Decopaint-Richtlinie

Lackhersteller gut gerüstet

Die europäische Decopaint-Richtlinie, die in Deutschland als ChemVOCFarbV in nationales Recht umgewandelt wurde, stellt strenge Anforderungen an Lacke, Beizen & Co. Die Lackhersteller ihrerseits zeigen sich gut gerüstet und bieten in diesem Zusammenhang meist abgerundete, leistungsfähige und technisch ausgereifte Sortimente.

Die Decopaint-Richtlinie (ChemVOCFarbV) hat im wesentlichen zum Ziel, bei der Oberflächenbehandlung entstehende VOC-Emissionen (volatile organic compounds = flüchtige organische Verbindungen) weitgehend zu vermeiden. Mit dieser neuen Verordnung sollen VOC-Emissionen aus bestimmten Farben und Lacken reduziert werden, die nicht in Anlagen nach der VOC-Verordnung verarbeitet werden.

Betroffen von den Anforderungen der ChemVOCFarbV sind alle Anwender von Farben und Lacken, die Beschichtungen von Bauwerken, ihren Bauteilen und dekorativen Bauelementen sowie zur Fahrzeugreparaturlackierung verwenden. Der Gesetzgeber bezieht mit dieser Verordnung also ausdrücklich die Betriebe mit ein, die weniger als 5 t Lösemittel pro Jahr verbrauchen und bisher von VOC-Beschränkungen ausgenommen waren.
Verarbeiter, die von der neuen Decopaint-Richtlinie betroffen sind, dürfen nur noch die besonders gekennzeichneten Decopaint-Produkte verarbeiten. Der Einsatz der meisten bisher gebräuchlichen Lösemittelbeizen, Zelluloselacke und PUR-Lacke verbietet sich somit. Umstellungen auf Wasserbeizen, 1K- oder 2K-Hydrosysteme oder Decopaint-konforme Kombiaufbauten sind unumgänglich.
Auf den vorhergehenden Seiten sind wir entsprechend umfassend auf die Anforderungen und Konsequenzen eingegangen, die sich aus der Decopaint-Richtlinie für Verarbeiter und Lackhersteller ergeben. Ergänzend haben wir nun bei einigen Lackherstellern nachgefragt, wie sie produktseitig im Hinblick auf die neuen Anforderungen aufgestellt sind. Fazit: Die Branche hat ihre Hausaufgaben gemacht und bietet – z. T. übrigens bereits seit geraumer Zeit – nicht nur leistungsfähige Systeme, sondern den Anwendern darüber hinaus auch jede Menge praktische Unterstützung und fundierte Information bei der Umstellung auf neue Systeme.
Adler: Die Tiroler Firma Adler-Lacke verweist in Sachen Decopaint darauf, dass sowohl das Handwerk als auch speziell die Möbelindustrie seit vielen Jahren auf die hohen Qualitätsstandards der Adler Wasserlacke vertrauen. Die HighRes-Wasserlacke des Unternehmens kommen eigenen Angaben zufolge hinsichtlich Transparenz und Anfeuerung den konventionellen Lösemittelprodukten sehr nahe und würden auch in Bezug auf Füllkraft, Recyclingfähigkeit und Elastizität kräftig punkten. Die Lacksysteme lassen sich wahlweise ein- oder zweikomponentig verarbeiten. Wenig beanspruchte Oberflächen wie Wand- und Deckenverkleidungen können einkomponentig beschichtet werden, während die Lacke für hoch beanspruchte Bauteile (z. B. Treppen) zweikomponentig alle Normen hinsichtlich chemischen und mechanischen Beständigkeiten problemlos erfüllen.
Adler-Werk Lackfabrik
A-6130 Schwaz
Clou: Mit Inkrafttreten der europäischen VOC-/Decopaint-Richtlinie gelten deutlich strengere Grenzwerte für VOC (flüchtige organische Verbindungen), damit aus gesundheitlichen und ökologischen Gründen verstärkt schadstoffarme, umweltfreundliche Systeme eingesetzt werden. Mit dem WL-System bietet die Alfred Clouth Lackfabrik eine vielseitige Produktreihe für die Erfüllung der geänderten Vorschriftenlage. Zum einen bietet das Unternehmen diverse zweikomponentige Hochleistungssysteme:
