bedingungen unterwegs und auf Baustellen sollte man den Kauf outdoor-tauglicher Geräte in Betracht ziehen, die auch Staub, Regen, Kälte, Hitze oder einen ordentlichen Knuff vertragen.
Software mobil nutzen
Prinzipiell ist jede Schreinersoftware (CAD, ERP etc.) auch mobil lauffähig – vorausgesetzt, das Betriebssystem der mobilen Hardware und deren Leistungsdaten (Prozessor, Arbeitsspeicher, Displaygröße etc.) lassen dies zu. Während bei aktuellen Note-/Netbooks die Betriebssystem-Version Windows 7 die Nutzung praktisch jeder im Büro verwendeter Software ermöglicht, muss man sich bei Tablet-PCs und vor allem Smartphones auf die vom mobilen Betriebssystem unterstützte Software beschränken.
Wer ein bestimmtes Programm nutzen will, muss darauf achten, unter welchem der verbreiteten Betriebssysteme Apple iOS, Android, Windows Phone, BlackBerry RIM und anderen es lauffähig ist. Je größer der Verbreitungsgrad, desto größer die verfügbare Bandbreite an allgemeiner und branchenspezifischer Software.
Zur Standard-Bordausstattung gehören in der Regel ein Terminplaner, ein Aufgaben-/Adressverwalter, ein Notizbuch, ein Textverarbeitungsprogramm, ein Internet-Browser und ggf. weitere Office-Anwendungen. Zu den optionalen branchenspezifischen Software-Anwendungen für Smartphones gehören Auftragsdaten-, Aufmaß- und Zeiterfassungsprogramme oder LV-Viewer.
Schnittstellen zu Laserdistanzmessern oder Scannern für Aufmaß oder Zeiterfassung ermöglichen eine rationelle Datenerfassung, ohne umständliches Eintippen. Eine zunehmend wichtige Rolle im Hinblick auf die mobile Software-Nutzung spielt die Bereitstellung von Software und anderen Leistungen über Netzwerke (Stichwort: Cloud Computing, siehe auch BM 6/11, Seite 77-80). Damit hat der Anwender Zugriff auf Programmfunktionen, Rechenkapazitäten, Büro- und Projektdaten – unabhängig von Zeit oder Ort und ohne diese lokal vorhalten zu müssen.
Drahtlos kommunizieren
Ermöglicht wird die mobile Kommunikation durch integrierte oder nachträglich extern anschließbare Mobilfunk-Module sowie die entsprechenden Mobilfunk-Standards. Zu den wichtigsten zählen UMTS, HSUPA bzw. HSDPA. Während die Vorgänger GPS, GPRS und EDGE mit bis zu 220 Kbit/s nicht besonders schnell sind, ermöglicht das UMTS-Netz mit 348 Kbit/s höhere Datentransferraten. Mit HSUPA bzw. HSDPA stehen schnelle, allerdings nicht komplett flächendeckende Netze (siehe z. B. www.hsdpa-umts-verfuegbarkeit.de) mit Datentransferraten von 14,4 Mbit/s und mehr zur Verfügung, was einem schnellen DSL-Internetanschluss entspricht.
Die Mobilfunknetze werden von Betreibern wie Telekom, Vodafone, E-Plus, O2 etc. zur Verfügung gestellt, wobei die Qualität der Sprachverbindung, die Geschwindigkeit, Stabilität und Verfügbarkeit des mobilen Internet unterschiedlich sind (siehe auch Connect-Netztest: www.o2online.de/nw/assets/blobs/pdfs/connect-netztest-2010.pdf und www.test.de/mobilfunknetze). Mobilität beim Datenzugriff im Nahbereich bietet auch die Wireless-LAN-, kurz WLAN-Technologie. Damit kann man unterwegs in einem Umkreis von bis zu 100 Metern auf das Internet bzw. auf das Firmennetz zugreifen. Durch den Einsatz mehrerer so genannter Hot-Spots bzw. Access Points können ganze Areale (Gebäude, Baustellen etc.) mit WLAN versorgt werden.
Für die drahtlose Kommunikation zwischen Note-/Netbook, Tablet-PC oder Smartphone und dem Büro-PC auf kurze Distanz hat sich vor allem der Bluetooth-Standard etabliert.
Grenzen mobiler Hardware
Mobilität und Multifunktionalität haben viele Vor-, aber auch einige Nachteile: So ist die Bedienung aufgrund der Funktionsfülle nicht immer einfach. Ungeübte Benutzer müssen sich zunächst mit einer Vielzahl an Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten vertraut machen. Ferner muss man gegenüber Einzelgeräten Kompromisse eingehen: Kein Smartphone kann der Aufnahmequalität einer guten Digitalkamera oder der Software-Flexibilität, Rechen- und Speicherkapazität eines Notebooks das Wasser reichen.
Kleine LCD-Displays schließen umfangreichere grafische Anwendungen aus, winzige oder „virtuelle“ Tastaturen lassen nur die Eingabe kurzer Texte zu. LC-Displays sind häufig nicht hell genug, um Daten auch bei vollem Tageslicht mühelos ablesen zu können, etc. Problematisch ist mobile Hardware vor allem in folgender Hinsicht: Mit durchschnittlichen 3–6 Stunden reicht die Akku-Betriebsdauer bei Smartphones für einen vollen Arbeitstag einfach nicht aus. Bei intensiver Nutzung energiehungriger Funktionen wie Bluetooth oder WLAN stoßen Akkus schnell an ihre Grenzen. Die von Herstellern angegebenen, höheren Akkulaufzeiten gelten nur für ein optimales (sprich: praxisfernes) Betriebsprofil.
