Meyer AG: Durchgängiges CAD/CAM-System macht Tempo

3D in Bestform

Formteile, Möbel- und Innenausbaukomponenten und pfiffige Spezialbeschläge: Konstruieren und Fertigen in 3D ist für die Meyer AG, renommierter Zulieferer in Ennetbürgen bei Luzern, längst etabliert. Jetzt beschleunigt ein intelligentes Software-Paket den direkten Weg auf die 5-Achs-CNC. Manfred Maier

I In Sachen CNC und CAD/CAM ist Firmenchef Bruno Kiser ein alter Hase. Lange bevor er vom früheren Inhaber der Meyer AG den Chefsessel übernahm, war er schon mitten im Thema: Als CNC-Maschinist und später als NC-Programmierer hat er sogar noch im legendären ISO gearbeitet und danach viele Software-Evolutionsstufen in praxi durchlaufen. „Diese lange C-Erfahrung kommt uns natürlich sehr zugute“, erklärt Kiser augenzwinkernd. So z. B. bei der Entscheidung für ein neues Softwarepaket im vergangenen Jahr.

Kreativer Ideenschreiner
2011 nutzte Bruno Kiser nach 14-jähriger Betriebszugehörigkeit die große Chance, das angesehene Unternehmen von Ruedi Meyer zu übernehmen und in bester Tradition weiterzuführen.
Deutschlands Schreiner und Möbler kennen die Meyer AG als Entwickler und Hersteller von pfiffigen Spezialbeschlägen für Tische. In der Schweiz ist der Betrieb seit über 60 Jahren kompetenter Zulieferpartner für Schreinereien, Ladenbauer, Küchen- und Möbelhersteller. Besonders wenn es um individuelle Lösungen geht, gilt die Meyer AG mit derzeit rund 20 Beschäftigten, als erste Adresse.
„Eigentlich sind wir wie eine Schreinerei“, bedeutet Kiser mit dem Hinweis auf enorme Vielseitigkeit und hohe Flexibilität. Neben den Standards im Bereich der Möbelkomponenten gehören zahlreiche Spezialitäten wie z. B. hochwertige Brotschubladen aus Massivholz zum Herstellungsprogramm. Mit eigenem Formenbau, Membranpresse und 5-Achs-CNC ist die Kompetenz bei dreidimensionalen Formteilen aus Holz, Kunststoffen und Composites besonders ausgeprägt. Im Bereich der Mineralwerkstoffe ist die Meyer AG darüber hinaus mit Varicor als Verarbeiter und Generalvertreter für die Schweiz aktiv.
Der markante Tüftlergeist zeigt sich auch auf einer ganz anderen Schiene: Mit preisgekrönten Tisch- und Spezialbeschlägen erreichte der Schweizer Betrieb internationales Ansehen. Daraus resultierte der Aufbau der Metallbearbeitung. Kiser: „Die Beschläge verkaufen sich sehr gut, in Deutschland übrigens über den guten Beschlägefachhandel.“ Das gilt nach wie vor auch für die bereits 1954 entwickelte, millionenfach produzierte Meyer-Winkelfeder.
CAD/CAM auf neuen Wegen
Bereits seit zehn Jahren setzt die Meyer AG die leistungsfähige 3D-Konstruktionssoftware Solidworks ein. Bruno Kiser: „Zunächst war dieses Programm auf unsere Beschlägeentwicklung fokussiert. Für Möbel- und Innenausbauteile hatten wir ein anderes CAD-Programm im Einsatz, das unseren Ansprüchen nicht mehr genügte.“ Auf der Suche nach einem passenden 3D-CAD/CAM-System für den Möbel- und Innenausbau waren vor allem mehr Komfort, schnelle Wege und lückenlose Durchgängigkeit zur CNC gefragt. Fündig wurden Kiser und sein Team auf der Holz-Handwerk 2016 in Nürnberg, wo sie den Schreinern mit großem Erfolg ihre Beschläge präsentierten.
Die Demo am Stand der DPS Software GmbH nennt Bruno Kiser ein regelrechtes Aha-Erlebnis: „Das CAD/CAM-Paket Swood hat tatsächlich das geleistet, was andere versprochen haben.“ Ein Weiteres kam hinzu: „Das Schöne daran war, dass die Swood-Bausteine in unser vorhandenes Solidworks voll integriert sind.“
Konstruieren mit der Swood Box
Das Swood-Paket beinhaltet zwei datenbankbasierte Module, die speziell für den Möbel- und Innenausbau entwickelt wurden. Die 3D-Konstruktionssoftware Swood Design ist voll parametrisiert: Bauteile, Baugruppen oder komplette Möbel werden nach firmenspezifischen Logiken konstruiert und in der Swood Box mit beliebigen Parametern angelegt. Aus dieser Bibliothek sind zudem Beschläge, Verbinder oder andere Zukaufkomponenten mit ihren importierten Daten abrufbar.
