Ohne Transporthilfen läuft auf vielen Baustellen nichts mehr

Mitarbeiter entlasten

Die Terhalle Fenster und Fassaden GmbH aus Ahaus kann und will nicht auf starke Transport- und Montagehilfen verzichten. Denn durch die Zunahme von immer größeren Fenster- und Türenelementen müssen die eigenen Mitarbeiter entlastet und geschützt werden vor schwerwiegenden Rückenproblemen.

Autor: Matthias Fischer

In der modernen Architektur wird auf Tageslicht gesetzt. Räume müssen hell und lichtdurchflutet sein. Dies geht nur mit großen Fenstern. Die Standardgrößen früherer Jahre sind teilweise Vergangenheit. Doch es ist nicht nur die Größe allein: Dreifachverglasungen, Einbruchsicherheit sowie hohe Anforderungen an den Wärme- und Schallschutz sind bei modernen Fenstern selbstverständlich. Natürlich bewirkt dies, dass Flügelgewichte von 180 kg und mehr keine Seltenheit sind. Nicht nur Profil- und Bandhersteller stellen diese hohen Gewichte vor große Herausforderungen – beim Transport und der Montage der Elemente auf der Baustelle läuft deshalb fast nichts mehr ohne technische Hilfsmittel.

Dies bestätigten auch Ludger Lermer (kaufmännischer Geschäftsleiter) und Stephan Gerwens (technischer Geschäftsleiter), bei der Terhalle Fenster und Fassaden GmbH in Ahaus. „Durch die kubische Bauart der modernen Architektur sind in den letzten Jahren die Anteile der Glasflächen kontinuierlich gestiegen. Gleichzeitig bedeutet dies, dass bei den immer größeren Glasflächen die Anforderungen an Wärme- und Schallschutz steigen. Besonders eindrucksvoll ist dieser Trend bspw. bei Hebe-Schiebetüren, deren Maße sich in zunehmend abenteuerlichen Größen bewegen“, erklärt Lermer.

Kompakter Helfer mit viel Power

Das Unternehmen hat deshalb diverse Montagehilfen im Einsatz. Seit einiger Zeit vertrauen die Monteure bei ihren Arbeiten auf der Baustelle auch auf einen Robby 600 von TGT. Der Robby 600 ist ein sogenanntes Manipulationsgerät für große und schwere Glas- oder Fensterelemente. Seine Tragkraft beträgt 600 kg. Das Gerät hat eine Größe von 1430 x 960 x 2100 mm und wiegt 820 kg. Die Maße sind so kompakt, dass die Maschine auch durch Türen gefahren werden kann. Die Teleskoplänge beträgt 700 mm, die maximale Arbeitshöhe 2900 mm. Der Arm kann unter Last bis zu 1250 mm vor den Rädern ausgefahren werden. Zwei Batterien mit je 12 V liefern den nötigen Strom. Geladen wird der Robby über das Stromnetz mit 230 V. Nach acht Stunden Ladezeit sind die Batterien voll. Die Kapazität reicht dann für etwa 16 Stunden Einsatzzeit. Der UVP für dieses Modell liegt nach Angaben von TGT bei 27 950 Euro.

Einmal jährlich ist bei den Robbys ein technischer Service nötig. Dieser kann direkt am TGT-Standort in Emsbüren durchgeführt werden oder bei den Kunden vor Ort. Um die Kosten für die Anfahrt übersichtlich zu halten, bietet TGT auch sogenannte Servicetouren an, zu denen sich Kunden anmelden können. Grundsätzlich bietet der Anbieter die Möglichkeit zum Abschluss von Wartungsverträgen. Die zu transportierenden Elemente werden mit einer Saugeinheit fixiert und auf eine Arbeitshöhe bis knapp 3 m gebracht. Durch die hohe Beweglichkeit der Maschine ist es selbst für einen Monteur allein kein Problem mehr, schwere und große Scheiben oder Fenster und Türen millimetergenau einzusetzen. Der mittels Akku betriebene Robby ist mit einer Kabelfernbedienung oder wahlweise mit einer Funkfernbedienung ausgerüstet.