Zwar ist die multimediale Datenübertragung über schnelle Netze mittlerweile nicht mehr unerschwinglich, jedoch nicht immer flächendeckend, unterbrechungsfrei und mit der vollen Geschwindigkeit möglich. Weitere kritische Punkte betreffen die Hardware: LC-Displays sind häufig nicht hell genug, um Daten auch bei vollem Tageslicht mühelos ablesen zu können. Ferner ist die Hardware oft nicht robust genug für den rauen mobilen Einsatz. Staub und Nässe können der filigranen Technik schnell den Garaus machen, extreme Kälte (ab -10 Grad) kann für Akkus und Displays zum Problem werden. Beim Gehäuse sollte deshalb auf „Baustellentauglichkeit“ geachtet werden: möglichst mit Gummiarmierung, Schutzklasse ab IP 54 = staub- und spritzwassergeschützt.
Schwachstelle IT-Sicherheit
Mit zunehmender Mobilität wächst die Gefahr, dass Geräte oder Daten verloren gehen, gestohlen, ausspioniert oder manipuliert werden. Schützen kann man sich vor unberechtigtem Rechner- und Datenzugriff beispielsweise durch ein persönliches Benutzerkennwort.
Schutz vor Hardwarediebstahl bietet ein Kabelschloss. Smartphones sind hier besonders gefährdet – übrigens auch im Hinblick auf Computerviren. Deshalb sollte man auch sie durch Passwörter, Sicherheitseinstellungen und Virenscanner schützen. Gerät mobile Hardware dennoch einmal in falsche Hände, so erschwert – neben dem Benutzerkennwort – das Verschlüsseln sensibler Daten den Datenklau. Eine besondere Gefahr geht von mobilen Wechseldatenträgern (USB-Sticks, USB-Festplatten etc.) aus. Sie sind leicht und mobil, gehen aber auch schnell verloren. Auch hier können ein Passwortschutz und eine Datenverschlüsselung helfen.
Akku- und Stromspar-Tipps
Um die Akku-Lebenszeit zu verlängern, sollte man den Akku nur dann aufladen, wenn er nur noch über 10 Prozent seiner Leistung verfügt. Seine Lebensdauer hängt nämlich nicht nur von der Alterung der Zellen und seiner Lagerung (ca. 15 °C, trocken) ab, sondern auch davon, wann und wie oft man ihn auflädt. Akkus können insgesamt nur etwa 500 mal aufgeladen werden. Werden mobile Geräte längere Zeit über das Stromnetz betrieben (das gilt insbesondere für Notebooks), sollte man die aufgeladenen Akkus herausnehmen und wie oben beschrieben lagern. Um den Stromverbrauch zu minimieren, sind folgende Maßnahmen hilfreich:
· Sofern es die Lichtverhältnisse zulassen, Display herunterdimmen ([Fn]+ entsprechende Funktionstaste drücken).
· Stromverbrauch über die Systemeinstellung des Gerätes minimieren (z. B.: „Systemsteuerung“, „Energieoptionen“).
· Bei längeren Arbeitspausen Gerät in den Standby-Modus versetzen (z. B.: Windows-Startbutton, auf Ein-/Ausschalter klicken).
· WLAN/Bluetooth wenn möglich nur dann aktivieren, wenn man auch tatsächlich online gehen/Daten übertragen will.
· PDA, Net-/Notebook nach dem Herunterfahren vom Stromnetz trennen, beispielsweise über eine schaltbare Steckerleiste.
Einsatzzweck entscheidet
Eine zu 100 Prozent büro- und baustellentaugliche mobile Hardware gibt es nicht, aber das Nutzungsprofil hilft bei der Auswahl: Wem vor allem Business- und Office-Anwendungen wichtig sind, der sollte auf eine „echte“ Tastatur achten.
Multimediale Anwendungen setzten dagegen ein großformatiges, möglichst hoch auflösendes Touch-Display voraus. Smartphones sind Alleskönner – doch es gibt auch Grenzen. Müssen Daten in umfangreiche Eingabemasken eingetragen oder gar Pläne angezeigt werden, sind beispielsweise Tablet-PCs mit ihrem größeren Display sinnvoller. Für Vielschreiber sind Net- oder Notebooks mit ihrer vollwertigen QWERTZ-Tastatur eine Alternative. Sie bieten zudem die breitesten Anwendungsmöglichkeiten, denn alle Büroanwendungen laufen auf diesen Mobil-PCs.
Smartphones kosten zwischen 300 und 800 Euro, Tablet-PCs zwischen 500 und 1000 Euro, Netbooks zwischen 200 und 500, Notebooks ab 400 Euro. Geräte inklusive Vertrag mit einem Mobilfunkbetreiber sind deutlich preiswerter – dabei sollte man unbedingt auf ein günstiges Tarifmodell achten. Vor dem Kauf sind daher Testberichte einschlägiger Computer-/Handy-Zeitschriften hilfreich. Eine gute Entscheidungsgrundlage bieten auch Adressen wie www.idealo.de oder www.testberichte.de (Marian Behaneck)
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Weitere Infos
BMWi, NEG, MÜKE (Hrsg.): Mit Hammer, Säge und Smartphone. Mobiles Arbeiten im Handwerk, Eigenverlag, Münster 2011, Down- load unter: www.ec-net.de.
· www.connect.de
· www.notebookcheck.com
· www.inside-handy.de
· www.notebookinfo.de
· www.pocketland.de
· www.palmtopmagazin.de