AV-Mitarbeiter Roman Murer hat einen Grundkorpus geöffnet, in den Außenabmessungen angepasst und zieht mit der Maus alle gewünschten Elemente und Details zügig aus der Swood Box direkt in die 3D-Darstellung und passt sie falls erforderlich an. Murer wählt noch die Kantenausführungen für Korpus und Front. Die Software bestimmt dann automatisch die erforderlichen Verbinder, Topfbänder oder die Abmessung der Front. Sämtliche geometrischen Daten liegen damit vor und der Schrank ist produktionsreif. Ähnlich komfortabel lassen sich komplexere Bauteile bis hin zu kompletten Raumlösungen konstruieren.
Nach der 3D-Konstruktion leistet Swood-Design eine ganze Menge mehr: Werkzeichnungen mit Schnitten, Explosionsdarstellungen, 3D-Renderings, Etiketten, Stück- und Zuschnittlisten, Layoutplanung und auch Kalkulationen unterstützen die Betriebs- und Fertigungsorganisation.
Wie sag ich’s meiner Maschine?
Kein Schnitt an der Schnittstelle: Mit einer leistungsfähigen und vielachsigen CNC-Anbindung geht es beim Schweizer Zulieferer mit wenigen Klicks direkt auf die Maschine: Das übernimmt Swood CAM, der kongeniale Partner des Konstruktionsmoduls. Diese CAM-Software löst Möbelkonstruktionen oder Komponenten in einzelne Werkstücke auf und stellt die CNC-Programme zur Verfügung.
Für den Schwerpunkt Formteile bei der Meyer AG läuft Swood CAM in Verbindung mit Solidworks zu voller Form auf und arbeitet interpolierend bis zur anspruchsvollen und simultanen 5-Achs-Bearbeitung. Das Programm zeigt die passenden Werkzeuge und erzeugt Fräsbahnen für Freiformflächen, Konsolen- und Saugerpositionierung inklusive.
Roman Murer würdigt u. a. die 3D-Simulation: „Anfahr- und Bearbeitungsmöglichkeiten lassen sich z. B. einfach mit der Maus variieren und man sieht ganz genau was passiert.“
Schneller zum Ziel
Firmenchef Bruno Kiser zieht eine sehr positive Bilanz seiner neuen, stabilen CAD/CAM-Struktur: „Swood macht echt Spaß. Mit der lückenlosen Durchgängigkeit zur CNC kommen wir mit wenigen Klicks einfacher und deutlich schneller zum Ziel.“ Das gelte auch für die anspruchsvolle 5-Achs-Bearbeitung.
Mitarbeiter Roman Murer schätzt besonders die intuitive Bedienerführung: „Vieles ist automatisiert. Die Bibliothek Swood Box und die Drag-and-Drop-Funktion sind eine große Erleichterung beim Konstruieren.“ So müsse man z. B. bei Duschtassen aus Varicor nur noch die Außenmaße verändern und die CNC-Bearbeitung könne in Minuten starten. Hervorgehoben werden zudem die intelligenten Verbinder- und Taschenfunktionen und die visuelle 3D-Darstellung in allen Phasen.
Hingewiesen wird in Ennetbürgen auch auf die Offenheit: Durch die Einbettung in Solidworks können die Swood-Bausteine über offene Schnittstellen mit den verschiedensten Systemen für Arbeitsvorbereitung und Verwaltung verknüpft werden. Gute Partnerschaft mit dem Systemhaus DPS, das die Programme vertreibt, ist Kiser wichtig: „Bei der Mitarbeiterschulung und mit dem Support haben wir gute Erfahrungen gemacht.“
Hohe Fachkompetenz ist Trumpf
Fest verwurzeltes Fachwissen und Ideengeist haben Zukunft: Auf dieser Basis ist die Meyer AG als ausgesprochen vielseitiger Dienstleister gut unterwegs.
Nicht nur softwaretechnisch zeigt sich der Zulieferer in jeder Dimension bestens gerüstet. Das über Jahre gewachsene Know-how in der 3D-Bearbeitung, so Bruno Kiser, passe bestens in einen Designtrend der aktuell wieder stärker nachgefragt werde: „Nach der eckigen, kantigen Welle registrieren wir eine steigende Nachfrage nach Formteilen aus den unterschiedlichsten Branchen.“ Aktuell stehen größere Aufträge für Waschtische aus Varicor im Visier und eine weitere 5-Achs-CNC stehe ganz oben in der Investitionsplanung. Gute Aussichten biete auch der zweite Unternehmenszweig: „Den guten Ruf, den wir uns mit Beschlägespezialitäten geschaffen haben, wollen wir mit neuen Ideen weiter stärken.“ Apropos Tischbeschläge, Garderoben und Griffsysteme: Schreiner und Tischler sollten sich dazu die informative Website der Meyer AG nicht entgehen lassen. I

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Der Autor
Dipl.-Ing. (FH) Manfred Maier war viele Jahre BM-Chefredakteur und arbeitet heute als freier Fachjournalist.