Neuartige barrierefreie Raumspartür erleichtert den Alltag

Praktisch und hilfreich

Wer an den Rollstuhl gefesselt ist, hat genug mit Barrieren zu kämpfen. Eine Tür zu öffnen und zu schließen, insbesondere bei beengten Platzverhältnissen, kann dann schon eine Herausforderung sein. In Kooperation mit der Tischlerei Böhme und der Schlosserei Klaube entwickelte Architekt Andreas Köhler eine neuartige barrierefreie Raumspartür.

Autor: Rudolf Bartl

Mit solchen Situationen sah sich Dipl. Ing. Architekt Andreas Köhler aus Sangershausen (www.needfulsystems.com) konfrontiert, als in einem Bestandsgebäude mehrere Kleinstwohnungen für Menschen mit Beeinträchtigungen geschaffen werden sollten. Er konnte am Markt keine geeignete Raumspartür finden, die alle gestellten Forderungen erfüllte. Also, praktisch und gut bedienbar, einen absolut dichten Abschluss besonders zum Bad und WC gewährleistet, und robust genug für den täglichen Gebrauch. Für den Architekten gilt der Grundsatz, platzsparend, effektiv und trotzdem rollstuhlgerecht zu bauen – eine herausfordernde Planungsaufgabe auch im Zeichen des demografischen Wandels und der Ansprüche an Teilhabe und Inklusion.

Handwerkliche Unterstützung

In Kooperation mit örtlichen Handwerkern verfolgte Dipl.-Ing. Architekt Andreas Köhler verschiedene Konzepte und testete deren Machbarkeit an Prototypen, bis diese seinen Vorstellungen entsprachen. Komplettiert werden sollte die Falttür auch noch mit einer barrierefreien Drückergarnitur. Allerdings verlief hier ebenfalls die Suche nach geeigneten Produkten erfolglos. So blieb nichts anderes übrig, als auch noch einen Beschlag zu konstruieren, der die gewünschten Eigenschaften besaß: bedienbar in einer Höhe von 85 bis 105 cm und in einer Breite von ca. 40 cm, mit glatter Oberfläche, einfach herzustellen und absolut zuverlässig funktionell.

Gemeinsam mit der Tischlerei Rainer Böhme GmbH sowie der Schlosserei und Metallbau Thomas Klaube wurden Ideen entwickelt und bis zur Serienreife abgeschlossen. Handwerkliches Know-how und die moderne Werkstattausstattung der Tischlerei mit einem CNC-Bearbeitungszentrum, mit der die CAD-Zeichnungen schnell umgesetzt werden konnten, reduzierten die Entwicklungszeit beträchtlich.

Mittlerweile wurden bereits 30 barrierefreie Wohnungen in einem Gebäude mit den neu entwickelten Türen ausgestattet. Gebrauchs- und Geschmacksmusterschutz liegen vor, Patentrechte sind angemeldet und kürzlich erfolgte die TÜV-Zertifizierung als barrierefreies Produkt.

Wesentliche Merkmale des neuen Türsystems

  • Schlägt weder in den dahinterliegenden Raum (Anforderung der DIN 18040) noch wird die Türlichte beim Öffnen eingeschränkt.
  • Dicht im Falz schließend ohne Erfordernis der Verwendung von Schleif- oder Bürstendichtungen.
  • Drückergarnituren auch im geöffneten
    Zustand von beiden Seiten gut zugänglich
  • Geschmeidige leichtgängige Schwenkbewegung.
  • Schwenkhebel drückt das Türblatt auch am Knick dicht an den Rahmen.
  • Robuste Mechanik mit reibungsarmen Drehgelenken ohne Gleitschiene.
  • Sicherer Klemmschutz am Mittelgelenk des zweigeteilten Flügels.
  • Da sich der Schwerpunkt des Türblattes beim Öffnen durch die Faltung kontinuierlich in Richtung der Bänder verlagert, kann die Tür leicht öffnen und belastet somit die Verankerung auf der Bandseite deutlich weniger, wenn sie offen steht (Pirouetten-Effekt).
  • Griffhöhe in 105 cm für Personal oder nicht gehandicapte Menschen und Griffhöhe in
    85 cm für Rollstuhlfahrer und Kleinwüchsige
  • Griffbreite von ca. 45 cm (vorteilhaft für Rollstuhlfahrer bei vorstehenden Stuhlbeinen)
  • Durchgehend glattes Design, damit leicht zu reinigen und ohne Klemmgefahr
  • Keine freien Enden, an denen der Nutzer hängen bleiben kann.

Die Griffgarnitur erlaubt Rollstuhlfahrern das Durchfahren der Tür in einem Zug, wobei stets das Türblatt an der Stangengarnitur geführt wird. Vom Personal ist sie leicht auch mit dem Ellenbogen zu öffnen. Die maximale Ausladung einer metrigen Tür liegt beim Öffnen einschließlich der Blendrahmenstärke unter 50 cm. Zudem ragen keine Teile in das Innere des Raumes und eventuell dahinterliegenden, gestürzten Personen kann problemlos geholfen werden. Auch kann die Befestigung des Schwenkarmes am Türblatt mit entsprechenden Spannmuttern optional zur Notentriegelung genutzt werden.

Das Türblatt selbst gibt es sowohl als Vollspanplatte mit oder ohne Lichtausschnitt und auch als reine Vollglastür.

Gut geeignet ist das „Simply-Swing“-Raumspartürsystem auch für die barrierefreie Umgestaltung von bestehenden Gebäuden. Dort vorhandene Türfutter können einfach mit der neuen Raumspartür bestückt werden.


Beteiligte Unternehmen

Dipl. Ing. Architekt A. Köhler
06526 Sangershausen
www.needfulsystems.com

Tischlerei Rainer Böhme GmbH
06526 Sangershausen
www.rainer-boehme.com

Metallbau Thomas Klaube
06526 Sangershausen
Telefon: 03464-277626


Der Autor

Rudolf Bartl leitet eine PR-Agentur, die Unternehmen aus dem Umfeld des Tischler- und Schreinerhandwerks sowie Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen betreut.