Diese Apps erleichtern die Arbeit

Flotte Smartphone-Helfer für den Tischler

Im App-Dschungel gibt es viele Helfer für Handwerker: von der Visualisierungs-App für mehr Erfolg beim Verkaufen über eine virtuelle Werkzeugkiste bis hin zum Online-Finanzierungshelfer sowie einem umfangreichen Nachschlagewerk für Rechtsfragen – alles abgestimmt auf die Bedürfnisse der (Holz-)Handwerker. Michael Sudahl

I Schon beim Kunden fängt alles an: „Wenn der Schreiner an dessen Küchentisch sitzt, muss er verkaufen“, sagt Stefan Tomann vom Technologie-Zentrum Holzwirtschaft (THZ) in Lemgo. Der Ingenieur hat eine Liste an Apps zusammengetragen, die speziell für Schreiner und Tischler programmiert wurden. Im Kundengespräch geht es darum, das noch nicht gebaute Möbel oder Bauteil möglichst anschaulich rüberzubringen. Neben Fotos von bereits geschreinerten Referenzobjekten helfen dreidimensionale Planungen. Wenn diese dann noch in den Räumen des Kunden angelegt sind, ist die Verkaufsshow perfekt.

Ideen erleben in der Visualisierungs-App
Eine pfiffige App hierfür ist Palette Move. Ein schwäbisches Softwarehaus hat diese kostenlose Applikation zum Visualisieren von Räumen entwickelt. Hier können Schreiner aus einem Fundus von Beispielszenarien wählen oder eigene Panoramen einspielen und dann via Smartphone und VR-Brille in den Virtual-Reality-Modus wechseln. Wer Augen und Kopf bewegt, kann sich innerhalb der Planung „bewegen“ und Details anschauen.
Einmal in die virtuelle Welt eingetaucht, ist das Raumempfinden sofort gegeben: Anwender genießen einen Rundumblick und können Lage und Größe sowie Materialien und Maserung besser einschätzen. Zum Verlassen der Szene blickt man einfach etwas länger auf den Boden und Scotty beamt einen zurück. Wer mag, kann Panoramen bewerten, nach Kriterien sortieren und löschen. Clever: ein eingebautes Verfallsdatum für Planungen, die an Endkunden gehen. Haken: Wer eigene Panoramen einspielen möchte, benötigt dafür die Software des Stuttgarter Unternehmens Palette CAD. Ganz umsonst ist der virtuelle Verkaufsraum dann eben doch nicht. Wer sich dennoch dafür entscheidet, hat den Vorteil, eigene Entwürfe und Perspektiven via Firmen-Cloud hochladen zu können und sie somit immer dabei zu haben.
Aufmaß-Apps: fotografieren, messen, notieren
Kommt es zum Auftrag, erfolgt erfahrungsgemäß das Aufmaß. „Photo Measures“ ist eine App, für die sich nicht nur die Experten des THZ begeistern können. Auch Makler und Architekten schwören auf den Onlinedienst. Mehr als 100 000 Downloads belegen das eindrucksvoll. Den virtuellen Helfer gibt es als kostenlose Lite-Version – oder für 3,99 Euro zum Runterladen bei Android. Die App dient dem Abmessen, Speichern und Weitergeben von Objekten und Räumen. Einfach mit dem Handy Fotos schießen, danach Pfeile, Winkel, Maße, Text oder Notizen einfügen – fertig ist das Aufmaß.
Wer dann noch Details messen möchte, für den eignet sich die „Bosch-Toolbox“ oder die App „iHandy Schreiner“. Letztgenannte verfügt über fünf Werkzeuge: Wasserwaage, Winkelmesser, Richtwaage, Lot und Schieblehre. Eifrige Nutzer behaupten, digital gemessen seien die Werte genauer als mit den herkömmlichen Werkzeugen. iHandy Schreiner gibt es für das iPhone und kostet 1,99 Euro. Die Toolbox wiederum ist kostenlos und dient vor allem der Kundenbindung seitens Bosch. Ganz einfach finden Nutzer deshalb Händler, Kataloge über Elektrowerkzeuge und Sonderangebote. Trotzdem hat sie einige nette Gadgets wie Taschenlampe, Maßeinheitenrechner, Rapportzettel und vor allem auch eine Aufmaß-Kamera.
