Teil 4 der BM-Steuer-Serie: Schwarzarbeit

Ein Kavaliersdelikt mit drastischen Folgen

Dem Staat entgehen durch Schwarzarbeit Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge. Auch Handwerker und ihre Kunden tun sich keinen Gefallen. Warum das so ist und wie Sie sich bei einer Kontrolle verhalten sollten. Daniel Ritz

Das Thema Schwarzarbeit rückt immer wieder in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit – sei es durch die Debatte über die Einführung des Mindestlohns (welcher zum 1. Januar 2017 auf 8,84 Euro/Stunde angestiegen ist), durch medienwirksame Kontrollen des Zolls auf Baustellen oder jüngst durch Untersuchungen, wonach viele Flüchtlinge in ihrer Not auch in Deutschland zu Schwarzarbeit weit unter den üblichen Standards gezwungen sind.

Was ist Schwarzarbeit?
Schwarzarbeit liegt immer dann vor, wenn Tätigkeiten durchgeführt werden, die zwar bezahlt werden, nicht aber behördlich angemeldet sind. Üblicherweise werden dabei weder Steuern noch Sozialversicherungsbeiträge abgeführt. Häufig tritt Schwarzarbeit im Handwerk oder im Gebäudereinigungsgewerbe auf.
Wo liegt das Problem von Schwarzarbeit?
Dem Staat entgehen durch die Schwarzarbeit Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge. Es kommt zu einer Belastung, die von der ganzen Gesellschaft getragen werden muss. Zudem verzerrt Schwarzarbeit die Angebotssituation am Markt sowie die Preise für Handwerksleistungen. Für Unternehmen, die sich an die Gesetze halten, wird es schwieriger, konkurrenzfähige Angebote abzugeben.
Durch standardisierte Prüfungsverfahren kommt der Fiskus dem Steuerhinterzieher jedoch schnell auf die Schliche. Gängige Methoden sind z. B. der Vergleich von Einkauf und Verkauf sowie der Chi-Quadrat-Test. Beim Vergleich von Einkauf und Verkauf geht das Finanzamt von konstanten Deckungsbeiträgen und Zuschlagsätzen aus. Passen die Zahlen nicht zueinander, ist von Schwarzgeld auszugehen. Demgegenüber besagt der Chi-Quadrat-Test, dass jeder Mensch eine Lieblingszahl hat, welche beim Fälschen von Tageseinnahmen unüblich oft vorkommt. In beiden Fällen ist es dem Betriebsprüfer ein Leichtes, die Buchführung zu verwerfen und entsprechende Zuschätzungen vorzunehmen.
Konsequenzen der Schwarzarbeit
Die Schwarzarbeit hat sowohl zivilrechtliche als auch strafrechtliche Folgen. Zivilrechtlich berechtigen Leistungen, die schwarz ausgeführt wurden, den Empfänger (also Kunden) zu keinerlei Gewährleistungsansprüchen, sollte die Arbeit schlecht ausgeführt sein. Gleichzeitig kann auch der Schwarzarbeiter nicht auf Bezahlung seiner Leistung klagen, wenn der Kunde dies nach Arbeitsausführung verweigert.
In strafrechtlicher Hinsicht macht der Arbeitgeber sich nach § 266a StGB (Vorenthalten von Arbeitsentgelten) schuldig, wenn er keine Sozialversicherungsbeiträge abführt. Ebenfalls kann eine Form von Leistungsbetrug nach § 263 StGB vorliegen. Bei der Beschäftigung illegaler Ausländer kommen weitere Straftatbestände in Betracht. In fast jedem Fall ist der Vorwurf der Steuerhinterziehung nach § 370 AO verwirklicht.
Warum Schwarzarbeit keinen Sinn macht
Werden Handwerkerleistungen für den privaten oder betrieblichen Bereich beauftragt, so können sie in der Regel als haushaltsnahe Dienstleistung, Handwerkerleistung oder als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben steuerlich abgezogen werden. Die gegebenenfalls eingesparte Umsatzsteuer wird hierdurch mehr als aufgewogen. Gleichzeitig bleiben die zivilrechtlichen Ansprüche auf Gewährleistung und Entlohnung vollumfänglich erhalten.
Praktische Tipps zum Umgang mit Behörden
  • Sollten Sie zur Abfederung von Arbeitsspitzen Unterstützung benötigen und daher kurzfristig eine Arbeitskraft geringfügig beschäftigen wollen, melden Sie diese an. Das Verfahren ist einfach: Sie benötigen lediglich einen Personalfragebogen, den Sie bei der Minijobzentrale einreichen. Weitere Infos erhalten Sie unter www.minijob-zentrale.de.
  • Führen Sie Tätigkeiten für private Personen aus, weisen Sie darauf hin, dass die steuerliche Abzugsfähigkeit der Leistungen unter anderem davon abhängt, dass die Bezahlung per Überweisung und nicht bar erfolgt. Der Kunde wird es Ihnen danken. Die zu erwartende Ersparnis wird nämlich zu 100 % von der Steuerbelastung abgezogen.
Werden Sie auf einer Baustelle oder in Ihrem Betrieb von den Zollbehörden auf Schwarzarbeit überprüft, beachten Sie folgende Tipps:
    • Nicht in Panik verfallen. Die Mitarbeiter sollen den Chef informieren.
    • Ziehen Sie einen Rechtsanwalt oder Steuerberater hinzu.
    • Lassen Sie sich die Dienstausweise zeigen.
    • Kooperieren Sie, das kann die Prüfung und damit die Arbeitsunterbrechung erheblich verkürzen.
    • Dokumente wie Stundenzettel, Sozialversicherungsnummern und ggf. Arbeitsgenehmigungen ausländischer Mitarbeiter sollten zur Hand sein.
    • Nach Abschluss der Prüfung kann Einspruch eingelegt werden.

Der Autor

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Daniel Ritz ist Steuerberater und Mitglied der Geschäftsleitung von Topateam. In Wolnzach und Abensberg führt er eine Steuerkanzlei mit Dr. Tobias Hiller.