BM-Serie: Nachhaltigkeit im Tischler- und Schreinerhandwerk

Produktion und Werkstatt im Blick

Nachhaltiges Wirtschaften in holzverarbeitenden Betrieben ist längst kein Thema aus der Ökoecke mehr, das häufig mit einem „Lächeln“ abgetan wurde. Es geht, auf Basis von nachhaltigem Denken und Handeln, konkret auch um Einsparungen im Material- und Energiebereich – also um Kosten!

Autor: Markus Sauter
In vielen betrieblichen Bereichen lassen sich durch oftmals recht einfache Maßnahmen Kosteneinsparungen erzielen, die an anderer Stelle kaum zu realisieren sind.

Gebäudeplanung: Türen und Tore dicht?
Neuplanungen sind an den aktuellen energetischen Standards angelehnt. Schwieriger wird es für Betriebe, die innerhalb ihrer vorhandenen Gebäudestrukturen tätig werden müssen. Zu prüfen ist natürlich der Isolationsgrad im Wand- vor allem aber auch im Deckenbereich. Sehr großen Einfluss haben Gebäudeöffnungen. Fenster sind dabei eher nicht das Problem, sondern Türen und Tore. Sie sind mit ihren nicht vorhandenen oder deaktivierten Schließvorrichtungen die echte Energieverschwender, wenn sie offen stehen oder nicht richtig abschließen. Hier sind Verbesserungen wie z. B. gedämmte Tore oder bewegungsgesteuerte Torantriebe äußerst wirksam. Bei vorhandenem Platz verringern Schleusen mit Doppeltoren den Energieverlust deutlich.
Beleuchtung: Mehr als nur „Licht aus“
Der Klassiker unter den Verbesserungsmaßnahmen! Gefragt ist heute gezieltes Lichtmanagement. Leider werden bereits bei der Planung oft Fehler gemacht, weil man das Tageslichtangebot nicht bestmöglich nutzt. Dies muss dann durch künstliches Licht teuer erkauft werden, sodass Kilowatt trotz Sonnenscheins in die Leuchtbatterien fließen.
Die Auswahl der Leuchtmittel erfährt derzeit mit Einführung der LED-Leuchten einen massiven Wandel. Trotz der künftig weiter sinkenden Preise für LED’s machen bereits heute solche Investitionen Sinn. Die Leuchten gibt es in allen Varianten, vom Röhrenmodell bis zum Hochleistungsfluter.
Weiter hilft intelligentes Lichtmanagement bei der Energieeinsparung. So werden Räume je nach Intensität des Außenlichts heruntergedimmt. Was Neonröhren und Quecksilberstrahler bislang nicht boten, kann die LED-Technik. Räume mit nur zeitweisem Lichtbedarf können durch Bewegungsmelder und vorgegebene Einschaltzeit individuell auf die nötige Leuchtdauer reduziert werden.
Heizung: Umdenkprozesse gefragt
In der Vergangenheit war ein „großzügiger“ Umgang mit Heizenergie in der Holzbranche häufig anzutreffen, weil man die Späne „ja eh hatte“. Zwischenzeitig kosten diese richtig Geld – ja, man bekommt sogar richtig Geld für sie! Und ebenso fällt jetzt die früher unnötig erhöhte Betriebszeit der Feuerungsanlage kostenmäßig deutlich mehr ins Gewicht, denn Strom- und Wartungskosten sind stark angestiegen. Ein Umdenkprozess ist im Gange, der sich rechnet! Er beinhaltet die Überprüfung der bestehenden Heizung hinsichtlich ihres Wirkungsgrades, geht über die Flexibilität der Anlage – z. B. Blockheizkraftwerk, ggf. mit Stromerzeugung – bis zur Vermarktung der eigenen Späne. Entscheidend jedoch ist der bewusste Umgang mit Energie, auch als gelebte Kultur, die sich mit betriebswirtschaftlichen Zahlen untermauern lässt. Das geschieht nicht von alleine, sondern bedarf eines Konzeptes, das mit einem Energiefachmann zu entwickeln ist.
