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Des einen Leid …

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Des einen Leid …

Pleiten und Insolvenzen zuhauf: Die deutsche Möbel-industrie hat es schwer erwischt. Die drastisch gesunkene Nachfrage und die schleppende Baukonjunktur sind aber nicht die einzigen Gründe für das Desaster. Die Krise ist zu einem guten Teil hausgemacht. Im Boom der 90er hat die Möbelindustrie viel zu lange an überkommenen Konzepten festgehalten.

Zuallererst beim Design: Was sich in den großen Möbelhallen zwischen Ikea-Kult und Markenartiklern wie Interlübke abspielt, ist schlichtweg grausam.
Oder nehmen wir die Produktionstechnik: Die Serie, produziert auf schwerfälligen Fertigungsstraßen, ist nicht erst gestern unwirtschaftlich geworden.
Hinzu kommen mangelnde Kunden-orientierung, selbstmörderische Handelsmodelle und die lahme Logistik mit viel zu langen Lieferzeiten.
Doch wohin geht die Möbelreise? Erfahrene Branchenbeobachter rechnen mit einem tiefgreifenden Strukturwandel. Im Einrichtungsmarkt und vor allem im Möbelvertrieb, darüber sind sich die Experten einig, wird kein Brett auf dem anderen bleiben.
Des einen Leid des anderen Freud: Die Krise der Möbelindustrie eröffnet eine großartige Zukunftschance für fortschrittliche und kreative Möbel- und Innenausbaubetriebe. Mindestens fünf starke Fakten zeigen, dass sie den ,Industriellen‘ durchaus den Rang ablaufen könnten.
Erstens: Die Unterscheidung in handwerkliche und industrielle Fertigungsmethoden, gibt es schon seit Jahren nicht mehr. Ganz im Gegenteil. Der Abschied von den unbeweglichen Fertigungskolossen in den Fabriken hat allenthalben begonnen. Die Indus-trie setzt in verstärktem Maße auf ein Zukunftsmodell, das die Problematik der vielbeschworenen Losgröße 1 auflöst: Die CNC-gesteuerte, hochflexible Fertigungszelle. Ein Konzept übrigens, das in vielen ‚Handwerkszellen‘ mit Erfolg praktiziert wird.
Die Industrie hat also im Zeitalter der flexiblen CNC-Bearbeitungszentren keinen technischen Produktionsvorteil mehr. Der CNC ist es schlichtweg egal, wo sie steht – ob solo im Kleinstbetrieb oder in Mannschaftsstärke im Großbetrieb. Sie bringt überall die gleiche Leistung in derselben Qualität.
Zweitens: Die Organisationsformen der Zukunft machen ebenfalls keinen Unterschied mehr zwischen Handwerk und Industrie. Die in Groß- und Kleinbetrieben genutzten Computer- und Softwaretechnologien sind in ihrer Ausprägung nahezu identisch (siehe Seite 78).
Drittens: Die Beherrschung der Schlüsseldisziplin Informations- und Kommunikationstechnik ist spätestens seit Einführung des Internets keine Frage der Betriebsgröße mehr.
Viertens: Die Individualisierung wird weiter zunehmen und maßgeschneiderte Einrichtungen sind eine ureigene Stärke kreativer Möbel- und Innenausbaubetriebe. Außerdem: Warum sollten sich kleine Betriebe nicht einen ‚Kreativen‘ leisten, oder zumindest intensiv mit Designern, Innenarchitekten und Architekten zusammenarbeiten?
Fünftens: Der vielleicht alles entscheidende Trumpf der kleinen und mittleren Betriebe ist deren Kundennähe. Wird der direkte und schnelle Draht zum Kunden im Rahmen schlüssiger Marketingstrategien noch besser genutzt, ergeben sich schlagkräftige Wettbewerbsvorteile für den ‚Direktvertrieb‘.
Halten wir also fest: Der Struktur-wandel wird zu neuen Vertriebsformen und zu einer Neuverteilung im Möbelmarkt führen. Innovative Schreiner-Konzepte haben dabei beste Chancen: Zum Beispiel die High-Tech Möbel-manufaktur mit einer kleinen aber feinen Möbelkollektion, gepaart mit der Realisierung individueller Einrichtungsideen nach Wunsch und Maß, oder der spezialisierte CNC-Einzel-möbelproduzent, oder der schnelle Internet-Schreiner, um nur einige Beispiele zu nennen, könnten die Gewinner der Zukunft sein.
Herzlichst Ihr
Manfred Maier
Chefredakteur
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