Adler-Experten erklären die Vorteile moderner Wasserlacksysteme

Wasserlacke: In manchen Bereichen sogar überlegen

Viele Tischler und Schreiner setzen nach wie vor auf Lösemittelprodukte. Häufig haben sie mit Produkten aus der Anfangszeit der Wasserlackentwicklung schlechte Erfahrungen gemacht. Höchste Zeit, auf den Prüfstand zu stellen, was moderne Wasserlacksysteme heute leisten.

Autor: Dr. Albert Rössler und Hans-Peter Thaler

Küchen, Fenster, Möbel, Treppen und Parkett: Industriebetriebe setzen in der Beschichtung von Holz heute meist auf umweltfreundliche Wasserlacke. Nicht nur gesetzliche Vorgaben – Stichwort Decopaint- und VOC-Anlagen-Richtlinie – haben viele Großbetriebe zum Umstieg bewogen. Auch die positiven Effekte durch die Vermeidung von Geruchsproblemen, das minimierte Brandrisiko und die hohe Effizienz und Recyclingfähigkeit sprechen für wasserbasierende Systeme.

Auch Tischler und Schreiner würden nachhaltig von den Vorteilen moderner Wasserlacksysteme profitieren, doch viele von ihnen setzen nach wie vor auf Lösemittelprodukte. Neben dem organisatorischen und finanziellen Aufwand, den eine Umstellung bedeutet, liegt der Grund dafür häufig in schlechten Erfahrungen, die früher einmal mit Produkten aus der Anfangszeit der Wasserlackentwicklung gemacht wurden sowie in der Befürchtung, mit Wasserlacken habe man qualitative Nachteile in Kauf zu nehmen. Von schlechter Creme- und Fettbeständigkeit ist dabei häufig die Rede, von ungleichmäßigen und klebrigen Oberflächen, von Verfärbungen und mangelnder Transparenz. Aber ist das tatsächlich (noch) der Fall?

Ein junges Phänomen

Blicken wir kurz zurück auf die Anfänge: Während Lösemittellacke hierzulande bereits seit dem frühen Mittelalter hergestellt werden, sind Wasserlacke ein relativ junges Phänomen. 1948 entwickelte der österreichische Chemiker Herbert Hönel „Resydrol“, einen wasserlöslichen Einbrennlack – damit gilt Hönel als Erfinder des Wasserlacks. In ihrer Anfangszeit wurden Wasserlacke vor allem im Bereich der Automobil- und Eisenbahnindustrie eingesetzt. Für die Entwicklung von Wasserlacken für die Holzbeschichtung leistete der österreichische Lackhersteller Adler Pionierarbeit: Seit 1975 wird dort an wasserbasierenden Systemen geforscht, 1977 brachte das Unternehmen die ersten Wasserlacke auf den Markt.

Nachhaltigen Aufschwung erlebten Wasserlacke ab den 1980er-Jahren: Studien wiesen nach, dass Lösemittelemissionen Hauptverursacher von Luftverschmutzung, saurem
Regen und Ozonbelastung sind. Um den von der Weltgesundheitsorganisation WHO vorgegebenen Grenzwert zu erreichen, wurde das Ziel festgelegt, die Emissionen aus Lösemitteln um 70 % zu senken. Ein Vorreiter dabei war Österreich, wo es bereits seit 1990 eine Lösemittelverordnung gibt. Mit der VOC-Anlagen-Richtlinie 1999 und der Decopaint-Richtlinie 2004 wurden schließlich auf EU-Ebene Regelungen erlassen, die die Verwendung von Lösemitteln in Beizen, Lacken und Verdünnungen drastisch einschränkten.

Die strikten gesetzlichen Vorgaben waren eine Herausforderung sowohl für die Lackbranche als auch für lackverarbeitende Unternehmen, gaben gleichzeitig jedoch einen nachhaltigen Impuls zur Weiterentwicklung von Wasserlacken. Das Ziel war, wasserbasierende Lacke mit möglichst niedrigem Lösemittelanteil – er liegt bei heute gängigen Systemen in der Regel unter 8 % – herzustellen, die Lösemittellacken in allen Belangen qualitativ ebenbürtig sind. Pionierarbeit leistete hier abermals Adler: Bereits in den 1990er-Jahren wurden hier Meilensteine auf dem Weg zu modernen Wasserlacken gesetzt.

Hohe Qualität und vollständiges Sortiment

Trotz der raschen Weiterentwicklung konnten Wasserlacke vor zehn oder fünfzehn Jahren noch nicht das Qualitätsniveau von Lösemittelprodukten erreichen. Negative Erfahrungen bei Anwendern waren die Folge, die bis heute in vielen Köpfen nachwirken und bei Tischlern und Schreinern für Vorbehalte sorgen. Doch ist diese Skepsis begründet? Ein Blick auf den heutigen Entwicklungsstand zeigt: Nein. Moderne Wasserlacksysteme sind Lösemittellacken qualitativ in allen Belangen ebenbürtig, in manchen Bereichen sogar überlegen.