Verleihservice an Kollegen

Rund einmal im Monat bekommt Terhalle auch eine Verleihanfrage vom Robby-Hersteller TGT. Denn viele kleinere und mittlere Unternehmen benötigen oft nur zwei- oder dreimal im Jahr entsprechende Geräte, wenn es in Gebäuden beispielweise besonders große Fenster oder Türen zu montieren gilt. Diese Unternehmen wenden sich einfach an die TGT GmbH und die vermitteln aus einem Vermieter-Pool, der aus Kaufkunden besteht, das passende Geräte. Auf Wunsch wird das Gerät auch angeliefert, in die Firma oder Baustelle, und wieder abgeholt.

www.terhalle.de

www.tgt-teupen.de


BM fragt bei Terhalle nach

„So wenig körperliche Belastung wie möglich“

Wir sprachen mit Ludger Lermer und Stephan Gerwens über die Erfahrungen, die man bei Terhalle mit der Montagehilfe von TGT bisher machen konnte.

Fenster verfügen heute über eine Dreifachverglasung, sodass Flügelgewichte von mehr 180 kg keine Seltenheit sind. Kommt man da beim Handling überhaupt noch ohne Montagehilfen aus?

Ludger Lermer: Wenn ich darüber nachdenke, fällt mir der Vergleich mit dem Maurerhandwerk ein. Hier wurde vor einigen Jahren die Zementmenge pro Sack von 50 auf 25 kg reduziert. Hintergrund für diese Erleichterung war die Zunahme von Rückenproblemen bei vielen Handwerkern. Doch ganz anders ist die Entwicklung in unserer Branche: Doppelisoliergläser waren gestern – heute sind Fenster mit Dreifachverglasung zum Standard geworden. Hinzu kommen Eigenschaften wie Schall- und Sonnenschutz. Pauschal lässt sich sagen, dass Verglasungen heute oft 50 % schwerer sind als noch vor zehn oder
15 Jahren. Da liegt es auf der Hand, dass wir nicht mehr ohne Montagehilfen auskommen können und wollen, denn wir müssen unsere Mitarbeiter schützen und entlasten.

Tragen die Monteure die Elemente noch per Muskelkraft oder setzen Sie hier konsequent Montagehilfen ein?

Stephan Gerwens: Ganz ohne Muskelkraft geht es bei der Montage leider nicht. Doch bei uns ist jeder Projektleiter in der Planung dazu angehalten, Montagehilfen nach dem Motto „so wenig körperliche Belastung wie möglich“ einzuplanen.

Können alle Monteure das Gerät nutzen oder gibt es Einschränkungen?

Stephan Gerwens: Schulungen sind für alle Monteure abgehalten worden. Allerdings zeigte sich sehr schnell, dass einige Monteure lieber mit derartigen Hilfen arbeiten, andere weniger.

Wie sind die Service- und Wartungsintervalle für den Robby 600 – ist es eine zuverlässige Transport- und Montagehilfe?

Stephan Gerwens: Wir nutzen den Robby mindestens an 15 Werktagen im Monat. Da die Beanspruchung der Maschine bei hohen Scheibengewichten und auf Großbaustellen sehr hoch ist, muss selbstverständlich eine regelmäßige Wartung und Pflege erfolgen. Der Robby wird bei uns definitiv nicht geschont, aber wir konnten uns immer auf das Gerät verlassen. Deshalb ist auch ein morgendlicher Funktionscheck selbstverständlich, denn es geht schließlich um die Sicherheit.

Wenn es besonders große Fassaden- oder Bauelemente zu bewegen gilt oder es schwierige Bedingungen auf der Baustelle gibt, reichen die eigenen Geräte manchmal nicht aus. Nutzen Sie dann auch den Verleihservice, um kurzfristig entsprechende Montagehilfen zu bekommen?

Stephan Gerwens: Ja, es werden häufig mobile Kräne und Turmdrehkräne gemietet. Auch Spinnenkräne von Uplifter. Die kommen zum Einsatz, wenn wir im besonders unwegsamen Gelände mit großen Gewichten arbeiten müssen. Wenn unsere Kransauganlage bereits auf einer anderen Baustelle im Einsatz ist, kann es sein, dass wir uns hin und wieder mal eine weitere Maschine ausleihen müssen. Aber das kommt eher selten vor.

Können Sie sagen, wie oft Sie den Verleihservice nutzen?

Stephan Gerwens: In Zahlen lässt sich dies nur schwer ausdrücken, denn es hängt immer von den Baustellen ab. Allerdings können wir schon sagen, dass sich die Anforderungen in den letzten Jahren zunehmend verändert haben und es immer häufiger Situationen gibt, in denen wir Sondergeräte benötigen und uns an einen Vermieter wenden.

Das Interview führte Matthias Fischer im Auftrag der BM.


Der Autor

Matthias Fischer ist seit 2009 freier Fachjournalist und Fachbuchautor. Er verfügt über 25 Jahre Branchenerfahrung und hat viele Jahre als stellvertretender Chefredakteur eines Baufachmagazins gearbeitet.