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„Ich habe die Materialbrille auf “

Hannes Bäuerle hat zusammen mit Joachim Stumpp die Materialagentur raumprobe gegründet
„Ich habe die Materialbrille auf “

„Anfasszination“ ist ein Wort, von dem Hannes Bäuerle meint, es beschreibe das, was er macht, am besten. Den Innenarchitekten fasziniert das Stoffliche: Holz, Stein, Textil, Glas, Metall, Plastik mit allem, was daraus entstehen kann. In seiner Materialagentur „raumprobe“ hat er mittlerweile über tausend Materialien gesammelt. Anfassen erlaubt.

„Ich habe die Materialbrille auf“, sagt der 34-Jährige von sich. Wenn er eine Messe besucht oder auch nur sonntags ein Museum, sieht er die Welt mit anderen Augen. Er durchleuchtet die Dinge, die ihn umgeben, im Hinblick auf das Material, aus dem sie bestehen.

Materialien sind seine Leidenschaft. Er liebt die unglaubliche Vielfalt und freut sich auch heute noch in geradezu kindlicher Begeisterung über Neuentwicklungen oder Neuentdeckungen.
Schon während seines Studiums fügte sich ein Material zum anderen. Regalweise stapelten sich die Muster. Wenn Materialcollagen erstellt werden mussten, sagten seine Freunde: „Guck doch mal beim Hannes.“ Damals erkannte er erstmals, dass es in diesem Bereich Interesse und Bedarf gibt. Auch nach seinem Studium ließ ihn das Thema nicht los, er sammelte weiter.
Mit dieser Sammlung als Grundstock wurde es dann vor zwei Jahren Ernst. Etwa 400 Materialien waren zusammengekommen, als er zusammen mit dem Architekten Joachim Stumpp das Unternehmen „raumprobe“ in Stuttgart gründete. Den beiden war und ist es wichtig, Materialien vor Ort erfahrbar und im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar zu machen. Somit ist die Material-Ausstellung ein wichtiger Bestandteil des Unternehmenskonzeptes. Hier darf jeder kommen, gucken und anfassen. Die Ausstellung dient nicht nur als Informationsquelle, sie kann auch einfach zur Inspiration genutzt werden. Die Muster vermitteln dem Besucher einen unmittelbaren Eindruck über Optik und Haptik.
„raumprobe“ versteht sich als Schnittstelle zwischen Material-Hersteller und Planer. Die Materialagentur wendet sich an innovative Handwerker, die ungewöhnliche Projekte realisieren, genauso wie an weltweit agierende Designstudios. „Viele Ideen werden nicht realisiert, weil es an Wissen über die Werkstoffe fehlt“, meint Hannes Bäuerle.
Mit System geordnet und sortiert
„raumprobe“ will Struktur in die Vielfalt der Materialwelt bringen und dem Nutzer Übersicht verschaffen. Alle Materialien sind nach Rubriken sortiert. Dies ermöglicht einen schnellen Überblick. Hat der Besucher ein Material gefunden, für das er sich interessiert, erhält er die dazugehörigen technischen Angaben, sowie die Herstelleradresse.
Alles wirkt schlicht und einfach, wohl geordnet und sortiert. Doch dahinter steckt viel Arbeit. „Allein schon das Erarbeiten eines einheitlichen Datenblattes …“ Angestrebt war kein technisches Merkblatt, vielmehr soll sich der Interessent mit Hilfe des Datenblattes ein anschauliches Bild von dem Material machen können.
Anfangs waren die Materialien nach Grundmaterialien sortiert – Holz, Stein, Textil, Kunststoff. Doch schon bald erwies sich dies als nicht mehr ausreichend. Die Materialien waren zu komplex, Überschneidungen nicht zu vermeiden. Infolge dessen wurde neu sortiert, doch auch heute ist das Ganze im Fluss und ändert sich immer wieder. Ganz neu hat Hannes Bäuerle Oberflächen und Oberflächenbeschichtungen als Themengebiet entdeckt. „Da gibt es beispielsweise eine Art Dachpappe, die mit Solarkollektoren beschichtet ist. Alle diese „smart materials“ sind eine eigene Welt.“
„Uns geht es nicht um die Masse“, darauf legt Hannes Bäuerle Wert. „Wir zeigen ausgesuchte, qualitativ hochwertige Materialien.“ Dabei muss es sich nicht unbedingt um eine absolute Neuentwicklung handeln. Hannes Bäuerle begeistert sich auch für „erdige“, alltägliche Materialien, die zwar nicht neu sind, aber beispielsweise durch frische Farbgebung oder andere Einsatzmöglichkeiten eine neue Anmutung bekommen, sich weiter entwickeln, perfekter werden. „Beispielsweise bin ich der Meinung, dass Naturmaterialien wie Lehm bisher immer noch sehr stiefmütterlich behandelt werden. Dabei sind vielleicht nur sie wirklich zukunftsfähig. Andererseits erscheinen vermeintlich neue Materialien oftmals nur im Gewand neuer Kollektionen.“