Die früher noch fehlende Vielfalt ist heute kein Thema mehr. Wasserlacksysteme bieten eine lückenlose Produktpalette: Es stehen Lacke, Beizen und Öle, lasierende und deckende Systeme für alle Untergründe und Anwendungsbereiche zur Verfügung: Möbel und Innenausbau, Fenster und Haustüren, Treppen und Parkett. Vielfalt bieten Wasserlacke auch in Optik und Haptik: Moderne Systeme ermöglichen sämtliche Farbtöne, viele Effekte und Glanzgrade.

Neigten Wasserlacke der ersten Generationen noch zu Vergilbung, so gehört dieses Problem heute ebenso der Vergangenheit an wie die geringere Brillanz von wasserbasierenden Klarlacken. Auch der Nachteil einer schwächeren Anfeuerung ist bei modernen Wasserlacksystemen gut gelöst und kann durch die Verwendung von Spezialgrundierung leicht ausgeglichen werden. Eine Grundierung hilft auch, Verfärbungen bei inhaltsstoffreichen Hölzern zu verhindern: Wasserlacke können die Inhaltsstoffe mancher Hölzer aktivieren und lösen – eine Grundierung zieht hier jedoch eine verlässliche Sperre ein.

Waren Wasserlacke der Anfangszeit noch weniger beständig gegen Alterung sowie gegen mechanische und chemische Einwirkungen, gilt das für moderne Systeme längst nicht mehr: Durch neue Rohstofftechnologien sind Wasserlacke heute auch in ihrer Kratzfestigkeit und Widerstandsfähigkeit gegen äußere Einwirkungen absolut ebenbürtig. Das gilt nicht nur für 2K-Systeme: 2013 brachte Adler beispielsweise mit dem farblosen Holzlack Aqua-Resist den ersten Wasserlack auf den Markt, der bei einkomponentiger Verarbeitung die gleiche chemische Beständigkeitsklasse 1B1 erreicht wie sein 2K-Pendant. Ähnlich gut ist die Qualität des deckenden Möbellacks Pigmocryl NG von Adler.

Ein wichtiges Thema sind auch Innovationen in Bezug auf Optik und Haptik der Lackoberfläche: Hochwertiger Hochglanz ist bei Wasserlacken ebenso gefragt wie stumpfmatte Oberflächen. Und das Potenzial in der Entwicklung von Wasserlacken ist noch lange nicht ausgeschöpft: Ökologische Lacke, die nachhaltig aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, sind ebenso eine Herausforderung für die Lackindustrie wie funktionale Beschichtungen, sogenannte Smart Coatings.

Know-how für die Anwendung

Geforscht wird auch an einer weiteren Verbesserung in der Verarbeitbarkeit von Wasserlacken. Lange Zeit galten Wasserlacke als „Diven“, die keinen Fehler verzeihen. Wasserlacke der neuesten Generation sind dagegen in der Anwendung sehr tolerant und robust. Dennoch ist zu beachten, dass Wasserlacke andere Anforderungen in der Verarbeitung stellen als Lösemittellacke. Daher ist es bei einer Umstellung des Lacksystems sinnvoll, sich neben den notwendigen Adaptionen im Spritz- und Trockenraum auch das erforderliche Know-how zu beschaffen – etwa durch eine professionelle Schulung, wie sie z. B. die Adler-Akademie anbietet.

Erhöhte Sorgfalt ist jedenfalls in der Holzvorbereitung erforderlich, kann doch eine Beschichtung immer nur so gut sein wie der Untergrund. Wasserlacke rauen das Holz stärker auf, daher ist ein gründlicher Schliff erforderlich, um dem Aufstellen der Holzfasern entgegenzuwirken. Trockene Hölzer können vor dem Lackieren zusätzlich gewässert werden.

Auch beim Lackauftrag gilt es einige Besonderheiten zu berücksichtigen: Durch die hohe Oberflächenspannung von wasserbasierenden Lacken wird beim Spritzauftrag ein höherer Druck benötigt. Geachtet werden muss auch darauf, dass der Lack nicht mit Silikon oder PVC in Berührung kommt – das gilt für die Gummischläuche am Hordenwagen ebenso wie für die Arbeitshandschuhe oder silikonhaltige Hautcremes. Und natürlich müssen alle Geräte, mit denen der Lack in Berührung kommt, aus korrosionsfestem Material bestehen, die Spritzgeräte aus Edelstahl.

Wie bei allen Lacksystemen spielen auch bei Wasserlacken Temperatur und Luftfeuchtigkeit bei Verarbeitung und Trocknung eine Rolle. Lack, Werkstück und Arbeitsgeräte und Spritzraum sollten jedenfalls eine Temperatur über 15 Grad aufweisen – denn frostige Bedingungen mag Wasser bekanntlich nicht.

