Steuern, schalten, wiederfinden – Apps für Elektrowerkzeuge

Per Smartphone verbunden

In Elektrowerkzeugen und Messgeräten hält die Digitaltechnik immer mehr Einzug. Smartphone-Apps steuern Drehzahlen sowie andere Eigenschaften, informieren über die Akkuladung, sperren Maschinen und können sogar verloren gegangene Werkzeuge lokalisieren. Heinz-Alfred Losch

I Elektrowerkzeuge sollen künftig immer öfter per App gesteuert werden. Bosch, Dewalt und Milwaukee preschen hier voran. Andere Hersteller warten erst einmal ab.

Erste Schritte wagten allerdings Hilti und Metabo bereits vor circa 15 Jahren mit Werkzeugmodellen, die sich mit einem Funk- oder Infrarotsender sperren ließen, was den Diebstahl der kostbaren Maschinen verhindern sollte. Diese Systeme erwiesen sich damals aber nicht als besonders praxisgerecht: Hatte der Anwender vergessen, den Handsender einzustecken oder ihn gar verloren, war die Maschine blockiert und zumindest vorübergehend unbrauchbar. Auch die Diebe erkannten die gesicherte Maschine meist erst nach der Straftat. Zwar konnten sie mit dem Gerät nichts anfangen – der Eigentümer aber auch nicht mehr. Daher wurden die Sicherungssysteme auch bald wieder eingestellt. Mit der neuen App-Steuerung sollen sich diese Probleme nun besser und viel eleganter lösen lassen.
Dewalt steuert Akkus an
Am übersichtlichsten sind derzeit die Möglichkeiten, die Dewalt bietet. Das Angebot besteht bisher aus zwei 18-V-Akkupacks (2 und 5 Ah) mit Bluetooth-Technik zum Aufpreis von je ca. 30 Euro netto gegenüber den Standardakkus gleicher Kapazität. Über die kostenfreien Tool-Connect-App (iOS und Android) sollen Tablets und Smartphones mit dem Akku kommunizieren können. Mit dem iPhone (so unsere Erfahrung) lässt sich der Testakku leicht verbinden und informiert dann über den Ladezustand in mehreren Stufen bis maximal 80 %, den Status (aktiviert oder deaktiviert), die „Gesundheit“ der Akkus und ihre Temperatur.
Per Knopfdruck wird der gewählte Akkupack durch Blinken einer blauen Leichtdiode am Akku identifiziert, damit man auch wirklich den Energiespeicher von der Werkbank nimmt, dessen Zustand man gerade mit dem Smartphone gecheckt hat.
Die App kann auf Wunsch auch warnen, wenn der Akku außer der Bluetooth-Reichweiter (ca. 30 m) ist oder ihn dann gleich deaktivieren. Diese Warnung kam im Test jedoch erst, nachdem wir nach längerer Zeit wieder Verbindung mit dem Akku hatten, aber auch dann, wenn Akku und Smartphone längere Zeit nebeneinander lagen. Warnen soll die App auch bei zu geringer Ladung, zu heißem Akkupack und erreichtem Ladeschluss. In der Praxis zeigten sich die Meldungen leider oft fehlerhaft.
Angesicht des Aufpreises für die Bluetooth-Akkupacks und der bisher nur rudimentären Funktionen hält sich der Einsatz dieser Technik bei den Anwendern aktuell in Grenzen. Das soll sich aber bald ändern: Dewalt will die Bluetooth-Akkupacks künftig auch in kostensparenden Sets anbieten und Anfang 2018 sollen neue Dewalt-Maschinen auf den Markt kommen, die sich mit einer dann wohl überarbeiteten Tool Connect-App steuern lassen.
Milwaukee setzt auf One-Key für alles
Milwaukee ist da mit seinem One-Key-System bereits weiter. Der Hersteller hat neun Akkuwerkzeuge im Programm, die sich per App steuern lassen. Neben einem Akku-Bohrschrauber, -Schlagbohrschrauber und -Schlagschrauber handelt es sich dabei um eine kabellose Säbelsäge und einen akkubetriebenen Kabelschneider sowie Akku-Presswerkzeuge.
Bei den Schraubern lassen sich z. B. Drehzahl und -moment voreinstellen, ebenso die Rückschlagsicherung (Kick Back Control).