Absaugung: Die Wärme nicht rausblasen
Zu den größten Energieverbrauchern gehört die Absaugung, insbesondere wenn sie sehr viel Abluft ins Freie bläst. In der Heizperiode muss jeder Kubikmeter teuer erwärmt werden und sollte anschließend nicht unverändert die Atmosphäre aufheizen. Bei 20 000 m³/h abgesaugter Luft, einer Werkstatttemperatur von 18 °C und Abluftbetrieb im Winter bläst man im Jahresschnitt rund 53 kW pro Stunde aus der Halle. Bei 2000 Betriebsstunden im Jahr werden 106 000 kWh Wärmeenergie vernichtet! Wärmerückgewinnungssysteme arbeiten heute sehr effizient und holen über 90 Prozent der Wärmeenergie aus der Abluft, um sie der kalten Zuluft wieder zuzuführen. Ein Auge sollte man auch auf die Absaugmenge werfen, die durch unnötiges Laufen verursacht wird. Mehr dazu später.
Die Rohrleitungssysteme sind häufig „wild“ verlegt. Der Grund: Betriebe wachsen oft über Jahrzehnte, erweitern oder stellen um. Die Verrohrung wird in die vorhandenen Infrastruktur hineingepasst, was vielfach zu abenteuerlichen Rohrführungen führt. Man muss sich bewusst machen, dass jeder unnötig verlegte Rohrmeter und besonders jede Rohrkrümmung einen Luftwiderstand darstellen, die tagtäglich teure Energie vernichten. Diese Verluste kann man berechnen und es ist erschreckend, um welch hohe Verluste es dabei unterm Strich geht.
Ventilatoren können einen beachtlichen Teil zur Energieeinsparung beitragen. Alte Geräte sind meist nicht elektronisch geregelt und können ihren Volumenstrom nicht den tatsächlichen Bedürfnissen anpassen. Sie laufen stets auf Null oder Eins. Das führt dazu, dass auch bei Teilbetrieb in der Produktion der Ventilator immer in Volllast läuft. Bis 60 Prozent Kosteneinsparungen bei einem 15-kW-Antrieb bedeuten im Einschichtbetrieb rund 15 000 kWh Energiereduktion.
Durch reinluftseitige Ventilatorenanordnung können bis zu 60 % des Energieverbrauchs der Absauganlage eingespart werden. Reinluftseitige Ventilatoren benötigen weniger Energie – bei einem wesentlich höheren Wirkungsgrad (ca. 80 %) als rohluftseitige (ca. 50 %).
Druckluft: Teures Zischen und Pfeifen
Im Bereich der Druckluft lassen sich Neu- oder grundlegende Umplanungen in der Praxis leichter realisieren, weil in der Regel weniger bautechnische Veränderungen nötig sind. Dabei bringen schon kleine Dinge permanente Ersparnisse , wenn z. B. der Kompressorraum nach Norden ausgerichtet ist. Kompressoren brauchen es kühl und jede Erwärmung an diesem Platz kostet Geld, weil die Druckluft gekühlt (von 80° auf 20 °C) ins Leitungsnetz geschickt werden muss.
Aber beginnen wir erstmal mit dem unnötigen Verbrauch, der ohne Investitionen sofort reduzierbar ist. Es geht um „Druckluftkehren“. Es gibt wohl keinen Betrieb, in dem diese unsinnige Energieverschwendung nicht schon zu sehen war. Abgesehen davon, dass der Staub unter Erhebungen der Druckluft in die Raumhöhe dann bald wieder auf dem Boden zu liegen kommt, woher er bereits kam.