Kurzfristige Finanzierung via Handy
Geht der Auftrag in die Arbeitsvorbereitung, muss Ware bestellt werden. Spanplatten, Kanten, Furnier, Beschläge und Elektroteile summieren sich schnell auf mehrere Tausend Euro. Gerade bei einem Großauftrag können Schreiner in Liquiditätsengpässe kommen. Sagt die Bank „Nein“ zur Limit-Erhöhung, hilft die kostenlose App von Interfin: Wer sein Angebot – etwa über 10 000 Euro für Platten- und Kantenmaterial – hochlädt und seine Handelsregister- sowie Steuernummer angibt, kann binnen 48 Stunden mit einer Finanzierungszusage rechnen. Der Seiten-Betreiber, die Deutsche Finetrading AG, tritt dabei als Zwischenhändler auf und speist sich aus dem Skonto, welches der Plattenhersteller einräumt. Wer seine Rechnung schnell bezahlt, erhält einen Bonus: Geht das Geld nach 120 Tagen ein, kostet die Finanzierung nur 0,4 % vom Rechnungswert. Schafft es der Schreiner früher zu bezahlen, sinken die Finanzierungskosten. Doch Achtung: Reizt er die maximal 150 Tage Zahlungsziel aus, wird es deutlich teurer.
Rapport, Berichte, Unterschriften
Verlassen Möbel oder Holzteile die Werkstatt, kann die kostenlose Basisversion von Addigo eine wertvolle Report-App sein. Mit Leistungsnachweisen und Regieberichten verbannt sie das Papier aus der Montagekiste. Der Kunde kann direkt auf dem mobilen Gerät unterschreiben und so den erstellten Bericht quittieren. Anschließend erhält er ihn per E-Mail und parallel geht die Info an die Buchhaltung des Schreiners. Die Rechnung kann geschrieben werden, lange bevor der Kollege wieder im Betrieb ankommt. Wer standardisierte Leistungen oder Materialien verwendet, kann diese vordefinieren und bequem einfügen.
Baurecht to go
Nicht alle Baustellen und Montagen laufen nach Plan. Wenn es Ärger mit Bauherren und Kunden gibt, ist es gut, sein Recht zu kennen. Die Ratgeber-App „Handwerk & Recht“ aus dem Genter-Verlag liefert verständliche Antworten auf häufige Rechtsfragen. Was etwa daraus folgt, wenn ein Mangel arglistig verschwiegen wird. Wann eine Mängelbeseitigung unzumutbar ist oder was getan werden kann, wenn der Auftraggeber grundlos den Vertrag kündigt. Zusammengestellt von Handwerkern für Handwerker bieten die Rubriken Bauvertrag, Abnahme, Vergütung, Gewährleistung, Durchsetzung, Arbeits-, Internet- und Gesellschaftsrecht einen breiten Überblick. Die kostenlose App ist für iOS und Android konzipiert und sogar offline nutzbar. Mit aktuellen Nachrichten-Updates gibt das Baurecht-to-go darüber hinaus einen Einblick in die aktuelle Rechtsprechung. Zudem finden Schreiner über die Suche Fachanwälte für Bau- und Architektenrecht in ihrer Nähe. I

Kostenfalle Zulieferer-Apps?

Praktisch, aber teuer

VBH, Häfele, Ostermann oder Siemens-Hausgeräte: Fast alle namhaften Zulieferer des Schreinerhandwerks haben inzwischen eigene Apps entwickelt. Meist finden User darin Produktkataloge oder einen Filialfinder. Wer will, kann direkt über die Apps bestellen und spart womöglich Zeit, weil er von unterwegs arbeiten kann. Wer also Stammlieferanten hat, für den kann es praktisch sein, sich dessen Applikation aufs Handy zu laden. Oft verführen die kleinen Helfer allerdings dazu, Preise oder Qualität nicht mehr zu vergleichen. Da wird der Onlinedienst dann schnell zur Kostenfalle …

Der Autor
Michael Sudahl ist gelernter Banker, Journalist und Partner der Agentur „Der Medienberater“, spezialisiert auf kleine und mittelständische Betriebe.