  • WL-Nano CB Antibak schützt sich dank moderner Nano-Technologie aktiv gegen Bakterien, Pilze und andere gefährliche Krankheitserreger und beugt somit effektiv Infektionen und großflächiger Verbreitung von Ansteckungs-Krankheiten vor.
  • WL-Parkettsiegel 2K ist ein Premium-Lack für den Fußbodenbereich extrem hoher Abriebfestigkeit, großer Elastizität und hoher Beständigkeit gegen chemische und mechanische Beanspruchung.
  • 2K-Schichtlack 9400 mit Unternehmensangaben zufolge extrem hoher Widerstandsfähigkeit gegen Wasser, Reinigungsmittel, alkoholische Getränke, Haushalts-Chemikalien und Fette.
Hinzu kommen mit WL-Schichtlack CB, Universal-Schichtlack 9200 und WL-Parkettlack drei einkomponentige Wasserlack-Systeme für unterschiedlichste Einsatzbereiche.
Alfred Clouth Lackfabrik
63073 Offenbach
Heidelberg Woodcoatings: Unter www.decopaint.info will die Heidelberger Lackfabrik künftig über Produkte zur Oberflächenbeschichtung informieren, die der Decopaint-Richtlinie entsprechen. Mit der Decopaint-Produktpalette des Unternehmens wird dem Verarbeiter ein umfangreiches Sortiment an Beizen und Lacken geboten.
Die Produktpalette beinhaltet sowohl lösemittelhaltige Lacke als auch wässrige Lacke und Beizen. Ein Beispiel ist der speziell entwickelte HD-Hartwachs-Siegel. Dieser lasse sich nahezu verarbeiten wie ein konventionelles 1-K Lacksystem, ist filmbildend und durch seine Widerstandsfähigkeit auch für die Treppen- und Bodenbeschichtung geeignet.
Insgesamt möchte die Heidelberger Lackfabrik mit dem neuen Produktsortiment zur Umsetzung der Decopaint-Richtlinie beitragen und den betroffenen kleinen und mittleren Herstellern von Treppen und Türen ein verarbeitergerechtes Produkt zur Oberflächenbeschichtung an die Hand geben.
Heidelberger Lackfabrik
69035 Heidelberg
JP Coatings: Das Sortiment von JP Coatings (Jordan Lacke und Pallmann Produktlinien) reicht von Lacksystemen für Möbel und Fußböden über Beizen und Öl-Wachs-Systemen bis hin zu Pflege- und Reinigungsprodukten. Das Unternehmen will auch in Zukunft Decopaint-konforme Produkte anbieten, die sowohl wasserbasierend, als auch lösemittelhaltig sind.
Erklärtes Ziel sei es, den Gehalt an Lösungsmitteln in den eigenen Systemen im Hinblick auf den Arbeitsschutz der Verarbeiter stetig abzusenken, was jedoch nicht zu Lasten der Qualität geschehen dürfe. Schon jetzt seien mehr als 70 % der Produkte für den deutschen Markt wasserbasierte Systeme.
JP Coatings GmbH
97076 Würzburg
Hesse Lackfabrik: Hesse-Lignal bietet ein rundes Decopaint-Sortiment. Zu den mit den Systemen des Oberflächenspezialisten beschichteten Bauelementen aus Holz und Holzwerkstoffen zählen u. a. Fertigteile, Türen, Zargen, Fußböden, Treppen und Vertäfelungen. Die Richtlinie unterscheidet in diesem Zusammenhang übrigens nicht, ob ein Werkstück nun am ursprünglichen Ort der Herstellung (z. B. in der Werkstatt) oder aber vor Ort (z. B. Treppenstufen im eingebauten Zustand) beschichtet wird.
Für alle Verarbeiter, die sich der Decopaint-Richtlinie ab 2007 unterwerfen müssen, hat Hesse-Lignal bereits frühzeitig ein abgestimmtes Artikel-Sortiment definiert, das alle betroffenen Einsatzgebiete einschließe. Mit dem Einsatz dieses Sortiments wird der Verarbeiter Unternehmensangaben zufolge den strengen Regeln der Richtlinie voll entsprechen.
