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Ein Stoff mit langer Geschichte und großer Zukunft

Naturtalent Holz
Ein Stoff mit langer Geschichte und großer Zukunft

Holz hat die Menschen durch ihre gesamte Entwicklung begleitet. Stets diente es ihnen zur Herstellung von Gebrauchs- und Kulturgegenständen. Immer hielt es das Feuer an ihren Lagern, in ihren Herden, Öfen, Meilern und Werkstätten lebendig. Auch die Siedlungsgeschichte des Menschen ist untrennbar mit dem Bau(m)material Holz verbunden. Und nicht zuletzt entdeckten Magellan und Kolumbus die Welt dank mächtiger hölzerner Segelschiffe. Heute kehrt diese „Holzkultur“ ein Stück weit zurück. Etwa, wenn wir mit automatisierten Pelletöfen heizen, wenn visionäre Bauherren in Berlin siebengeschossige Wohngebäude aus Holz errichten oder wenn die Raumfahrt und die Formel 1 Holz in ihre Hightech-Konstruktionen einbezieht.

Vom Auftauchen des Homo sapiens vor 500 000 Jahren bis vor etwa 200 Jahren beruhte unser Leben maßgeblich auf der Nutzung von Wald und Holz. Dabei bewies der Mensch bereits in der Steinzeit solch unglaubliche Fähigkeiten in der Holzbearbeitung, dass die Holzbauten, -fahrzeuge, -apparaturen, -geräte und -werkzeuge des 19. Jahrhunderts nur als vergleichsweise unspektakuläre Fortschreibung der handwerklichen und planerischen Fähigkeiten erscheinen.

Kein anderer Stoff hat unsere Kultur mehr geprägt. Prof. Joachim Radkau, ein führender Experte für Umwelt- und Technikgeschichte, geht in seiner Beobachtung noch weiter: „Seit Urzeiten hat sich die Geschicklichkeit der menschlichen Hand an der Arbeit mit Holz entwickelt, so sehr, dass man sagen kann: Die Beziehung zum Holz gehört zur menschlichen Natur.“
Häuser, Brücken, Fahrzeuge und Werkzeuge ohne Holz waren für unsere Vorfahren undenkbar. Mühlen, Ackergeräte, Webstühle, Fischerboote und Fässer – ohne Holz wäre das Leben nicht zu meistern gewesen. Gab es noch im 18./19. Jahrhundert überhaupt einen Berufsstand, der ohne Holz auskam?
Ein weites Berufsfeld – damals wie heute
Viele Menschen hingen direkt vom Holz ab, wie der Säger, der Zimmermann, der Schreiner und Tischler, der Küfer und der Köhler, der Böttcher und der Wagner, der Holzblasinstrumenten- und Pfeifenmacher. Andere waren vom Wald abhängig. Nicht nur die Förster und Jäger, die Holzfäller und Holzknechte, sondern auch die Viehzüchter und Milchbauern, die im Wald für ihre Schweine und Rinder Weidegrund, Mast und Einstreu fanden.
Der Besenbinder (Reisig), der Gerber (brauchten Auszüge aus Kastanien- oder Eichenholz) oder der Harzer (gewannen Harz zur Herstellung von Pech, Teer und Terpentin) gehören ebenfalls zu den ungezählten Berufen, die auf Wald und Holz angewiesen waren.
Heute sind viele historische Berufe ausgestorben. Neue Holzberufe sind dazugekommen, wie etwa Forstmaschinenführer, Holzmechaniker (Industrietischler), Holzbearbeitungsmechaniker, Holzwirt, Waldpädagoge oder gar Clustermanager.
Die Varietät der Berufe hängt mit den ungezählten Verwendungsarten des Holzes zusammen. Wenn man aus den Rückständen der Zellstoffproduktion Holzschnaps brennt (wie einst in der DDR), braucht es ein anderes Berufsprofil als wenn man für eine NASA-Raumsonde ein ultraleichtes, widerstandsfähiges Gehäuse aus Balsaholz konzipiert (so bei der Mondlandung verwendet).
Der faszinierende Rohstoff lässt sich aufgrund seiner vielen verschiedenen Eigenschaften in nahezu allen Anwendungsbereichen einsetzen. Seine Bandbreite reicht vom unbehandelten Massivholz bis zum Hightech-Holzwerkstoff.
Holz ist dabei allerdings nicht gleich Holz, denn die Holzeigenschaften der einzelnen Baumarten unterscheiden sich. Deswegen hat jede Holzart ihre spezifischen Einsatz- und Verwendungsbereiche.
Die jeweiligen Talente des Holzes sind abhängig von Faktoren wie der Holzart, dem Baumalter, seinem Standort und davon, ob es sich um Splint- oder Kernholz, um Ast- oder Stammholz handelt.
Die unterschiedlichen Holzeigenschaften müssen bei der Verarbeitung und Verwendung von Holz berücksichtigt werden. Umgekehrt heißt das aber auch, es gibt für jeden Verwendungszweck das richtige Holz.