Beschleunigte Trocknung

Viele Vorbehalte gegenüber Wasserlacken beziehen sich auf die Trocknungszeit. Tatsächlich ist diese im Durchschnitt höher als bei Lösemittellacken, was einfache physikalische Gründe hat: Zum Verdampfen von Wasser ist etwa siebenmal mehr Energie erforderlich. Mit dem richtigen Know-how kann die Trocknungszeit aber wesentlich verkürzt werden. So beschleunigen höhere Temperaturen und eine niedrige Luftfeuchtigkeit die Trocknung – es lohnt sich also, in eine gute Beheizung und Belüftung des Trockenraums zu investieren. Darüber hinaus zeigt auch Luftbewegung im Raum, z. B. durch einen Ventilator, einen positiven Effekt. Für Betriebe, in denen viel lackiert wird, könnte sich auch die Anschaffung eines Trocknungsgeräts lohnen.

Doch auch ohne Trocknungsgerät weisen Wasserlacke der neuesten Generation Trocknungszeiten auf, die denen eines Lösemittellacks nahekommen. So sind die Adler-Möbellacke Aqua-Resist oder Pigmocryl NG bereits nach zwei bis drei Stunden schleif- und überlackierbar, nach Trocknung über Nacht stapel- und manipulierbar.

Vorteile in Qualität und Anwendung

Der Tischler oder Schreiner, der sich dazu entschließt, die Umstellung auf umweltfreundliche Wasserlacke in Angriff zu nehmen, muss sich also lediglich mit neuen „Spielregeln“ im Umgang mit der Oberflächenbeschichtung gewöhnen und die entsprechenden technischen Anpassungen im Spritz- und Trockenraum vornehmen. Gleichzeitig kommt er in den Genuss zahlreicher Vorteile, die Wasserlacke bieten – auch in Bezug auf die Qualität der Lackoberfläche: Wasserlacke weisen eine bessere Füllkraft und darüber hinaus eine höhere Elastizität und Lichtechtheit auf als vergleichbare Lösemittellacke. Außerdem sind sie deutlich länger verarbeitbar – die Topfzeiten bei 2K-Verarbeitung betragen bis zu drei Tage – und sind durch ihre gute Recyclingfähigkeit und geringere Auftragsmengen äußerst effizient. Vorteile bieten Wasserlacke auch durch die einfache Reinigung der Arbeitsgeräte, für die in der Regel Leitungswasser genügt, und die unkomplizierten Entsorgungsmöglichkeiten für Spülwasser und getrocknete Lackreste.

Dazu kommt: Die Brandgefahr ist bei Arbeit mit Wasserlacken minimal, die Verarbeitung durch den weitgehend neutralen Geruch sehr angenehm. Dabei ist jedoch zu beachten: Auch wenn die Gesundheitsrisiken im Vergleich zu Lösemittelprodukten deutlich geringer sind, gehen vom Einatmen von Lackaerosolen oder vom direkten Hautkontakt dennoch Gefahren aus. Aus diesem Grund sollte man Wasserlacke mit denselben Sicherheitsmaßnahmen verarbeiten wie Lösemittelprodukte, die Augen mit einer Schutzbrille und die Haut mit Schutzhandschuhen und geschlossener Arbeitskleidung vor dem Kontakt mit dem Lack schützen und Atemschutz verwenden.

Gut fürs Holz und gut für die Umwelt

Moderne Wasserlacke sind nicht nur gut fürs Holz und gut für den Holzbearbeiter, sondern auch gut für die Umwelt, was auch die Kunden zu schätzen wissen. Wer auf Wasserlacke umstellt, reduziert die Menge der verwendeten Lösemittel bzw. deren Emissionen um beinahe 90 % und leistet damit einen wichtigen Beitrag für saubere Luft, gesunde Böden und verringerte Ozonbelastung,

Die europäische Lackindustrie hat in mehreren Jahrzehnten der Forschungsarbeit moderne Wasserlacksysteme für jeden Bedarf entwickelt, die keine Kompromisse in Sachen Qualität eingehen. Damit sind alle Voraussetzungen geschaffen, dass auch der Schreiner und Tischler durch die Umstellung auf leistungsfähige Wasserlacksysteme einen Beitrag zu nachhaltigem Umweltschutz leisten kann.


Die Autoren

ADLER_Hans-Peter-Thaler_(2).jpgDr. Albert Rössler (l.) ist Leiter der Forschung & Entwicklung bei Adler, dem führenden österreichischen Hersteller von Lacken, Farben und Holzschutzmitteln.

Hans-Peter Thaler (r.) ist Trainer der Adler-Akademie, die ein umfangreiches Schulungs- und Seminarangebot sowohl im Werk in Schwaz als auch bei Kunden vor Ort anbietet.

www.adler-lacke.com