Für bestimmte Anwendungen lassen sich spezielle Profile hinterlegen, die dann per Knopfdruck an der Maschine abgerufen werden können. Bei der Säbelsäge kann so beispielsweise für unterschiedliche Materialien die jeweils optimale Schnittgeschwindigkeit festgelegt werden. Das spart Zeit und Sägeblätter. Auch ein Sanftanlauf zum leichteren Ansägen lässt sich per App aktivieren. Ein integrierter Tool-Tracker ermöglicht nicht nur die Vollständigkeitskontrolle von Lager oder Werkstattwagen, sondern soll zugleich die letzte bekannte Position der One-Key-Geräte anzeigen. Ist eine Maschine außerhalb der Reichweite des eigenen Smartphones, kann es über das Internet und mithilfe aller anderen One-Key-Apps lokalisiert werden.
Sobald sich ein Nutzer mit One-Key-App in der Nähe des vermissten Gerätes (ca. 30 m Umkreis) befindet, erhält der Besitzer eine anonyme Benachrichtigung mit dem aktuellen Standort der Maschine. Über den gleichen Weg kann das Gerät auch gesperrt werden, sobald es sich wieder in der Nähe eines One-Key-App-Benutzers befindet. Mit dem kleinen Tool-Tracker Tick soll sich die Lokalisierung demnächst auch auf andere Maschinen und Gerätschaften erweitern lassen.
Per Smartphone oder von einem Arbeitsplatz in der Firma lässt sich das Maschinen-Inventar eines Unternehmens organisieren. Bei einigen Geräten kann in Echtzeit auf die Arbeitsdaten zugegriffen werden. So lassen sich beispielsweise bei den Presswerkzeugen erfolgte Pressungen professionell dokumentieren.
Bosch Connectivity
Bei Bosch steht die Toolbox-App im Mittelpunkt. Sie fasst die digitalen Angebote des Unternehmens für Handwerker zusammen (siehe auch in BM 0417 „ Flotte Smartphone-Apps für den Tischler“). Unter dem Menüpunkt My Tools lassen sich spezielle Connectivity-Geräte von Bosch einfügen. Dies sollen 2017 bereits neun Bosch-Werkzeuge mit Bluetooth-Modul sein: vom Laserentfernungsmesser, über Akku-Bohrschrauber und -Winkelschleifer bis zum -Baustellenlicht. Bei den Schraubern lässt sich die Empfindlichkeit der Rückschlagkontrolle (Kick Back Control) einstellen.
Beim Winkelschleifer kann der Anwender per App den Sanftanlauf und das Arbeitslicht aktivieren. Für die Verbindung mit der Toolbox-App müssen je nach System leider viele Funktionen für die App freigegeben werden. Diese Tatsache und der von vielen Anwendern als gering empfundene Nutzwert der Werkzeugsteuerung, sorgt nicht gerade für Freunde.
Nivellieren, erleuchten und lokalisieren
Anders ist es bei den Messwerkzeugen mit Bluetooth-Modul. Besonderen Spaß hat hier das Arbeiten mit dem Kombilaser GCL 2-50 C Professional gemacht.
Für die Leveling-Remote-Funktion muss erst eine weitere App geladen werden. Sie ermöglicht es, Laserlinien und -punkte mit dem Smartphone einzeln an- und abzuschalten. Per motorisierten Drehteller kann der Kombilaser exakt positioniert werden, ohne dass der Anwender das Gerät berühren muss. Wer weiß, wie leicht sich die Positionierung beim Betätigen der Tasten eines Lasers verändern kann, wird die drahtlose Steuerung per App schätzen. Nützlich ist die Toolbox-App auch zur Steuerung des Baustellenlichts GLI 18V-1900 C Professional von Bosch. Handwerker können bequem per Smartphone die Lampe einzeln oder in programmierten Gruppen ein- und ausschalten und die Lichtstärke ändern. Die Einstellungen lassen sich auch für den Einsatz am nächsten Tag speichern. Wie Milwaukee bietet auch Bosch eine Trackingmöglichkeit an.
Die neuen Connectivity-Geräte von Bosch haben den Trackingchip teilweise bereits eingebaut. Für alle anderen Maschinen liefert Bosch Tracktags zum Aufkleben. Um die Trackingfunktion zu nutzen, verlangt Bosch nicht nur die Kosten für die Tracktags, sondern auch Servicekosten je nach Anzahl der Geräte, mindestens 25 Euro pro Monat. Das fördert die Akzeptanz der Funktion nicht gerade.
Fazit: Nutzen rauf – Mehrkosten runter
Die Lösungen der drei Hersteller zeigen, wohin die Reise gehen wird, aber auch, dass aller Anfang schwer ist. Denn die neue Technik wird sich vermutlich erst dann flächendeckend auf den Baustellen durchsetzen, wenn Handwerker den praktischen Nutzen selber verspüren – und zwar ohne unnütze Mehrkosten. I

Der Autor
Heinz-Alfred Losch ist als freier Journalist spezialisiert auf die Bereiche Elektro- und Handwerkzeuge sowie Messtechnik.