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Holztechniker ins Handwerk?

Briefe an die Redaktion
Holztechniker ins Handwerk?

Holztechniker ins Handwerk?
Braucht das Handwerk den Holztechniker? Kann der Holztechniker den Handwerksmeister ersetzen? Ist es heute noch relevant, daß ein Tischlermeister mit der Anfertigung eines Meisterstückes den Nachweis erbringen muß, daß er sauber von Hand arbeiten kann? Diese und ähnliche Fragen stellt sich Studiendirektor Wilfried Schmitt, Leiter der Abteilung Holztechnik der Technikerschule Beckum, in seinen Ausführungen über die Ausbildung und den Einsatz von Holztechnikern.

„Ein angehender Holztechniker muß, bevor er eine Fachschule für Technik besucht, mindestens fünf Jahre Praxis – einschließlich Lehre – nachweisen. Nach einem zweijährigen Studium mit über 2600 Unterrichtsstunden (siehe Stundentafel) legt er eine staatliche Abschlußprüfung ab.

Holztechniker arbeiten bisher überwiegend in der Holz- und Möbelindustrie als mittlere Führungskräfte zwischen Meister und Ingenieur in den Bereichen: Konstruktion, Arbeitsvorbereitung (PPS), Kostenwesen, Fertigungsüberwachung und -organisation, Technische Beratung, Service und Verkauf, wie z. B. in den Sparten Maschinenhandel, Werkstoffe und Hilfswerkstoffe (Lacke, Klebstoffe).
Die in diesen Bereichen anfallenden Arbeiten werden in Konkurrenz mit Holzingenieuren, gelegentlich auch Meistern, gemacht. Viele entsprechende Stellen sind ausgeschrieben für Ingenieure oder Techniker; einige auch für Techniker oder Meister – in seltenen Fällen auch Ingenieure, Techniker oder Meister.
Je nach Größe des individuellen Engagements, der Praxiskenntnisse oder des Durchsetzungsvermögens können Holztechniker auch Stellen einnehmen, die gewöhnlich Ingenieure innehaben.
Die Karriere von Holztechnikern ist im Gegensatz zu anderen Technikerberufen wie Maschinen- oder Elektrotechniker nach oben offen, insbesondere, wenn sie sich Wissen dazu angeeignet haben.
Nach meiner Erfahrung wird die westfälische Kastenmöbelindustrie immer noch im mittleren Management und teilweise auch in der Firmenspitze von Holztechnikern geführt. Tendenziell fassen aber immer mehr Ingenieure Fuß und verdrängen Techniker auf angestammten Plätzen.
Braucht das Handwerk Techniker?
Techniker werden gegenüber Meistern leicht als Theoretiker abgetan. Sie benötigen tatsächlich eine längere Ausbildungszeit als die Meister. Die Dauer der Vollzeitausbildung für Techniker beträgt 24 Monate, die für Meister je nach Schule 6 bis 18 Monate.
Wie ist es jedoch um die Praxiskenntnisse bestellt?
Hat der Meister i.d.R. nicht mehr Praxis „auf dem Buckel“, ehe er die Meisterschule besucht?
Der Anfänger an einer Technikerschule muß mindestens fünf Jahre Praxis nachweisen – der Meisterschüler sechs Jahre – also kein signifikanter Unterschied! Die meisten Techniker- und Meisterschüler bringen eh eine längere Praxiszeit mit, bevor sie sich weiterbilden.
Bliebe noch der Nachweis des praktischen Könnens (Teil I der Meisterprüfung) – das Meisterstück –, das für Techniker bekanntlich entfällt.
Beweisen, daß man sauber Handarbeiten kann, ist das heute noch relevant für einen modernen Tischlermeister?
Ich meine: nein!
An einen Meister werden heute wichtigere Anforderungen gestellt:
Er muß u.a.
• seine Fertigung rationell organisieren,
• „sein Geschäft verstehen“ – kaufmännisch kompetent sein und Kosten sparen,
• die Betriebsabläufe mit wenig Reibungsverlusten organisieren – managen,
• seine Mitarbeiter motivierend führen,
• kreativ sein – in technischen und gestalterischen Fragen,
• sich sprachlich gut vermitteln –kommunikativ sein,
• Kunden gewinnen und überzeugen.
Diese Anforderungen können genausogut Holztechniker erfüllen, vielleicht sogar aufgrund ihreretwas anderen Ausbildung besser, und zwar in den Bereichen
• Planung und Organisation, einschließlich Softwarebenutzung
• Einsatz neuer Technologien (CNC, CAD, PPS)
• Kostenermittlung und Kostenkontrolle
• Kommunikation und Menschenführung. E
Meiner Ansicht nach macht sich in fast jedem Tischlereibetrieb mit über 15 Beschäftigten, neben dem Meister als Unternehmer, die Einstellung eines staatlich geprüften Holztechnikers bezahlt. Sollte dieser selbständige Meister und Unternehmer auf praktisches Können bei seinen Führungskräften trotzdem nicht verzichten wollen („Meisterstück“), sucht er sich einen Holztechniker, der zudem die Meisterprüfung abgelegt hat. Etwa ein Drittel aller Holztechniker sind doppelt qualifiziert. Die meisten Technikerschulen bieten heute im eigenen Hause oder in benachbarten Institutionen des Handwerks die noch fehlenden Meisterkurse Teil III und Teil IV außerhalb des Technikerunterrichtes an, so auch an der Technikerschule Beckum. Den Teil II der Meisterprüfung – Fachtheoretische Kenntnisse – brauchen staatlich geprüfte Techniker nicht zu machen, der wird mit dem bestandenen Abschlußexamen anerkannt.“ n
StD Wilfried Schmitt, Leiter der Abteilung Holztechnik der Technikerschule Beckum
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