Schleifen sensibler Hochglanzkanten

Glänzende Geschäfte

Ganz schön abgehoben: Mit seiner außergewöhnlichen Kompetenz hat der österreichische Aircraft-Interior-Spezialist F/List inzwischen ein Fünftel des Weltmarktes erobert. Für Privat- und Businessjets bis hin zur Boeing 787 Dreamliner sind dabei jede Menge handwerkliches und exzellentes technologisches Know-How gefordert.

I Dabei ist der seit 2004 bestehende Bereich „Aircraft Interior“ ein vergleichsweise junger Zweig des renommierten Unternehmens. 1950 von Franz List Senior als Tischlerei gegründet, habe man sich vor allem mit exklusiven Möbeln und Yacht-Inneneinrichtungen einen guten Ruf erworben, erzählt Ing. Thomas Nix, der Leiter der Abteilung Oberfläche: „Der Bereich Luftfahrt ist heute mit seinen Anforderungen an Brandschutz und Gewicht sicher die Speerspitze, aber auch im Yachtbau werden hohe Ansprüche gestellt.“ Um solche Erwartungen zu bedienen, setzt F/List auf den Standort im niederösterreichischen Thomasberg. Insgesamt 690 Mitarbeiter sind dort in zwei Werken beschäftigt.

Know-how sei dabei der Schlüssel: „Wir prüfen immer, ob wir noch ‚State of the Art‘ sind, hinterfragen und optimieren permanent unsere Prozesse. Wir müssen machen, wovon andere noch meilenweit entfernt sind. Das Know-how im Umgang mit Hightech-Werkstoffen ist nicht so leicht zu kopieren und macht den Unterschied.“ Das scheinen auch Flugzeughersteller wie Pilatus, Bombardier, Embraer oder Boeing so zu sehen: „Wir liefern etwa 150 Shipsets pro Jahr – also komplette Flugzeug-Innenausstattungen.“ Primär ginge es dabei um sehr exklusive Inneneinrichtungen für Businessjets, sagt Nix: „Aber auch um Refurbishments. Dabei übernehmen wir das Auffrischen sämtlicher Oberflächen ebenso wie das Umrüsten ganzer Kabinen. Wir konstruieren, erneuern und reparieren einzelne Elemente bis hin zu vollständigen Kabinenausstattungen und führen zudem auch alle notwendigen Neuzulassungen durch.“
Verbindung inkompatibler Materialien
Mit herkömmlichem Möbelbau habe das nur noch wenig zu tun: „Das Einzige, was wirklich noch aus Holz ist, sind die Furniere und die Transportkiste“, lächelt Nix. Sonst kämen eher exotische Werkstoffe zum Zug: „Ultraleichte Wabenplatten, Spezialschaum und Verbundwerkstoffe.“ Insgesamt werden jährlich etwa 180 000 m² verschiedene Plattenwerkstoffe verarbeitet.
Eine neuer Trend führe zur Kohlefaser: „Damit sind bis zu 20 % Gewichtsersparnis möglich. Und möglichst geringes Gewicht ist, neben dem Brandschutz, das Wichtigste im Flugzeugbau.“ Mit dieser, in enger Zusammenarbeit mit Hilitech, dem Joint Venture zwischen F/List und Hintsteiner Group, entwickelten neuen Technologie dürften die Niederösterreicher einmal mehr die Nase vorn haben: „Die Herausforderung ist, die richtigen Klebe- und Lacksysteme zu entwickeln“, verrät er. „Wir verbinden eigentlich inkompatible Materialien wie Karbon und Holz zu einem neuen Plattenwerkstoff. Solche Verklebungen – insbesondere auf gewölbten, nicht geraden Flächen – machen unser Know-how aus.“
Ein Verfahren zu entwickeln, ist das eine. In der Luftfahrt kommen allerdings noch die sehr aufwendigen Prüf- und Zertifizierungsverfahren dazu: „Es muss natürlich alles zertifiziert sein, bevor es das erste Mal in die Luft darf. Diese Prozesse, bis alles so funktioniert, dass es dann verbaut werden darf, können Jahre dauern“, erklärt Thomas Nix. Die Entwicklungsabteilung bei F/List arbeitet dazu eng mit den Flugzeugherstellern und Zulieferern wie zum Beispiel Klebstoff- und Lackherstellern zusammen.
Handwerkliche Perfektion
Trotz Hightech: Die handwerkliche Güte sei mindestens ebenso wichtig, betont Nix: „Wir bewegen uns bei Businessjets in einer anspruchsvollen Nische. Die Furnierarbeiten müssen ebenso makellos sein wie die Technologie darunter. Das ist ein weiterer Vorteil des Standortes Österreich – das Geschick unserer Mitarbeiter. Es gibt eben Arbeitsgänge, die kann man nicht automatisieren.“ Der Blick in die Furnierabteilung belegt recht eindrucksvoll, wovon er spricht. Kostbare Furniere werden kunstvoll zu perfekt durchgängigen Furnierbildern gefügt – wohlgemerkt über die Fläche einer kompletten Kabinenwand mit ihren komplexen Ausfräsungen und Einbauten. Eine aufwendige Arbeit. Der geringste Fehler im Furnier könne bedeuten, eine ganze Kabinenwand neu anfertigen zu müssen, damit das Furnierbild absolut perfekt ist, erläutert Thomas Nix.
