Büromöbelsystem „motu – work in motion“ auf Orgatec 2016 vorgestellt

In Bewegung bleiben

Zwei Herzblut-Schreiner und gestandene Unternehmer entwickeln in knapp einem Dreivierteljahr ein durchdachtes Büromöbelsystem – von den ersten Konzeptideen bis zum erfolgreichen Auftritt auf der Büromöbelmesse Orgatec 2016. BM-Redakteur Heinz Fink

I Man trifft sich immer zweimal im Leben, sagt ein Sprichwort. Für die beiden Schreiner Michael Daubner und Frank Westermann gilt das in besonderem Maße. Der eine, aus Franken stammend, macht seine Ausbildung an der Fachschule für Schreiner und Holzbildhauer in Berchtesgaden, den anderen, einen Schwaben, zieht es zur Lehre an die Berufsfachschule für Schreiner nach Garmisch-Partenkirchen. Für beide drei intensive, handwerkliche und vor allem prägende Jahre, in denen sie neben der Lehre ihre Leidenschaft für die Berge ausleben können.

Jahre später kreuzen sich die Wege zum ersten Mal an der Fachschule für Holztechnik in Stuttgart. Der eine bildet sich zum Schreinermeister und Gestalter, der andere zum Meister und Holztechniker fort. Den einen führt im Anschluss ein einjähriges Stipendium ans Institut für Innenarchitektur und Möbeldesign der Stuttgarter Kunstakademie, der andere hängt ein berufsbegleitendes Studium zum Betriebswirt im Handwerk dran.
Auch in den folgenden Jahren verlieren sich Michael Daubner und Frank Westermann nicht aus den Augen, begegnen sich immer wieder. Beider Wege führen über diverse berufliche Stationen in leitende Positionen, Michael Daubner in die Geschäftsführung eines international tätigen Unternehmens für Ausstellungssysteme in Stuttgart und Frank Westermann in die Geschäftführung des väterlichen Innenausbaubetriebes, der K. Westermann Gmbh in Denkendorf bei Stuttgart.
Im Jahr 2010 gründet Michael Daubner Milos Concepts GmbH, ein Unternehmen zur Entwicklung und zum Vertrieb von Raumsystemen. Ein Entwicklungsauftrag für die zukünftigen Messeauftritte eines namhaften Industrieunternehmens führt zur engeren Zusammenarbeit mit Frank Westermann, dessen Innenausbaubetrieb die Officebereiche des Unternehmens ausstattete.
Zwei, die gleich ticken
Diese Kooperation führte im Jahr 2015 zu dem Entschluss, „gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen“ und schließlich Anfang 2016 zur Gründung der gemeinsamen Firma wd3, einem Entwicklungs- und Designbüro für Produkte und Raumstrukturen für Architektur und temporäre Architektur in Stuttgart.
Michael Daubner übernimmt dabei mit zwei eigenen und zwei externen Mitarbeitern den gestalterischen Part, Frank Westermann, mit dem Hintergrund eines 75 Mann starken Innenausbaubetriebes, Fertigung, Logistik und Vertrieb des unter dem Namen „motu – work in motion“ entstandenen Office-Programmes, vermarktet über das Unternehmen „wp_office – products bei westermann“.
„Was uns angetrieben hat? Der Drang, aktiv gestalten zu wollen und nochmal was Neues anzugehen“, so Michael Daubner und Frank Westermann. „Klar, auch der Gedanke an ein zweites Standbein, das neben dem Objektgeschäft laufen kann“, so Westermann.
Bürowelt in Bewegung
Warum Büromöbel? Weil kaum eine Branche einem solch grundlegenden Wandel unterliegt: Office-Strukturen mit Zellenbüros und festen Arbeitsplätzen lösen sich auf, Teams werden gebildet, wieder aufgelöst und andernorts neu zusammengestellt und flexible Raumtrennungen müssen in kürzester Zeit geschaffen und verändert werden können.
