Esstisch lotet Möglichkeiten der 5-Achs-CNC-Bearbeitung aus

Fließende Formen

Organisch geformt und fein detailliert gibt sich der elegante Esstisch in Rüster von Fabian Aigner aus Erding. Entstanden ist das 5-Achs-CNC-gefertigte Möbel im Rahmen seiner Abschlussarbeit an der Fachakademie für Raum- und Objektdesign der Schulen für Holz- und Gestaltung in GarmischPartenkirchen.

I Lediglich acht Wochen Zeit hatte Fabian Aigner für sein Projekt, vom Beginn der Entwurfsarbeiten, bis hin zur Abgabe des Prototyps im Maßstab 1:1. Ein durchaus herausforderndes Programm! Er hatte sich zum Abschluss seiner Ausbildung zum Raum- und Objektdesigner an der Fachakademie in Garmisch-Partenkirchen die anspruchsvolle Aufgabe gestellt, einen Tisch zu entwickeln, der ausschließlich unter Einsatz von CNC-Technik herzustellen ist. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen!

Möglich wurde das Projekt erst durch den engagierten Einsatz zweier Lehrkräfte der Garmischer Schule: Diplom-Designer Dirk Schellberg und Werkstattlehrer und CNC-Spezialist Markus Kollmannsberger beschäftigen sich seit zwei Jahren intensiv mit den Möglichkeiten des Einsatzes eines neu angeschafften 5-Achs-Bearbeitungszentrums. Ziel war, bei zukünftigen Projekten die gesamte Prozesskette vom Entwurf eines Möbels über die Erstellung des digitalen Datenmodells bis hin zur Programmierung an der Maschine lückenlos und sicher darstellen zu können. Erst diese intensive Vorarbeit schuf die internen Voraussetzungen für die Begleitung einer solch anspruchsvollen Projektarbeit.

Reale Aufgabenstellung

Begonnen hatte das Projekt für Fabian Aigner mit einer ganz praktischen Aufgabenstellung. So galt es, eine Esstisch-Sitzbank-Kombination für sechs Personen für das noch aufzubauende Online-Geschäft einer Schreinerei zu entwickeln. Vorgaben waren die Verwendung von Massivholz, die Zerlegbarkeit zum Versand sowie eine eigenständige, moderne Formensprache. Da die Schreinerei in naher Zukunft den Einstieg in die CNC-Technik plant, sollte der Tisch unter maximaler Einbeziehung dieser Fertigungstechnik hergestellt werden. Bei der Formgebung des Tisches hatte Fabian Aigner weitestgehend freie Hand.

Seinem Entwurf gingen eingehende Vorstudien zum Thema Tisch, sowohl in historischer Hinsicht, als auch in Form einer Marktanalyse moderner Modelle voraus. Eine Standortanalyse des Schreinereibetriebes sowie eine kurze Betrachtung der Konkurrenzsituation runden das Pflichtenheft ab.

Von der Idee zum 1:1-Modell

Anhand zahlreicher Handskizzen entwickelte Fabian Aigner die Idee eines zargenlosen Tisches, dessen vier, leicht schräg ausgestellte Beine über “pilzartig“ geformte Zwischenstücke an der Tischplatte befestigt sind. Die konisch geformten Beine sind mittels Rampa-Muffen und Gewindestäben an den Zwischenstücken befestigt. Die in elliptischen Taschenfräsungen auf der Tischunterseite eingeleimten Zwischenstücke tragen die entstehenden Querlasten ab und ersetzen so die Funktion einer klassischen Tischzarge.Zur Sicherung der Planebenheit der massiven Tischplatte sind vier Aluminiumrohre (Durchmesser 20 mm) verdeckt in die Platte integriert. Um die 50 mm starke Tischplatte dünner erscheinen zu lassen, wurde auf dem Bearbeitungszentrum ein flaches Radiusprofil angefräst, sodass diese in der Ansicht lediglich 10 mm stark erscheint.

Vom Papier auf die Maschine

Der Reiz von Fabian Aigners Tisch liegt in der fließenden Kontur und weichen Linienführung, vom umlaufenden Profil der Platte über die organisch geformten Zwischenstücke bis hin zu den konischen Beinen. Hier lag auch die besondere Herausforderung, denn erst der kurvenstetige, das heißt kontinuierliche Verlauf ermöglicht den eleganten Übergang von der Tischplatte in das Bein. Die dafür notwendige Zeichnung wurde in einem 3D-Modellierungsprogramm gezeichnet, anschließend in WoodWop7 programmiert und schließlich in WoodMotion virtuell geprüft, bevor tatsächlich auf der Maschine gefräst werden konnte. Auf diese Art und Weise wurde ausgeschlossen, dass Fräser oder Aggregat der Maschine zu irgendeinem Zeitpunkt mit dem Werkstück oder dem Maschinenbett kollidieren.

Neben der Entwicklung von Tisch und Sitzbank, gestaltete Fabian Aigner im Rahmen seiner Abschlussarbeit nicht nur den Online-Shop der Schreinerei Franz Deuritz in Oberding-Aufkirchen bei Erding, sondern überarbeitete auch die Homepage und das gesamte CI des Handwerksbetriebes. Im Online-Shop der Schreinerei Deuritz soll die Tisch-Sitzbank-Kombination zukünftig in vier Holzarten angeboten und das Programm um weitere Möbelstücke erweitert werden – sobald das neue 5-Achs-Bearbeitungszentrum geliefert ist, kann es losgehen. (hf/Quelle: FA-GAP) I

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Die Fachakademie im Kurzporträt

Die Fachakademie für Raum- und Objektdesign bietet in zwei Jahren Vollzeitunterricht die Möglichkeit zur Weiterbildung zum staatlich geprüften Raum- und Objektdesigner. Ziel der Ausbildung ist es, gestalterische, konstruktive und darstellungstechnische Kenntnisse und Fertigkeiten im Bereich Möbel- und Innenausbau weiterzuentwickeln. Daneben werden betriebswirtschaftliche und organisatorische Kenntnisse sowie Grundlagen des Projektmanagements vermittelt. Fachbezogenes Englisch als Voraussetzung für internationale Geschäftsbeziehungen sowie Architektur- und Designgeschichte vervollständigen den Lehrplan einer zeitgemäßen Weiterbildung. Weitere Informationen sind auf der Homepage zu finden.