Innenausbau eines Wohnhauses

Ausgelagert

Luftig, hell und mit maximaler Verbindung nach außen, so zeigt sich die Küche eines Wohnhauses aus den 50er-Jahren nach dem Umbau. Der Architekt verlagerte diese kurzerhand in einen neu geschaffenen Anbau mit großzügiger Glasfront zum Garten. Für den fachgerechten Innenausbau sorgte das Team der Echaz Schreinerei aus dem schwäbischen Kirchentellinsfurt. BM-Redakteur Heinz Fink

Die malerisch am Trauf der Schwäbischen Alb gelegene, zweistöckige Villa aus den 50er-Jahren war schon recht in die Jahre gekommen und sollte grundlegend saniert werden, um ein zeitgemäßes Wohnumfeld für eine vierköpfige Familie zu schaffen. Dabei legten die Bauherren besonderen Wert auf einen qualitätvollen Umbau, sowohl in Hinsicht auf die Nutzbarkeit, als auch der verwendeten Materialien. Der Architekt Dieter Ulrich Rehm aus Pfullingen schuf neben der grundlegenden Sanierung, der Neuorganisation der Grundrisse und der energietechnischen Ertüchtigung des Bestandes einen modernen Anbau, der heute die großzügige Familienküche aufnimmt.

Der langgestreckte, etwa 16 m lange Anbau bindet dabei die bestehende Doppelgarage in einem L-förmigen, ziegelverkleideten Winkel sensibel an den Altbau an. Raumhohe Schiebeelemente lassen die Öffnung der Küche zur davorliegenden, holzbelegten Terrasse zu und verbinden so geschickt den Innen- mit dem Außenraum.
Ausdrucksstarke Materialkontraste
Zentrum der Küche ist ein etwa 3,60 m langer und 90 cm tiefer, freistehender Küchenblock, der von einer umlaufend auf Gehrung gearbeiteten Hülle aus lebhaft gezeichneten Eiche-Altholz-Dreischichtplatten eingefasst wird. Eine etwa 50 mm starke Auflage aus massiver Eiche dient, direkt auf der nur 8 mm starken Arbeitsplatte aus weißem Vollkernmaterial aufliegend, als Ablage und Thekenbrett. Zur Gartenseite hin bieten flache Unterschränke hinter grifflosen, mittels Push-to-open-Beschlägen zu öffnenden Drehtüren Platz für Geschirr und Gläser. Auf der Küchenseite schaffen überbreite Auszüge (Blum Movento) Raum für weiteres Geschirr und Töpfe. Das flächenbündig in die Vollkern-Arbeitsplatte eingelassene Gas-Induktions-Kombikochfeld mit integriertem Unterflurabzug (Bora) wird über in die feststehende, vordere Blende eingelassene Drehregler aus Edelstahl bedient.
Die rückwärtige Unterschrankzeile nimmt in ihrem Fugenbild die seitlichen Begrenzungen des flachen darüberliegenden Fensterbandes auf. Deren einteilige Arbeitsplatte – ebenfalls aus weißem Vollkernmaterial – reicht in Übertiefe bis an die Glasfläche des Lichtbandes heran. Mit einer Länge von 5,40 m reicht sie bis in den rechtwinkelig angrenzenden Hochschrank hinein und bietet hier Platz für eine Küchenmaschine. Hinter den mattweiß lackierten Fronten der Unterschränke findet sich in breiten, auf Vollauszügen geführten Schubkästen aus Eiche reichlich Raum für Geschirr und Küchenutensilien. Spülbecken und Abtropffläche sind in der Unterbauversion in die Arbeitsplatte integriert.
Rechtwinkelig zur Küchenzeile angeordnete, raumhohe und ohne Passleisten eingebaute Hochschränke nehmen in bequemer Arbeitshöhe Backofen, Dampfgarer und eine Wärmeschublade (Gaggenau) auf. Eine breite, vertikale Grifffuge ermöglicht das Öffnen des Kühlschrankes und der mit Innenauszügen ausgestatteten Hochschränke. Alle weiteren Türen sind grifflos mittels Tip-on-Beschlägen zu öffnen. Auf der gegenüberliegenden Raumseite führt eine raumhohe, weiß lackierte Schiebetür zur Speisekammer im Altbau.
Die Küche wird zusätzlich zu den großen Glasfronten durch ein langgestrecktes Oberlicht natürlich belichtet – ein umlaufendes, in die abgehängte Decke eingelassenes LED-Band nimmt dabei exakt die Außenumrisse des darunterliegenden Küchenblocks auf.
Großzügige Raumfluchten
Über eine breite Durchgangsöffnung zum Altbau eröffnet sich über den Essplatz hinweg eine Sichtachse bis zum Wohnzimmer. Hier sitzt ein horizontal gegliedertes, von Wand zu Wand reichendes Bücherregal auf einem Schubkastensockel auf und umrahmt eine kräftig dimensionierte, etwa 80 cm tiefe Sitznische, welche das Fenster zum Garten einfasst. Ein gestalterischer Trick: Die Rückwand des Regals wurde im selben Farbton (Braungold, kt.COLOR AG · die Farbmanufaktur) beschichtet, wie die gegenüberliegende Wand – dies lässt das Regal rückwandlos und den Raum somit weiter erscheinen.
Die von sechs Inhabern geführte, in Kirchentellinsfurt bei Tübingen ansässige Echaz Schreinerei beschäftigt 16 Mitarbeiter und fertigte neben den Einbauten in Küche und Wohnzimmer auch eine durch raumhohe Schiebetüren verschlossene Garderobe im Flur, die Möblierung sämtlicher Bäder in Nussbaum und die Haustür in Eiche. I

Objektbeteiligte

Architektur
d.u.r. architektur
Dieter Ulrich Rehm
72793 Pfullingen
Innenausbau
Die Echaz Schreinerei GmbH
72 138 Kirchentellinsfurt
Holzfassade, Innentüren
Schreinerei Schütz
72585 Riederich
Zimmerarbeiten, Schiebetüren
Holz & Haus GmbH
Schreinerei und Zimmerei
72813 St. Johann-Würtingen