Mit dem Büromöbelsystem „motu“ wollten Michael Daubner und Frank Westermann auf diese Tendenzen reagieren. In einer denkbar kurzen Entwicklungszeit von nur neun Monaten, von den ersten Studien bis hin zum Messeauftritt zur Orgatec 2016 in Köln, entstand ein Office-System aus sehr reduziert gestalteten Grundelementen: jugendlich, frisch und sehr flexibel. Und das in einer Vielzahl von Varianten und Materialkombinationen – modernste Technik, wie eine schlichte elektrische Höhenverstellung der Tische, elektronisch gestützte Schließtechnik für alle Korpusmöbel sowie unterschiedliche, akustische wirksame Elemente ganz selbstverständlich inbegriffen.
Frisch anmutende Office-Familie
Kernstück von „motu“ ist der reduziert gestaltete, höhenverstellbare „Tisch A“, dessen Untergestelle an klassische Arbeitsböcke mit schräg ausgestellten Beinen erinnern. In handwerklicher Anmutung mit fingergezinktem Gestell in massiver Esche und linoleumbelegter Tischplatte oder in coolem Start-up-Look mit lackiertem Stahlgestell und Tischplatte aus OSB. Er lässt sich im Bereich von 650 bis 1250 mm in der Höhe verstellen und so flugs vom Sitz- zum Steharbeitsplatz verwandeln. Auch die Länge ist von 1400 mm in 200-mm-Schritten bis auf 2200 mm frei wählbar. Als Besprechungstisch „A Plus“ ist er, dann mit drei höhenverstellbaren Untergestellen , in einer Länge von bis zu 4 m erhältlich.
Bei „Sputnik I“, einem flexiblem Kleinstarbeitsplatz, stand der klassische Modellierbock des Bildhauers Pate: Vier schräg ausgestellte Beine geben ihm bei kleinster Standfläche maximale Stabilität. Natürlich ebenfalls höhenverstellbar und optional mit Rollen ausgestattet ist er, seinem Namen Ehre machend, frei im Raum beweglich. Sein Bruder „Sputnik II“ dagegen nimmt sich das Prinzip der Schubkarre zum Vorbild: Über eine vorne zentral angeordnete Rolle kann auch er leicht im Raum bewegt werden. Ebenfalls höhenverstellbar dient er als Erweiterung eines feststehenden Arbeitstisches oder ergänzt diesen um eine zusätzliche Ebene.
Die Rollcontainer sind mittels elektronischer Schlösser verschließbar und lassen sich dank Filzauflage auch als temporäre Sitzgelegenheit nutzen. Ein Hochcontainer dient, mit Apothekerauszug aus Metall zur Schmalseite hin ausgezogen, je nach Nutzerwunsch als Aktenschrank und Organisationsmöbel – klassisch an der Wand stehend, als Arbeitsplatztrennung oder frei im Raum stehend als Stehtisch und Besprechungsinsel.
Nach demselben Prinzip funktioniert „Spind“, ein Hochschrank mit akustisch wirksamer Seitenfüllung. Das Material aus Industriefilz findet auch in Sitzmodulen, den Seiten eines Schiebetürschrankes für Akten und einem Paravent Anwendung. Ein Steckregal aus Vollkernplatten rundet das Programm ab.
Fernziel Orgatec 2018
Der Einsatz des letzten Jahres scheint sich gelohnt zu haben: Das Interesse von Händlern und Architekten an „motu“ zur Orgatec 2016, stimmt Michael Daubner und Frank Westermann positiv. Sind doch bereits erste Aufträge und Bemusterungen von größeren Office-Projekten eingegangen und werden derzeit bei wp_office von zwei Mitarbeitern bearbeitet. Für Michael Daubner und sein Team bei wd3 heißt das aber nicht, dass jetzt Ruhe einkehrt. Denn neben der stetigen Weiterentwicklung von „motu“ bearbeitet das Büro auch Designaufträge für andere Kunden. Im Hinblick auf die nächste Orgatec 2018 haben Michael Daubner und Frank Westermann narürlich schon Neues im Blick: Es sollen neuartige, flexible Strukturen zur Raumtrennung entstehen. I