Im Druckluftnetz sind 5 bis 6 bar oft ausreichend für Maschinen und Werkzeuge. Da es durch gewachsene Betriebsstrukturen oft an den Reserven des Kompressors mangelt, wird der Netzdruck erhöht und auf 8 bis 9 bar oder mehr eingestellt. Das beseitigt nur symptomatisch einen drohenden Druckabfall, aber nicht die Ursache, nämlich die fehlende Kompressorleistung. Eine fatale Entscheidung, denn ein bar Druckerhöhung im Netz bedeutet rund 15 % höhere Erzeugungskosten.
Das Leitungsnetz birgt meist zwei Optimierungsansätze. Zum einen sind die Querschnitte der Druckluftleitungen zu prüfen. Jede Verengung ist ein Widerstand und somit ein permanenter Energievernichter. Zum anderen geht es um Leckagen. Wer nach Feierabend durch die stillen Hallen geht, hört es dennoch zischen und blasen. Die undichten Stellen im Druckluftnetz kosten – man kann sagen – ein Vermögen. Sie treten meist an mechanischen Anschlüssen wie Kupplungen oder an Druckluftwerkzeugen selbst auf. Sie aufzuspüren, gelingt mit speziellen Headsets recht leicht. Ein kleines Loch von 2 mm bei 7 bar kostet 1757 Euro!
Maschinentechnologie und Werkzeuge
Nachhaltigkeit und Maschinetechnologie lassen sich gut verbinden, wenn man für seine Maschinen den Begriff der Wertigkeit einbindet. Maschinen von solider Qualität können gerade im Mehrschichtbetrieb deutlich länger Qualität produzieren als minderwertige. Ein Maschinenaustausch bedeutet immer auch, erneut Ressourcen zu schöpfen. Hinzu kommen Planungsaktivitäten und vielfach Veränderungen im Betriebsgebäude.
Maschinenhersteller bieten heute energiesparende bzw. energieoptimierte Anlagen an. Sie kennzeichnen dies auch mit speziellen Labels. Das beginnt z. B. bei der Auswahl der Antriebe, die mit hohen Wirkungsgraden Strom sparen können, geht über intelligente Steuerungen, die Einzelaggregate oder die Gesamtmaschine in Standby-Schaltung versetzen, bis hin zur Neuentwicklung von Verarbeitungstechnologien, die vormals aufwendige Mehrfachbearbeitung ersetzen.
Aber auch die Absaugung an und in den Maschinen birgt großes Einsparpotenzial. Absaugstränge mit speziell konstruierten Absaughauben, die die Späne bereits in Flugrichtung aufnehmen, ohne mit zusätzlicher Blasluft das Fräsgut in die Rohrleitung zu lenken, reduzieren den Energieaufwand erheblich. Dies wird durch die Auswahl spezieller Werkzeuge und Fräser zusätzlich unterstützt.
Sparen muss nicht teuer sein
Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten in der täglichen Praxis, die oft bereits durch geringe Aufwendungen oder durch rein organisatorische Maßnahmen im Betrieb zu realisieren sind. Die vorgenannten Punkte konnten nur einen Teil der Möglichkeiten aufzeigen. Entscheidend wird sein, Nachhaltigkeit und energiebewusstes Wirtschaften im Betrieb zur täglichen Aufgabe zu machen.
Ihr Feedback ist uns wichtig
Sie haben Anmerkungen, Anregungen, Erfahrungen oder Tipps für Kollegen rund um das vielschichtige Thema Nachaltigkeit? Dann freuen wir uns sehr über Ihr offenes Feedback per E-Mail an: bm.redaktion@konradin.de

Die BM-Serie im Überblick: Facetten der Nachhaltigkeit
Dieser Beitrag ist Teil einer Serie.
Darin geht BM der Frage nach, wie nachhaltiges Handeln in der Schreinerei aussehen kann. Im Fokus steht insbesondere die praktische Relevanz des wenig greifbaren Begriffes der Nachhaltigkeit im Tischler- und Schreinerhandwerk.
Die Hauptbeiträge im Einzelnen: