Luxemburger Schreinermeister entwickelt Lehrmittelschrank

Gute Verbindung

Die Welt der Möbelverbindungsbeschläge ist gerade für den angehenden Schreiner schwer zu überblicken. Schreinermeister Pascal Elsen aus Luxemburg hat im Rahmen seiner Abschlussarbeit zum Berufsschullehrer ein durchdachtes Lehrmittelkonzept zum Thema lösbare Möbelverbinder entwickelt.

I Die Auswahl der geeigneten Verbindungsbeschläge für Möbelkorpusse kann gerade für Auszubildende eine beträchtliche Herausforderung darstellen. Gilt es doch viele Faktoren zu berücksichtigen: Art der Verbindung, welcher Verbinder für welchen Plattenwerkstoff, Materialstärke, Einbaumaße, Belastbarkeit, … da kann einem als Jungschreiner schon mal der Kopf rauchen.

Um den Schreinernachwuchs hier geordnet an den Einsatz und die Verarbeitung der gängigsten Verbindungsbeschläge heranzuführen, hat der 39-jährige Luxemburger Schreinermeister Pascal Elsen eine durchdachte Unterrichtshilfe entwickelt. Als Abschlussarbeit seiner Weiterbildung zum Berufsschullehrer und Ausbilder am Lycée Technique Privé Emile Metz (LTPEM) entwarf und fertigte er zwei Präsentationsschränke, die anhand von 1:1-Musterecken sowie den dazugehörigen didaktischen Materialien den Einsatz von unterschiedlichen lösbaren Verbindungsbeschlägen aufzeigen.
Clamex, Minifix & Co.
Die beiden auf Rollen gelagerten und damit beweglichen Präsentationschränke sind mit je zehn Schubkästen bestückt. Um ein Kippen zu vermeiden, sind diese mit einer Zentralverriegelung und Differenzialsperre ausgestattet, sodass jeweils nur ein Schubkasten ausgezogen werden kann. Jeder Schubkasten lässt sich im Inneren variabel einteilen und nimmt die notwendigen Komponenten eines Verbindersystems auf, dazu eine schriftliche Dokumentation zur jeweiligen Verbinderart. Darauf finden sich Bilder der Verbinderkomponenten und ein Hinweis auf ein eventuell hinterlegtes Videodokument zur Verarbeitung des Verbinders. Jedes der gezeigten 16 Verbindersysteme – noch vier weitere und damit maximal 20 wären möglich – ist über ein Nummernleitsystem auf den Schubkastenvorderstücken, Datenblättern und Musterecken durchgängig gekennzeichnet. Eine pfiffige Idee: Schmale, drehbare Leisten an den Vorderkanten der Aufsätze kennzeichnen mit Nummer und Name den Platz der jeweiligen Musterecke und können zu Prüfungszwecken verdeckt werden. Zwei weitere Schubkästen je Möbel (ohne Nummerierung) nehmen die notwendigen Werkzeuge zur Montage und Demontage der Beschläge sowie Kataloge der wichtigsten Beschlagslieferanten auf.
Je zwei Musterecken pro Verbindersystem zeigen die Anwendung als Eck- und als Mittelkonstruktion. Sie können von den Ausbildenden von der Präsentationswand abgenommen, zerlegt und wieder zusammengebaut werden, um sich mit der Technik des jeweiligen Betrages vertraut zu machen. Jedes Muster ist mit einem Schnellinformationsetikett mit den wichtigsten Informationen zum Beschlag versehen.
Didaktische Einbindung
Die von Pascal Elsen vorbildlich entwickelten Präsentationsschränke sind in das Unterrichtskonzept der sogenannten „vollständigen Handlung“ (IPERKA) eingebunden und sollen die Schüler zum handlungsorientierten Lernen anleiten. Die Berufspädagogik geht davon aus, dass die Auszubildenden, wenn sie nach diesem Modell unterrichtet werden, die erworbenen Handlungskompetenzen im späteren Berufsleben selbstständig auf andere Arbeitsprozesse übertragen können.
Lernziel ist, dass die Schüler die Eigenschaften lösbarer Kasteneckenverbindungen verstehen, die Vor- und Nachteile erkennen, sich eigenständig die notwendigen Informationen aus den technischen Unterlagen besorgen und die Beschlagteile bestellen können. Sie sollen den richtigen Beschlag für unterschiedliche Konstruktionsarten auswählen, die richtigen Bohrbilder in den technischen Dokumentationen finden und nachzeichnen, Werkzeuge und Maschinen bestimmen und einstellen sowie die Verbinder in den Möbelkorpus einsetzen können. (hf/Quelle: Pascal Elsen) I

Ausbildungskonzept

Die Ausbildung zum Möbelschreiner wird am Lycée Technique Privé Emile Metz (LTPEM) im Rahmen einer dreijährigen vollzeitschulischen Ausbildung angeboten. Im 3. und 6. Semester müssen die Azubis jeweils an einem sechswöchigen Praktikum in einem Betrieb teilnehmen. Die Ausbildung schließt mit dem Diplom zum DAP Möbelschreiner (Diplôme d’Aptitude Professionnelle) ab. Als Zugangsvoraussetzung ist mindestens der Abschluss einer 9. Klasse Polyvalente (PO) des technischen Sekundarunterrichts gefordert, welcher ebenfalls am LTPEM angeboten wird.
Die Ausbildung setzt sich dabei aus unterschiedlichen Typen von Modulen zusammen:
  • Grundlegend (obligatorisch und weiterführend)
  • Ergänzend (obligatorisch und nicht weiterführend)
  • Fakultativ (Spezialisierung)
Der Modularunterricht ersetzt den Fächerunterricht. Jedes Modul ist nach mehreren konkreten beruflichen Situationen ausgerichtet.
Die Prüfungen werden nicht mehr mit Noten bewertet. Am Ende eines jeden Moduls macht der Auszubildende einen Test, der überprüft, ob er die geforderten Kompetenzen auch erfüllt. Das Bestehen eines Moduls ist in eines der folgenden drei Zertifizierungsniveaus aufgeteilt: bestanden, gut bestanden oder sehr gut bestanden. Ein Teil der Gesamtbewertung ergibt sich aus den Resultaten der integrierten Zwischen- und Endprojekte.
In der Ausbildung, welche zum DAP oder zum Technikerdiplom (DT) führt, muss jeder Azubi ein integriertes Zwischenprojekt im Verlauf der Ausbildung und ein integriertes Abschlussprojekt am Ende der Ausbildung umsetzen. Diese Projekte ersetzen die Zwischen- oder Abschlussprüfungen. Ziel ist es zu prüfen, ob der Auszubildende sich im Laufe der Ausbildung weiterentwickelt hat und ob er sich die notwendigen Kompetenzen angeeignet hat.
Die Reform hat den Zugang zur Berufsausbildung verbessert: Ist ein Modul erst einmal bestanden, so hat es eine Gültigkeit von fünf Jahren. Das Wiederholen einer Klasse existiert dank des modularen Systems nicht mehr, denn jedes Modul kann bis zum Ende der Ausbildung nachgeholt werden. Die nicht bestandenen Module müssen wiederholt werden. Die Sperrmodule müssen im darauffolgenden Semester wiederholt werden.