Ostermann: Kanten-Know-how aus erster Hand

Kantenanleimen: Praxis schlägt Theorie

Ostermann ist Europas führender Versandhändler für Kanten und Beschläge. Beim Vor-Ort-Besuch in Bocholt wird deutlich, dass hinter diesem Erfolg Menschen stehen, die sich engagiert und mit ausgeprägter Fachkompetenz als Problemlöser für Schreiner und Tischler verstehen. Ein Blick hinter die Kulissen. BM-Chefredakteur Christian Närdemann

Die Agenda für den Tag ist stramm, deswegen starten wir pünktlich um 8:00 Uhr. Ich bin mit den Ostermann-Spezialisten der Bereiche Kanten und Klebstoffe verabredet. Wir haben uns viel vorgenommen für diesen Tag, an dem ich einen Blick hinter die Kulissen des Unternehmens werfen werde. Meine Gesprächspartner sind Heike Böwing (Leiterin Export und verantwortlich für das Produktsegment Klebstoffe) und Philipp Mayrhauser (Vertriebsleitung und Leitung Produktmanagement Kante). Ort des Geschehens ist die Tischlerei des Unternehmens. Dort wartet fachmännische Unterstützung: Tischlermeister Frank Hölter und Holztechniker Franz-Josef Volmering haben die drei Kantenanleimmaschinen schon in Betriebsbereitschaft versetzt.

Volles Kantenprogramm
An diesem Tag werden wir gemeinsam zahlreiche Musterplatten mit allen derzeit am Markt verfügbaren Technologien bekanten: Schmelzkleber, Laser, Heißluft und Infrarot. Beim Arbeiten mit Schmelzkleber geht es beispielsweise darum, wie sich Änderungen bei der Klebstoffart und -farbe im Fugenergebnis niederschlagen oder inwiefern Klebstoffwechselzeiten die Produktivität beeinflussen.
Aus der Praxis für die Praxis
Nullfugenspezialist Franz-Josef Volmering und Klebstoffexperte Frank Hölter bekanten insgesamt mehr als 30 Musterplatten an diesem Tag und geben mir nebenbei Einblick in ihr Know-how rund um die Maschinen- und Klebetechnik. Zudem verraten sie auch zahlreiche Tipps, mit denen Tischler und Schreiner im Werkstattalltag schneller und prozesssicherer werden. „Oft sind nur Kleinigkeiten dafür verantwortlich, dass das Ergebnis beim Kantenanleimen nicht befriedigend ist“, kommentiert Volmering. Kollege Hölter ergänzt: „In vielen Fällen können wir Schreinern und Tischlern bereits am Telefon hilfreiche Hinweise und Tipps geben, wie sie am besten ein konkretes Problem lösen oder auch ein nicht alltägliches Projekt umsetzen.“
„Was haben Sie gerade an?“
Schmunzelnd verrät Frank Hölter, welche Fragen er Schreinerkollegen stellt, die in der kalten Jahreszeit zwischen Oktober und Ostern anrufen und ein Problem haben. Eine Frage verblüfft auf den ersten Blick: „Was haben Sie gerade an?“ Ein Schelm, wer Böses dabei denkt – aber natürlich geht es schlicht und einfach darum, ob vielleicht zu niedrige Temperatur, Zugluft oder zu kaltes Plattenmaterial Ursache eines Klebeproblems sein könnte. Mit dem Expertenwissen der beiden Spezialisten sind schon ungezählte Probleme direkt und auf dem kleinen Dienstweg gelöst worden. Neben Volmering und Hölter stehen in der Produktentwicklung, im Produktmanagement sowie im Innen- und Außendienst zahlreiche Experten – darunter viele Tischler, Holztechniker etc. – beratend zur Verfügung.
Schmelzkleber an weitesten verbreitet
„Die meisten Tischler arbeiten immer noch mit Schmelzkleber“, stellt Heike Böwing fest. „Neben den gefüllten EVA-Klebern lassen sich mit ungefüllten noch dünnere Fugen erzielen.“ Genau das zeigt sich auch bei den zahlreichen Mustern, die wir bekanten. Auch zeigt sich, dass mit ein paar Tricks das Ergebnis, die Produktivität oder auch die Arbeitsabläufe spürbar optimiert werden können. So kann eine zu geringe Klebstofftemperatur zum echten Problem werden: „Ist sie um 20 °C zu niedrig, hat der Klebstoff bereits die doppelte Viskosität“, erläutert Heike Böwing.
Besonders dünne und auch wasser- sowie wärmestandfeste Fugen sind mit PUR-Klebstoffen erreichbar. Böwing: „Viele Betriebe wissen gar nicht, dass sich PUR-Klebstoffe auf fast allen Anlagen ohne Zusatzequipment verarbeiten lassen. Bei Unsicherheiten beraten wir unsere Kunden gerne aus erster Hand.“
Nullfugentechnologien auf dem Vormarsch
Laser, Heißluft, Infrarot: „Immer mehr Betriebe beschäftigen sich mit Nullfugentechnologien“, weiß Philipp Mayrhauser. „Neben der hochwertigen Optik sind die Fugen wärmestandfester, feuchtigkeitsbeständiger und schmutzresistenter als EVA-Fugen. Wir wollen, dass unsere Kunden jeweils das Optimum aus ihren Möglichkeiten herausholen und begleiten sie mit Rat und Tat sowie Europas größtem Nullfugensortiment zuverlässig bei der erfolgreichen Umsetzung.“

Praxistipps für Bessermacher

Kantenbearbeitung unter der Lupe

In den kommenden BM-Ausgaben vertiefen wir das Thema Kantenbearbeitung. In der Aprilausgabe geht es um Basiswissen rund um Klebstoffe und Kantenanleimtechnologien. Von Standard- über die unterschiedlichen Nullfugentechnologien bis hin zu den verschiedenen Klebstoffen beschreiben Ostermann-Experten, was Schreiner und Tischler wissen müssen, wenn sie über die Optimierung der vorhandenen oder auch die Investition in eine neue Technologie nachdenken.
In der Maiausgabe des BM wird es dann noch handfester zugehen: Dann stehen Praxistipps für Bessermacher aus erster Hand rund ums Kantenanleimen auf der Agenda. Lesen Sie, wie Sie mit teilweise sehr einfach umsetzbaren Maßnahmen mehr Qualität und Effektivität aus Ihrer verwendeten Technologie holen können.