Dabei seien die völlig ebenen Bauteile beinahe schon in der Minderzahl: „Viele Teile werden dreidimensional furniert, was bei den verwendeten Ultraleichtplatten besonders heikel ist. Wir fassen unsere Bauteile daher mit den sprichwörtlichen Glacéhandschuhen an.“
Vollendete Oberflächen
Denn die Oberflächengüte sei essentiell: „Die Oberfläche ist die Abteilung, in der Geld verdient oder verloren wird“, bringt es Nix auf den Punkt. Weshalb man bei F/List da besonders viel Aufwand treibe. Die gesamte Abteilung sei auf dem neuesten Stand der Technik, sagt er: „Da wurde viel investiert.“ Es herrschen geradezu klinische Bedingungen mit strikter Trennung der Arbeitsvorgänge, Staubschleusen und hochwertigem Arbeitsgerät. Überwiegend wird ein Spiegelglanz ausgeführt, wie man ihn sonst vielleicht noch aus dem Klavierbau kennt. Bei F/List scheint man aber selbst da einen Schritt voraus zu sein: „Üblicherweise wird Hochglanz ja meist in Polyester lackiert und davon sind wir weg. Wir haben jetzt ein neues Lacksystem entwickelt, von dem wir uns erhebliche Verbesserungen erwarten“, erläutert Nix.
Der Aufwand hinter Lackierungen in dieser hohen Qualität bleibe trotzdem enorm: „Die Lackierung ist ein mehrstufiger Prozess aus Spritz-, Schleif- und Poliergängen. Die Lackaufbauten bestehen dabei teilweise aus sechs bis zehn Schichten.“
Lackschliff so wichtig wie Lackierung
Häufig werde dabei übersehen, dass eine möglichst präzise Schleifarbeit das Endresultat seiner Meinung nach fast mehr positiv beeinflussen könne, als die Lackierung selbst: „Je genauer die Schleifarbeit ausgeführt wird, desto schöner entwickelt sich die folgende Schicht. Durchschleifen oder Kratzer sind schlicht ein No-Go.“
Kanten besonders schwierig
Besonders heikel sind dabei die Kanten: „Bei den geringen Oberflächendimensionen ist das Risiko zu vernudeln oder durchzuschleifen natürlich besonders hoch.“ In sensiblen Bereichen sei Handarbeit häufig die bessere Lösung – und bei dreidimensionalen Teilen oft auch gar nicht anders herstellbar. „Wegen der Kosteneffizienz und der konstanteren Qualität versucht man selbstverständlich, geeignete Maschinen zu finden.“ Gerade bei den Kanten sei das aber alles andere als trivial: „Da gibt es nicht wirklich viele für Hochglanz-Lackschleifarbeiten taugliche Alternativen. Wenn man es genau nimmt, nur eine“, grinst Nix. „Die Kündig, aus der Schweiz. Eine sehr präzise Maschine.“
Die Einzige mit gesteuertem Schleifschuh
Bei der Maschine, die er in diesem Zusammenhang so positiv hervorhebt, handelt es sich um die Kündig Uniq-S Lack. Eine Kantenschleifmaschine, die exklusiv über einen getasteten, pneumatischen Schleifschuh, ähnlich wie bei einer Breitbandschleifmaschine, verfügt. Deshalb eigne sich diese Präzisionsschleifmaschine besonders zum Schleifen der empfindlichen Hochglanzkanten, meint Nix: „Zuvor konnte man sich aussuchen, ob man die Lackschicht im Eckbereich durch- oder mit der Handmaschine rund schleift. Beides hat uns überhaupt nicht gepasst. Das hat diese Kündig deutlich verbessert. Jetzt sind auch die Kanten eine absolut präzise Grundlage perfekter Lackierergebnisse.“
Auf die Millisekunde genau
Für derartige Resultate bieten die Präzisionsschleifspezialisten aus Wetzikon einiges an Technologie auf: Der pneumatische Schleifschuh wird, wie schon erwähnt, einsatzgesteuert. Eine Elektronik steuert dabei den Ein- und Aussetzpunkt des Schuhs millisekundengenau. Das berüchtigte Verrunden (oder schlimmer noch: Durchschleifen) an den Ecken wird so vermieden, die Kante bleibt exakt gerade. Die stufenlos regelbare Vorschub- und Schleifbandgeschwindigkeit ermöglicht dabei die feinfühlige Anpassung der Schnittgeschwindigkeit an das verwendete Lackmaterial.
Zur dieser Präzision trage auch das besonders schonende Vorschubsystem bei: „Man kann von Hand gar nicht so gleichmäßig vorschieben, wie es dieser Vorschub tut. Und die weichen Transportbänder sind für unsere sensiblen Hochglanzflächen gut geeignet. Nichts wird verdrückt oder zerkratzt. Dieser Vorschub hat sozusagen die weißen Handschuhe an.“
Sein Urteil fällt unter diesen Gesichtspunkten ausgesprochen freundlich aus: „Kündig hat es verstanden, eine sehr solide Bauweise mit modernster Schleiftechnologie zu verbinden, die uns schonendes und exaktes Bearbeiten ermöglicht.“ Die Nachfrage erübrige sich also, lacht er: „Natürlich sind wir mit der Kündig zufrieden – sehr sogar.“ (cn/Quelle: Kündig, Robert Kittel) I
Kündig auf der Ligna: Halle 16, Stand D19