Welcher Schreiner wünschte sich nicht manchmal so viele Arme? Mit einem Graffito hat sich Schreinermeister Manuel Dietsch ins Gespräch gebracht.
BM-Serie „Ideen von Kollegen“

Hingucker

„Haben Sie das gemalt?“ witzelten Kunden früher über ein Gekritzel in dem Bus-Häuschen vor der Schreinerei. Manuel Dietsch verdrehte die Augen, doch dann hatte er eine Idee.

Autor: Regina Adamczak

I Lange schon kannte der Schreinermeister einen Graffitikünstler aus Nürnberg. Erst kürzlich hatte er mit Sebastian Lohmeier, der sich KL 52 nennt, zusammen gearbeitet, um einer Bar in Bamberg den ultimativen Kick zu verpassen. Das Markenzeichen von KL 52 ist ein Tintenfisch in allen möglichen Varianten. Und weil Manuel Dietsch immer offen ist für ungewöhnliche Ideen, war schnell klar: Ein Tintenfisch musste her, damit das triste Bushäuschen, das schon seit Jahren mit

seinem unschönen Aussehen, den Blick auf die Schreinerei verdarb, endlich zu einem Lichtblick wurde.
Dietsch sprach mit dem Bürgermeister, der gab sofort grünes Licht und nun lächelt ein Tintenfisch Fußgängern und Autofahrern zu. Nicht irgendeiner. Ein schreinerisch begabter natürlich. Er hält Brett, Säge, Hammer und den Meter in seinen Fangarmen und trägt den obligatorischen Bleistift hinter, ja hinter was eigentlich? Ohr? Na, Schwamm drüber. Der Graffitikünstler ließ es sich nicht nehmen, den Tintenfisch mit der Frisur und dem Lächeln des Auftraggebers zu beglücken. Auch der Namenszug „Dietsch“ sollte im Hintergrund erkennbar sein – aber da ging dem Künstler der Gaul durch und so lässt sich der Name nicht so recht entziffern. Sei es drum: Seit der Aktion, die sieben Stunden dauerte, ist das kleine Dörfchen Unterleinleiter zwischen Nürnberg und Bamberg um eine Attraktion reicher und Dietsch hat sich auf eine nette Art ins Gespräch gebracht. I

Auf den Punkt gebracht Gut fürs Image

„Wir sind eine alteingesessene Schreinerei, die natürlich von vielen konventionellen Aufträgen lebt, aber mit Aktionen wie dem Graffito oder auch der Pflege unserer Facebook-Seite machen wir uns einem jüngeren Publikum bekannt.“ Schreinermeister Manuel Dietsch hat an die Meisterschule noch eine Gestalterausbildung angehängt und ist davon auch heute noch inspiriert. „Die Design- und Architekturszene fühlt sich beim klassischen Schreiner oft nicht so gut aufgehoben,“ ist seine Erfahrung. Gerade im Gastronomiebereich seien Innovationen gefragt, hier bekommt er viele Aufträge, die aus der Reihe fallen.