Holz kommt zurück
Nachdem Holz während der Industrialisierung (Ablösung der Wind- und Wasserkraft durch Dampfbetrieb und eiserne Maschinen und Werkzeuge) und noch einmal in der Wirtschaftswunderzeit nach dem 2. Weltkrieg (Aufschwung der Chemie) von anderen Materialien wie Kunststoffen, Stahl, Beton und fossilen Energieträgern zurückgedrängt wurde, besinnt man sich heute zunehmend auf die Vorzüge des nachwachsenden, ökologischen Rohstoffes zurück. Ein starker „Treiber“ von Holz ist das globale Erfordernis, nachhaltiger zu handeln. Dazu gehören die Ökologie, der Klimaschutz und die Ressourcenschonung (Umstieg auf nachwachsende Stoffe). Holz zu verwenden hilft, die globalen Lebensgrundlagen zu erhalten und die hierzulande erreichte Lebensqualität zu sichern. Diesen Gedanken hat die Bundesregierung aufgenommen. Zugunsten einer verstärkten Holzverwendung hat sie die „Charta für Holz“ formuliert.
Die Charta verfolgt dabei auch das Ziel, Arbeitsplätze zu sichern. Schließlich beschäftigte die deutsche Forst- und Holzwirtschaft nach EU-Definition im Jahr der Charta-Veröffentlichung (2004) mehr Beschäftigte als die Autoindustrie und setzte mehr um als die Elektroindustrie oder der Maschinen- und Anlagenbau.
Der Holzabsatzfonds, der bei der Umsetzung der Charta eine große Rolle spielt, geht von 760 000 Menschen in 130 000 Betrieben aus, die 2008 gemeinsam 108 Mrd. Euro erwirtschafteten. Hier sind Forst, Holzbe- und -verarbeitung, Holzbau, Holzhandel und Papierindustrie erfasst. Zusätzlich hängen Bereiche des Maschinenbaus und der chemischen Industrie, Zulieferer, Verpacker, Transporteure, Imprägnierer, in steigendem Maße Energieversorger und Kraftstoffentwickler, außerdem Wissenschaftler und Druckereien an der Wertschöpfungskette.
Was nach einem herkulischen Wirtschaftsbereich klingt, ist bei genauem Hinsehen ein heterogener, zersplitterter Sektor. Etwa 2 Mio. Deutsche besitzen inzwischen Wald, und rund 2000 Sägewerke sind darauf angewiesen, ihr Schnittholz in einem Markt abzusetzen, den vergleichsweise wenige große Hersteller von Stahl, Beton, Aluminium und Kunststoffen dominieren.
Neben dem globalen Zwang zur Nachhaltigkeit können Innovationen helfen, Holz auf die Relevanzebene zu heben, die es (wieder) verdient. Dazu Prof. Jakob Gebert, Industriedesigner und Innenarchitekt: „Innovationen entstehen durch technische Veränderungen: Ein neuer Leim, eine neue Oberflächenbeschaffenheit, thermische Behandlung. Innovationen entstehen auch durch ungewohnte, neue Materialkombinationen, durch ungewohnte Konstruktionen und durch neue Fertigungsweisen.“
Wer möchte, kann Holz – ähnlich wie in früheren Jahrhunderten – in allen privaten Lebensbereichen einsetzen. Und was die Entscheidung für Holz erleichtert: es liegt im Trend. Prof. Hartmut A. Raiser, der als Innenarchitekt für Hugo Boss, JOOP! und Rolf Benz arbeitet, führt aus: „Holz ist das Innenausbaumaterial schlechthin, und mehr denn je wird Holz im Innenausbau ganzheitlich verwendet.“
Bei Treppen, Möbeln, Küchen, bei Decken- und Wandvertäfelungen, Fenstern, bei Außenfassaden, Terrassen und Zäunen – überall bietet sich Holz als Werkstoff an. Die Ästhetik der Holzmaserungen und -farben sowie der Strukturreichtum und die Haptik sprechen den Geschmack der meisten Verbraucher an. Holz ist authentisch und strahlt eine organische Wärme aus.
Last but not least verspricht Holz neben seiner leistungsfähigen Struktur, seiner gestalterischen Qualität und seiner positiven ökologischen Bilanz einen einzigartigen immateriellen Zusatznutzen: Es stillt die tief im Menschen verwurzelte Sehnsucht nach einem naturverbundenen Leben.
Der Verbraucher, das rätselhafte Wesen
Ein selbst für Holz-Fans überraschend positives Stimmungsbild zeichnet das „Imagebarometer Forst & Holz“, eine repräsentative Umfrage des IFAK Instituts unter 2000 Personen ab 18 Jahren im Auftrag des Holzabsatzfonds (Nov. 2008).
