Tischlerei Opfer widmet sich der Fensterkultur

Einmaligkeit klassischer Fenster erhalten

In der BM-Ausgabe 7/2016 haben wir die Tischlerei Opfer in Hofgeismar erstmals vorgestellt. Hier ging es um die Türenkultur bzw. wie moderne Türen nach historischer Vorlage gefertigt werden. Doch schon lange vor dem Türenbau hat sich Tischlermeister Thomas Opfer mit der Rekonstruktion von historischen Fensterelementen beschäftigt. Matthias Fischer

I Praktisch seit seiner Jugend – und damit weit vor seinem Berufseinstieg – gilt das Interesse von Thomas Opfer historischen Fenstern und ihrem Erhalt. Ein Ergebnis dieser Leidenschaft ist bspw., dass er heute über eine umfangreiche Sammlung alter und historischer Holzfenster verfügt. „Immer wenn ich irgendwo ein altes Fenster finde oder eines ausbaue, nehme ich es nach Rücksprache mit dem Eigentümer mit für meine Sammlung. Natürlich habe ich ein kleines Museum mit restaurierten Fenstern – das älteste Fenster ist übrigens aus ca. 1650. Diese Fenster dienen mir heute als Vorbild. Viele Kunden wünschen rekonstruierte Fenster mit originalen Gläsern oder Beschläge, so bspw. die alten Winkelbänder. All die gesammelten Fenster möchte ich irgendwann schon gerne mal aufarbeiten“, erklärt Thomas Opfer.

Auch wenn der Schreinermeister berufsmäßig seit über 40 Jahren Fenster baut, war es wie bei den Türen, erst ein Lehrgang in Fulda, der ihn dazu brachte, das Thema Fensterkultur zu professionalisieren. Mit dem Zertifikat zur „Fachkraft für Fenstererhaltung“ war die fachliche Basis für ein neues Geschäftsfeld seines Unternehmens gelegt. Seitdem bildet er sich auf diesem Gebiet permanent weiter und ist heute ein gern gesehener Referent bei regionalen und überregionalen Fenstertagen.
Rückbesinnung auf die alte Optik
Bei Kundenanfragen hört er immer wieder den Wunsch der Hausbesitzer heraus, das ursprüngliche „Gesicht des Gebäudes“ entweder zu erhalten oder wenn möglich, wieder herzustellen. Vielleicht hat dieser Wunsch ja etwas mit der heutigen Zeit im Allgemeinen zu tun. Retro ist extrem gefragt. Nicht nur in der Mode, auch das Design vieler Gebrauchsgegenstände lehnt sich oft stark an die Originale früherer Jahre an – allerdings mit der Technik von heute. Insgesamt wird die heutige Zeit als schnelllebiger und unruhiger empfunden. So verwundert es kaum, dass bei vielen Menschen der Wunsch nach einem „sicheren“ Rückzugsraum wächst. Das Eigenheim ist genau solch ein Raum. Trendforscher verwenden hier oft den Begriff Cocooning.
Manchmal ist es aber vielleicht einfach nur die Rückbesinnung auf die einstige Schönheit einer Hausfassade – bspw. wenn es sich um das geerbte Elternhaus handelt, bei dem die alten und zugigen Holzfenster in den 1970er- und 1980er-Jahren durch funktionale Elemente aus Kunststoff oder Aluminium ersetzt wurden. Diese „Sünden der Vergangenheit“ möchten heutige Eigentümer oftmals gerne beseitigt wissen.
Ein umfassender Fensterwechsel steht häufig bei der Grundsanierung von Gebäuden an. Die alten Kunststoff- oder Alufenster kommen dann raus und sollen meist durch neue Elemente ersetzt werden, die sich optisch an den einstigen Originalen orientieren. Die Aufträge haben unterschiedliche Größenordnungen – von einer Wohnung über Einfamilienhäuser bis hin zu Acht- und Zehnfamilienhäusern. Etwa sechs Wochen Lieferzeit müssen Kunden hierfür einplanen.
Die neuen Fenster mit ursprünglicher Optik erfüllen natürlich alle Anforderungen des Wärmeschutzes, denn entweder kommt Wärme-, Schall- oder Einbruchschutzglas zum Einsatz bzw. es wird mit historischem Ornamentglas kombiniert. Eine hohe Herausforderung stellen immer wieder die Bauanschlüsse dar.
Hier muss ein Monteur besonders sauber arbeiten und vor Ort individuell entscheiden, welche Materialien Verwendung finden, um bspw. Wärmebrücken zu verhindern.
Herausforderung Denkmalschutz
Da die allermeisten Aufträge im Bereich denkmalgeschützter Häuser erteilt werden, sind hier die Anforderungen der Verantwortlichen meist besonders hoch. Die Fensterproportionen, die Rahmen- und Flügelholzbreiten, die Profilierungen von Kämpfer, Sohlbank und Schlagleiste sollen der Fensteroptik aus der Erbauerzeit entsprechen. Bei einer Restaurierung ist oft die Erhaltung des Istzustands vordergründig. „Ein 100 oder 150 Jahre altes Fenster kann allein schon konstruktionsbedingt nie unsere heutigen Anforderungen an den Wärme- oder auch Einbruchschutz erfüllen. Ist dies gewünscht, verwenden wir bspw. Vorsatzscheiben oder Kastenfenster“, erklärt Thomas Opfer.
Kein Stilbruch
Der Anspruch von Thomas Opfer auch bei seinen Rekonstruktionen ist immer, sich möglichst nah am Original und der jeweiligen Stilepoche zu orientieren. Dies gilt für die Scheiben ebenso wie für die anderen Werkstoffe. Früher arbeiteten Fensterbauer viel mit Kiefer, die einen hohen Kernanteil hatte. Heute überwiegen Fichte und Lärche. Doch auch Eiche wird im Fensterbau zunehmend verwendet.
Gestrichen werden die Elemente häufig mit Leinölfarben, die es in fast allen RAL-Farbtönen gibt. Bei den Beschlägen greift Opfer meist zu Produkten von Tummescheit, Schörghofer & Frehe oder Replicata. Manchmal kommt es aber auch vor, dass Originalbeschläge aus der eigenen Sammlung verbaut werden. Natürlich werden diese alten Beschläge dann entsprechend aufgearbeitet.
„Wenn sich ein Kunde dazu entscheidet, die Fenster wieder in den ursprünglichen Zustand herzustellen, ist er meist für meine Anregungen und Ideen offen. Da er weiß, dass mit den neuen Fenstern die Schönheit und Wertigkeit seines Hauses steigt, ist er auch bereit, einen etwas höheren Preis zu bezahlen“, so Opfer.
Natürlich lässt sich zu den Kosten keine Pauschalaussage machen, denn diese sind immer so individuell wie die Kundenwünsche auch. Rund 80 % seiner Kunden sind übrigens Privatpersonen oder Architekten. I
Lothar Opfer Schreinerei & Fensterbau
34369 Hofgeismar

Der Autor

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Matthias Fischer ist seit 2009 freier Fachjournalist und Fachbuchautor. Er verfügt über 25 Jahre Branchenerfahrung und hat viele Jahre als stellvertretender Chefredakteur eines Baufachmagazins gearbeitet.