Angekohlte Holzoberflächen

Wer mit dem Feuer spielt

Das Ankohlen von Holz wirkt wie der vorläufige Höhepunkt auf der Suche nach der ganz besonderen Oberfläche. Beim Außeneinsatz ist es eines der ältesten Schutzverfahren überhaupt, im Innenbereich sorgt das etwas archaisch anmutende Finish für eine besondere Wirkung. Christian Härtel

I Architekten lieben Schwarz. Vielleicht weil die unbunte Farbe stets im Hintergrund bleibt. Das Licht absorbierend, lässt Schwarz den farbigen Dingen den Vortritt. Was auf Schwarz steht, rückt in den Mittelpunkt, wird inszeniert. Holz hat immer eine Eigenfarbe, außer es geht durchs Feuer bis es schwarz ist. Dann lieben auf einmal auch solche Architekten Holz, die sonst gar nicht so gern mit dem Material gearbeitet haben.

Es geht um das kontrollierte Anbrennen von Holzoberflächen, das vor allem aus Japan unter den Begriffen „Yakisugi“ und „Shou-Sugi-Ban“ bekannt ist. Dort wird es vor allem für die Versiegelung von Fassadenschalungen verwendet. Wirkungsvoll eingesetzt hat das so behandelte Holz etwa Terunobu Fujimori, einer der bekanntesten Vertreter der Architekturszene aus Japan. Inzwischen taucht das schwarze bis silberglänzend gezeichnete Holz auch bei uns öfter auf. Ein noch junges Beispiel ist das Natur-Erlebnis-Zentrum Müritzeum des Architekten Gert Wingårdh mit angekohltem Lärchenholz an der Fassade.
Denkbar einfach herzustellen
Vielleicht liegt es an der Einfachheit des Verfahrens, dass es immer mehr Akteure in den Bann zieht. Im Grunde braucht es nur einen handelsüblichen Dachdeckerbrenner und etwas Wasser, um solche Oberflächen herzustellen. Mit etwas Geschick und wachsender Erfahrung gelingen so auch von Hand recht gleichmäßige Oberflächen und Strukturen. Will man ein möglichst gleichmäßiges Bild erzeugen, sollte das Holz gehobelt sein. Versätze oder Sägespuren lassen sich nicht so einfach mit dem Feuer beseitigen.
Die verschiedene Holzarten bringen bei Feuereinwirkung durchaus verschiedene Bilder hervor. „Je nachdem, ob ein Weich- oder Hartholz verkohlt wird, erhält man unterschiedliche Strukturen. Weichhölzer entwickeln beim Verkohlen eine gröbere Zeichnung, Harthölzer eine feinere“, so Josef Landauf, einer der Akteure vom österreichischen Hersteller „Seidenholz“.
Mit wachsender Nachfrage, werden auch die Verfahren professioneller. „Wir verfügen über eine eigene Beflammungsanlage. Dabei handelt es sich um eine Industrieanlage mit maschinellem Vorschub und definierter Beflammung in gleichbleibender Qualität“, erklärt Stefanie Lerche von Mocopinus über das Produkt „Carboris“. Das Angebot an den schwärzlich bis silber schimmernden, angekohlten Hölzern wird zur Zeit größer, weshalb die Verfahren mit den unterschiedlichen Holzarten auch standardisiert werden.
Neben Profilbrettern für Holzvertäfelung innen und außen sind heute auch Drei-Schicht-Platten so behandelt erhältlich. „Wir brennen je nach Holzart unterschiedlich intensiv in die Holzschichten: Bei der Dreischichtplatte wird deutlich weniger gebrannt, da für den Möbelbau die Stabilität unbedingt erhalten bleiben muss. Brettware dagegen kann für den Einsatz von Wandverkleidungen wesentlich tiefer gebrannt werden“, so Antje Bunzel, zuständig für die Unternehmenskommunikation bei der Freund GmbH. Auch Sonderanfertigungen etwa mit anderen Holzarten und Abmessungen können in den Anlagen umgesetzt werden. „Dafür müsste uns entweder das gewünschte Holz vom Kunden zur Verfügung gestellt oder alternativ durch uns als Dienstleister eingekauft werden“, erklärt Bunzel.
Ohne schwarze Finger
Damit die so geschwärzten Flächen auch im Innenraum verwendet werden können, brauchen sie eine Fixierung der Kohleschicht, damit es keine schwarzen Finger gibt. Bei diesem Finish handelt es sich um den schwierigsten Schritt, denn je weniger von der tiefschwarzen Kohleschicht entfernt wird durch Bürsten, Abwaschen oder Abreiben, desto aufwendiger und stärker muss die Beschichtung sein. Eine einmalige Behandlung mit Leinöl-Produkten reicht dafür nicht aus.
„Für den Innenbereich werden die karbonisierten Profile mit einem speziellen Oberflächencoating behandelt, damit die schwarzen Sichtflächen dauerhaft nicht abfärben. Diese Schutzschicht wird zwei Mal aufgetragen“, erklärt Lerche. Um was es sich dabei genau handelt, bleibt geheim, wie bei anderen Anbietern auch. Wird das Material mit einer Lasur behandelt, bleiben die Finger bei Berührung sauber. So lassen sich auch Oberflächeneffekte wie Gold oder Silber auf der angekohlten Fläche erzeugen.
Die Freund GmbH wendet je nach Anwendungsbereich unterschiedliche Versiegelungsarten an. „Für den Einsatz in Bereichen mit wenig Kontakt reicht die natürliche Ölung. Am gängigsten ist eine Beschichtung mit Lack. Auf Wunsch ist auch eine Nanoversiegelung möglich. Diese ist die aufwendigste und kostenintensivste Behandlung, aber auch am widerstandsfähigsten gegenüber äußeren Einflüssen“, so Bunzel.
Für den Außenbereich testet Mocopinus derzeit eine Beschichtung. In zwei Jahren will man die Ergebnisse haben. Bislang werden gekohlte Holzoberflächen im Außenbereich in der Regel ohne weitere Beschichtung eingesetzt.
Keiner lässt sich in die Karten schauen
In die Karten schauen lassen sich beim Oberflächenfinish auch nicht die Möbelhersteller, die ebenfalls Holz oberflächlich ankohlen. Waren es zunächst Einzelstücke wie der „Smoke Chair“ aus dem Hause Moooi, hat Riva 1920 inzwischen die „Vulcano-Oberfläche“ in die Kollektion mit aufgenommen und bietet eine ganze Reihe von Möbeln mit angekohltem Anlitz. Für die Entwürfe zeichnen Architekten verantwortlich. Viele ihrer Zunft sind fast immer schwarz gekleidet. Manche meinen, sie machen dies, damit der geniale Kopf darin besser zur Geltung komme. I
Mocopinus GmbH & Co. KG
89079 Ulm
Freund GmbH
14052 Berlin
Seidenholz
3465 Königsbrunn am Wagram, Österreich