Er und sein Team sind ständig auf der Suche nach neuen Materialien oder neuen Aspekten. Sie suchen im Internet, nehmen Termine wahr, recherchieren in Fachzeitschriften, erhalten Tipps von Besuchern. „In der letzten Zeit ist der Input von materialsuchenden Kunden und von materialanbietenden Firmen größer geworden. Jetzt kommen allmählich auch die Hersteller auf uns zu.“
Komfortable Materialsuche im Internet
„raumprobe“ hat als reine Ausstellung begonnen. Seit Februar gibt es den „Materialfinder“ im Internet. Soweit wollten die Raumprobler anfangs gar nicht gehen. Doch da jedes einzelne Stück der umfangreichen Materialsammlung auch mit aussagekräftigem Foto und Datenblatt dokumentiert war, lag es nahe, auch online die komfortable Materialsuche zu ermöglichen.
„Eine rein virtuelle Datenbank ist nicht besonders hilfreich. Für die Ausstellung aber ist die Datenbank eine sinnvolle, um nicht zu sagen ideale Ergänzung.“ Gerade boomt die Nachfrage im Internet regelrecht. „Viele, die uns im Internet aufsuchen, kommen später auch in der Ausstellung vorbei.“
Die Materialsuche ist für die Interessenten – Planer, Produktdesigner oder Handwerker – so gut wie kostenlos. Eine einfache Suche im Internet ist kostenlos, bei umfangreicheren Recherchemöglichkeiten fallen lediglich 29 Euro an. Diese Mitgliedschaft beinhaltet dann eine Nutzung der Onlinedatenbank mit Freitextsuche und Speicherplatz für persönliche Materialfavoriten, den monatlichen Newsletter mit Neuvorstellungen sowie den Zugang zur Materialausstellung vor Ort in Stuttgart.
Für die Hersteller ist eine Präsentation dagegen mit Kosten verbunden. „Die Hersteller erhalten durch die Möglichkeit, bei uns zu präsentieren, eine profitable Vertriebsplattform“, argumentiert Hannes Bäuerle. Manche Firmen nehmen zudem das Angebot einer umfangreicheren Präsentation mit Logo in Anspruch. Das lässt sich die „raumprobe“ allerdings zum einen auch bezahlen, zum anderen müssen die Materialien interessant sein. „Wenn die Materialien nicht anspruchsvoll sind, bleiben die Besucher weg und wenn die Besucher wegbleiben, ist das auch nicht im Sinne der Hersteller.“
Auf der Suche nach passenden Materialien
„raumpobe“ macht sich für Planer und Produktdesigner auf Anfrage auch auf die Suche nach passenden Materialien. Dieses so genannte Materialscouting ist oft aufwändig; geht es doch um die Frage, was denkbar ist, fernab der üblicherweise eingesetzten Materialien. Zurzeit steht ein Sitzsack im Ausstellungsraum, für den der Hersteller ein neues Füllmaterial suchte. Das bisherige war nicht homogen genug. Die Raumprobler wurden in der Automobil-Industrie fündig: Das Material, mit dem Stoßdämpfer ausgefüllt werden, erwies sich auch für die Sitzsackfüllung als geeignet.
„Wahre Innovationen entstehen nur in Zusammenarbeit mit dem Verarbeiter“, meint Hannes Bäuerle. Reinem Produktdesign vom Zeichenbrett aus räumt er kein großes Potenzial ein.
Vor 20 Jahren hätte raumprobe noch keinen Sinn gemacht. Damals gab es noch nicht so viele Materialien und war das Angebot noch nicht so vielfältig und die Anforderungen noch nicht so spezifisch. Heute ist die Planung arbeitsteiliger geworden, bei speziellen Projekten lohnt es sich bisweilen, Fachleute mit der Materialrecherche zu beauftragen, die Materialrecherche auszulagern.
Aus verschiedensten Branchen
Hannes Bäuerle zehrt noch heute von der Zeit, als er vor seinem Studium in einer Schreinerei gearbeitet hat. Gejobt müsste man korrekterweise sagen, denn eine Ausbildung hatte er nicht. Damals begann er sich erstmals für Materialien zu interessieren: „Über die gängigen Holzarten hinaus gibt es so viele interessante Hölzer, von denen die meisten gar nicht im Bewusstsein der Kunden sind.“ Außerdem meint er: „Es war auch eine gute Erfahrung, einfach mal an Maschinen gestanden zu haben.“
Die Mitarbeiter von „raumprobe“ kommen aus verschiedenen Branchen: Die beiden Gründer werden von wechselnden freien Mitarbeitern je nach Bedarf unterstützt. Malerin, Fotografin, Grafikerin … das Wissen der freien Mitarbeiter sei eine Bereicherung. Aus der Arbeit heraus entstehen viele neue Kontakte und auch damit erweitert sich wiederum das Know-How. Hannes Bäuerle: „Das geht mittlerweile über ein einfaches Netzwerk hinaus, vielmehr ist ein Knäuel aus den Fäden entstanden, die bei uns zusammenlaufen.“ ■
von BM-Redakteurin Regina Adamczak
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