Um Anwender umfassend sowohl über die Decopaint-Richtlinie an sich als auch über das eigene Decopaint-Sortiment zu informieren, hat das Unternehmen übrigens eine sehr informative, achtseitige Broschüre aufgelegt.
Hesse GmbH & Co.
59075 Hamm
Remmers: Mit dem verbesserten Härter für die ein- und zweikomponentigen Aqua-Lacke stößt die Remmers Baustofftechnik mit ihren Wasserlacken nach eigenen Aussagen in das Qualitätssegment der lösemittelhaltigen DD-Lacke vor. Da alle Wasserlacke des Unternehmens bereits die Decopaint-Richtlinie erfüllen, brauchen Anwender sich um die Grenzwerte flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) keine Sorge zu machen. Mit dem Aidol dur Aqua-Härter, so das Unternehmen, reduziere sich die Notwendigkeit, lösemittelhaltige DD-Lacke einzusetzen auf wenige Spezialanwendungen. Profianwender können die Wasserlacke mit dem Härter nun für alle Nutzungsklassen von Treppen und Parkett einsetzen. Die Abriebfestigkeit liege auch hier auf dem Niveau der herkömmlichen Beschichtungen mit Lösemitteln. Durch Zugabe des Härters zum Wasserlack erfüllen Möbel die Chemikalienbeständigkeit nach DIN 68.861 Teil 1 1b, wie sie bislang nur von DD-Lacken erreicht wurde.
Für alle Remmers Aqua-Lacke gibt es nur einen Härter. Die Verfallsdaten sind somit kein Thema mehr, und darüber hinaus werden Fehlerquellen minimiert.
Remmers Baustofftechnik GmbH
49624 Löningen
Zweihorn: Der Lackspezialist Zweihorn bietet dem professionellen Holzverarbeiter für alle Bedarfsfälle gemäß der ChemVOCFarbV ein VOC-konformes Produktprogramm. Das Unternehmen hat über Jahre neben den bewährten lösemittelbasierten Lacken ein komplettes Produktprogramm auf Wasserbasis entwickelt und bereits in den Markt eingeführt. Dies umfasst die 1K Klar- und Buntlacke der UnoCryl und UnoColor-Reihe als auch die 2K-Klar- und Buntlacke DuoCryl und DuoColor.
Alle Zweihorn Wasserlacke liegen Unternehmensangaben zufolge deutlich unter den geforderten Grenzwerten der ChemVocFarbV in der jeweiligen Kategorie. Derzeit wird ein neuer Füller auf Wasserbasis mit der Bezeichnung Supercryl UnoFill (SUF) im Markt vorgestellt. Dieser 1K-Füller zeichne sich durch eine einfache Verarbeitung, schnelle Trocknung und sehr gute Schleifbarkeit aus. Das Unternehmen zählt auch seine Produktlinie Naturtrend mit Ölen und Wachsen auf Basis nachwachsender Rohstoffe zu den VOC-konformen Produkten.
Verarbeitern mit größerem Lackbedarf bieten die UV-Lacke der Solarit-Reihe die Möglichkeit, die Anforderungen der VOC-Regelung bei der Beschichtung von Holzwerkstoffen zu erfüllen.
Mittlerweile ist die dritte Zweihorn Wasserlack-Generation am Markt, die eine hohe und dauerhafte mechanische Belastbarkeit (Treppen, Parkett) und chemische Belastbarkeit (Küche) bietet. Das Komplettsystem ist damit nicht nur auf VOC-konforme Lösungen beschränkt, sondern eignet sich für fast alle Anwendungen.
Für den klassischen Schreinerbetrieb, der im Innenausbau tätig ist, bringt die Umstellung auf Wasserlacke viele Vorteile. Das System sei dem lösemittelbasierten Programm ebenbürtig und biete darüber hinaus klare Vorteile für Umwelt und Gesundheit. ■
Zweihorn GmbH
40721 Hilden

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