Der Autor
Christian Härtel, Schreiner und Forstingenieur, arbeitet als Autor und Produktentwickler für das gestaltende Handwerk.

Fast vergessen, nie erforscht

Holzschutz durch Verkohlen

Das oberflächliche Ankohlen von Holz ist eine der ältesten Schutzmaßnahmen überhaupt. Schon im Altertum hat man Holz angekohlt, um es haltbarer zu machen. Das zeigen Funde bei Ausgrabungen etwa in Pompeji oder von Pfahlbauten. Manche Bauern verfahren auch heute noch so, indem sie Weidepfähle ankohlen, bevor diese in die Erde kommen. Kritiker entgegnen, dass angekohltes Holz rissig wird und sich darin Pilze und Bakterien besonders gut ausbreiten können. Vermutlich gehen diese Stimmen auf die Ausführungen des Begründers der modernen Holztechnologie, Franz Kollmann, in seinem Standard-Werk „Technologie des Holzes und der Holzwerkstoffe“ von 1955 zurück. Dort bezeichnet Kollmann die Wirksamkeit des Ankohlens zur Imprägnierung als „fraglich“ und deshalb nur für „untergeordnete Zwecke und besondere Billigkeit wie Zaun- und Baumpfähle“ geeignet. Später wurde diese Einschätzung in der Fachliteratur übernommen, wie etwa im Holz-Lexikon zu lesen, wo das Verfahren als „praktisch unwirksam“ benannt wird. Erforscht wurde es indes nie.
Dabei steht außer Frage, dass eine verkohlte Holzoberfläche Wasser nur äußerst schlecht aufnimmt. Das Wasser perlt geradezu von der Kohleschicht ab. Eine Durchfeuchtung kann so nicht stattfinden und als Nährboden für Pilze und Bakterien dienen. Hinweise zur Sache finden sich eher in anderen Disziplinen: „Da Holzkohle gegenüber Holz viel resistenter gegen mikrobiellen Abbau ist, was leicht dadurch zu untermauern ist, dass wir in Böden Jahrtausende alte Holzkohlen finden, während unverkohltes Holz längst zersetzt wurde, wenn es sich nicht gerade unter Wasser im Schlamm oder im Torf von Mooren unter Sauerstoffabschluss erhalten hat, ergibt das Ankohlen natürlich einen praktischen Sinn“, weiß Oliver Nelle vom Dendrochronologischen Labor beim Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart.
Wer sich für die Thematik interessiert, der findet im Internet auf www.youtube.com unter den Stichworten „Yakisugi“ oder „Shou-Sugi-Ban“ anschauliches Filmmaterial.