Ordnung im Vollholz- und Leistenlager

Sammelsurium?

Früher war das Vollholzlager ein wichtiger Bestandteil in den meisten Schreinereien. Auch wenn das heute oft anders ist, lohnt sich ein ordnender Blick in diesen Bereich. Doris Paulus

I Viele Betriebe haben das Vollholzlager oft nur noch aus alter Vertrautheit oder für Kundenrundgänge. Doch auch wenn das Holz nur kommissionsweise bestellt wird, fällt es vielen Schreinern schwer, sich von Resten zu trennen. Wenn aber das Lager mitsamt seinen Resten nicht richtig strukturiert ist, fallen uneffektive Suchzeiten an.

Beschriftung ist das A und O
Eine der Schwachstellen mit großer Wirkung ist das Regal. Dass ein solches her muss, ergibt sich meist schon aus den Vorgaben der Berufsgenossenschaft. Doch oft ist es nicht beschriftet, sodass das Material an vielen Orten liegen kann. Die Folge: Teile werden nicht gefunden, manches wird doppelt bestellt.
Deshalb ein praktischer Rat, der gleich umgesetzt werden kann: Alle Standardholzarten mitsamt der benötigten Stärke werden als solche definiert und erfasst. Auch eine Mindest- und eine Maximalanzahl gehört dazu. Oft genügt es, als Mindestmenge zwei Bohlen oder Bretter und maximal fünf Bohlen oder Bretter festzulegen. Diese Menge dient dann dazu, im Bedarfsfall sofort handlungsfähig zu sein. Die Stelle am Regal, wo die Bretter liegen sollen, ist entsprechend zu kennzeichnen. Und zwar so, dass jeder dort auch gleich ablesen kann, wann die Mindestmenge unterschritten ist und eine Bestellung ausgelöst werden muss.
Die Standardmaterialien sind auf idealer Greifhöhe für die Entnahme anzuordnen. Berücksichtigen Sie dabei, dass (meist ist es die unterste Lage) ein ausreichend großes Fach für eine größere Kommissions-Menge festgelegt wird. Dieses – meist leere – Fach wird als Kommissionseingangslager beschriftet.
Im nächsten Schritt werden die vorhandenen Holzarten eingeräumt. Falls es Überbestand (laut Definition) gibt, der in die Fächer passt, wird dieser mit eingeräumt. Ist der Überbestand noch zu groß, so wird die Holzart an anderer Stelle im Regal eingeräumt. Dies muss schriftlich auf der Bestellkarte vermerkt sein. Dieser Überbestand wird dann zuerst abgebaut, bevor nachbestellt wird.
Zwar ist es schmerzhaft, sich von dem Gedanken zu verabschieden „Was ich im Lager habe, spare ich mir im Einkauf“, aber wenn wirklich kaufmännisch gehandelt wird, dann wird sichtbar, dass die Suchzeiten bei einfachem Material den eigentlichen Wert des gesuchten Materials meist um ein Vielfaches übersteigen.
Daraus leitet sich in letzter Konsequenz ab, dass es sich nicht mehr lohnt, jedes Material in jeder Größe aufzuheben. Hier muss definiert werden, ab welcher Größe es Sinn macht, ein Holzstück aufzuheben und bei welcher Größe es zu entsorgen ist.
Definieren Sie Reste
Konkret heißt das: Alle Materialien, bei denen Verschnitt anfällt, wenn sie verarbeitet werden, erhalten eine Restedefinition. Dazu gehören genaue Maßvorgaben, etwa: „Leistenreste unter 1 m Länge sind Abfall“. Am besten geben Sie auch gleich an, was geschieht, wenn die Vorgabe erfüllt oder verfehlt wird. Kommen die Reste ins Restelager, ist es ratsam, sie vorher zu beschriften. Vermerken Sie beispielsweise die Kommission, damit das richtige Teil bei Bedarf sofort gefunden wird und nicht gesucht werden muss.
Jede Organisationsregel mit Handlungsanweisung wird schriftlich festgehalten, ausgedruckt und am Verarbeitungsort prominent und gut lesbar ausgehängt. Denn was einmal besprochen wurde, kann im Werkstatttrubel schnell untergehen. Nur wenn es jederzeit nachzulesen ist, kann man erwarten, dass sich jeder daran hält.
Quetschfalte im Betrieb
Kommissionsreste gibt es leider jede Menge, wie es auch Holzarten gibt. Solange es sich um ganze oder halbe Bohlen handelt, kann man dafür kleinere Fächer einrichten, die nur mit der jeweiligen Holzart beschriftet sind. Diese bekommen keine Mengendefinitionen. Dieses Lager ist eine der wenigen Quetschfalten im Betrieb, welches nicht strukturiert bewirtschaftet wird. I

Die Autorin

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Dipl.-Ing. Doris Paulus, Tischlerin und ehemalige Inhaberin der Schreinerei Paulus GmbH, ist auf das Thema Lageroptimierung spezialisiert.