Nicht immer trifft den Handwerker die Schuld

Außergewöhnliche Parkettschäden

Wenn der Tischler, Schreiner oder Parkettleger alles richtig gemacht hat, aber trotzdem Schäden am Parkett eintreten, wird er zuerst zur Verantwortung gezogen und nicht selten auch gleich als „schuldig“ dargestellt. Durch ein Gutachten, das ihn vor ungerechtfertigten Folgekosten bewahrt, kann er sich wehren. Bernhard Lysser

Parkettverfärbungen können ganz unterschiedliche Ursachen haben. Hinterlistig sind Verfärbungen durch Gase aus der Unterkonstruktion, welche aus Zersetzungsprozessen von Mineralwolldämmungen stammen. Diese entstehen, wenn die Isolation direkt auf nasse Betondecken verlegt wird. Die Gase steigen über den Randstellstreifen auf und führen zuerst stirnseitig zu dunklen Verfärbungen, später auch innerhalb der Fläche. Davon wird keine Holzart verschont. Auch die Sockelleisten können dunkel verfärbt sein. Die Kontrollöffnung bis auf den Beton zeigt dann klar die Ursache, welche jedoch nie im Beeinflussungsbereich des Parkettverlegers liegt.

Abhilfe kann geschaffen werden, indem auf jeder neuen Betondecke zuerst eine PE-Folie montiert wird und darüber die Dämmungen und die weiteren Unterkonstruktionsschichten.
Klebstoffzersetzungen
Moderne elastische 1K-Klebstoffe sind zwar sehr beliebt und praktisch, haben aber in der Vergangenheit oft zu großen Schäden geführt. Die Klebstoffe zersetzten sich nach unterschiedlich langer Zeit so stark, dass das Parkett gar keine Haftung mehr auf dem Untergrund aufweist. Bei den Kontrollöffnungen zeigt sich immer das gleiche Bild: Eine Kitt ähnliche, leicht klebrige oder pudrige Masse haftet zum Teil auf dem Untergrund und zum Teil am Holz. Festigkeit oder Elastizität ist keine mehr vorhanden. Zudem riechen/„stinken“ die Klebstoffe sehr stark. Klebstoffzersetzungen treten über Zementestrichen, Kalziumsulfatuntergründen wie auch Holzwerkstoffplatten auf. Die genaue Ursache muss in einer mangelhaften Klebstoffkomponente liegen und die Verantwortung trägt der Leimproduzent.
Klebstoffzersetzungen erfordern einen vollständigen Ersatz des gesamten Parketts und erst nach dem gründlichen Reinigen der Untergrundoberfläche kann mit einem neuen Klebstoff neues Parkett wieder vollflächig aufgeklebt werden.
Decklagenablösungen
Lose Decklagen bei Mehrschichtparkett entstehen aus verschiedenen Gründen und erfordern genaue Ursachenanalysen, um bereits beim Feststellen des Schadens die notwendigen Maßnahmen planen zu können. Diese gehen von örtlicher Reparatur über Ersetzen einzelner Elemente bis hin zum vollständigen Auswechseln des Parketts.
In der Verantwortung des Parkettherstellers treten Decklagenablösungen auf bei ungenügender oder fehlender Verklebung mit dem Trägermaterial. Dabei erscheinen die Decklagenunterseiten meist ganz ohne Klebstoffrückstände. Der Leim liegt auf dem Träger ausgetrocknet vor. Bei großformatigen Parkettelementen können derartige Fehlverleimungen örtlich auftreten, wenn die Decklage nicht überall die volle Dicke aufweist. Sodann fehlt der Pressdruck beim Verleimen der Elemente und die zu dünnen Partien verbleiben ohne Verklebung. Angrenzend resultiert bei einer ordentlichen Verklebung und einem mechanischen Abheben der Decklage immer ein Faserausriss im Trägermaterial oder in der Decklage. Mit gezielten Leiminjektionen können diese Bereiche oft vor Ort korrigiert werden.
Anders sieht die Verantwortung aus bei Überbelastungen durch ungünstige Klimabedingungen und/oder zu hohe Temperaturen im Parkett. Dabei kommen bei den Kontrollöffnungen immer Abrisse im Trägermaterial zum Vorschein, welche stets in der Nutoberecke beginnen. Dort treten bei übermäßigen Schwindprozessen die größten Kräfte horizontal und vertikal auf, da die Decklagen nach oben ziehen (Schüsseln) und nach innen kleiner werden. Für derartige Abrisse hat der Parkettleger nie Verantwortung zu übernehmen, da Heizung und Klima nicht von ihm bedient oder eingestellt werden. Ein Totalersatz des Parketts ist meist unerlässlich.
Weitere Schäden, ohne dass der Parkettverleger verantwortlich ist, sind Ablösungen von einzelnen Schichten in mangelhaften (billigen) Sperrholzträgern. Fehlverleimungen zwischen den Furnieren führen zu sauberen Schichtentrennungen, ohne dass dabei Faserausrisse resultieren. Die oberste Furnierschicht des Sperrholzes ist in der Regel sachgerecht und ordentlich mit der Decklage verbunden, weiter unten aber lösen sich die verschiedenen Schichten auf unterschiedlichen Höhen. Hier hat ebenso der Parketthersteller die Verantwortung für einen notwendigen Totalersatz des Parketts zu übernehmen.

Der Autor
Bernhard Lysser, Experte ISP und Mitglied Swiss Experts (Schweiz. Kammer technischer und wissenschaftlicher Gerichtsexperten)