Die meisten Befragten würden Holz demnach als Baumaterial für Neubauten und als Werkstoff für Modernisierungen bevorzugen. Holz wird einstimmig als behaglicher und wohnlicher Bau- und Werkstoff eingestuft (97 %), sei ein vielseitig einsetzbares Material (99 %), schaffe ein angenehmes Raumklima (97 %) und sei ein ökologischer (96 %) und wohngesunder Baustoff (97 %). In der Verarbeitung könne Holz sehr gut mit anderen Materialien kombiniert werden (93 %), sorge durchweg für leichte Verarbeitung (93 %) und ermögliche eine ansprechende Architektur (89 %). Zudem sei Holz ein Material mit guten Wärmedämm-Eigenschaften (77 %), das schnelle Bauprozesse (80%) und problemlose Modernisierungs-Maßnahmen (77 %) ermöglicht.
Erfahrungsgemäß sind solche Umfrageergebnisse jedoch mit größter Vorsicht zu genießen. Die spontanen Antworten haben meist wenig mit den konkreten Gedanken zu tun, die sich ein Bauherr oder Modernisierer macht. Der Weg von der Grundsympathie für Holz bis zur tatsächlichen Investitionsentscheidung ist lang und von aufkommenden Zweifeln gesäumt, die auf technischen Wissensdefiziten und elementaren Vorurteilen fußen („brennt, fault, verzieht sich…“). Deshalb sind beharrliche überbetriebliche Aufklärung und Beratung sowie eine aktive Kundenansprache unverzichtbar, um den Verbraucher, das rätselhafte Wesen, letztendlich „zu knacken“.
Nachhaltiges Bauen und „Green Building“
Bei der Erstellung und Nutzung von Gebäuden spielen ökologische, energierelevante und kreislaufwirtschaftliche Aspekte eine immer größere Rolle. Vor dem Hintergrund der drohenden Klimakatastrophe müssen die CO2-Emissionen im Bauwesen drastisch gesenkt werden. Schließlich verursachen die Gebäude in Deutschland mehr Klimaschäden als der Verkehr oder die Industrie.
Die Baubranche ist außerdem mit über 60 % an Abfall- und Reststoffaufkommen beteiligt. Zukünftig sollen Baustoffe den Nachweis ihrer Kreislauffähigkeit („Recyclierbarkeit“) erbringen. Holz als nachwachsender Baustoff und als Plusenergiematerial kann hier in besonderer Weise punkten.
Vom Potenzial, das Holz für das Nachhaltige Bauen (oder das „Grüne Bauen“) eröffnet, ist zwar die Holzbranche selbst restlos überzeugt.
Der Prozess und die Kritierien für die Gebäudezertifizierung aber werden vom Bundesbauministerium und der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen gesteuert, die mehr als bemüht sind, die mineralischen Baustoffe, sagen wir mal, gleich zu behandeln.
Baustoff „Holz 2.0“
Um die Anforderungen an Baustoffe und Konstruktionen bezüglich mechanischer Festigkeit und Standsicherheit, Brandschutz, Wärmeschutz und Schallschutz zu erfüllen, werden neben altbewährten Konstruktionssystemen neue leistungsfähige und spezialisierte, stab- und plattenförmige Holzwerkstoffe (z. B. Brettschicht- und Brettsperrholz) sowie maschinell sortiertes Schnittholz mit bis zu 50 % höherer Tragfähigkeit eingesetzt. Dadurch lässt sich im Hallen-, im Brücken- und im mehrgeschossigen Industrie- und Wohnungsbau das technische Potenzial in vielfältiger Weise ausnutzen.
Alternative Dämmstoffe auf Holzbasis, qualifiziert getrocknetes Bauholz und vorgefertigte Systemelemente ergänzen das technische Leistungsangebot dieses Naturstoffes im Bausektor.
In dieser Art und Weise „reloaded“ oder „upgedatet“, erfährt der Traditionsbaustoff Holz seit den 1990er Jahren wieder einen erheblichen Aufschwung im Bauwesen. Immer mehr Bauherren, Architekten und Handwerker konnten durch entsprechende branchenweite Informations- und Marketinganstrengungen von den technischen, konstruktiven, ästhetischen und wohnhygienischen Qualitäten von Holz – bzw. moderner Holzbauprodukte – überzeugt werden (Informationsdienst Holz).
Als wichtiges Etappenziel stieg die Quote von Holzhäusern im Neubau von 7,5 auf 14,5 % (2007). Gebietsweise liegt der Anteil im Eigenheimbau sogar bei 23,6 % (Baden-Württemberg) und im Nichtwohnbau bei 25,1 % (Bayern).
Ausgehend von dieser Entwicklung und der Meinungsforschung (siehe oben) ist eine Holzbauquote von rund 40 % in Deutschland vorstellbar. Diese Einschätzung unterstützen internationale Vergleiche mit Regionen wie Nordamerika, Skandinavien und dem Alpenraum.
Holz ist eines der größten und nötigsten Dinge in der Welt, wie schon Martin Luther sagte. Von der Natur bereitgestellt und vom Menschen in den Wäldern, Werken und Werkstätten veredelt, wird es ein faszinierender Begleiter bleiben. ■
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Schallmessung in der Praxis: Michael Fuchs (r.) und Simon Holzer bei raumakustischen Messungen in einem Objekt (Friseursalon Max in Wallersdorf). Foto: Barbara Kohl, Kleine Fotowerkstatt
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