BarrierefreiLeben – neue Marktchancen für das Tischlerhandwerk?!. Mehr als Technik und Tabus - BM online
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Mehr als Technik und Tabus

BarrierefreiLeben – neue Marktchancen für das Tischlerhandwerk?!
Mehr als Technik und Tabus

„Barrierefrei“ ist in aller Munde. Von Tischlerbetrieben, die in diesem Segment Fuß fassen wollen, wird erwartet, dass sie die Aufträge mit Einfühlungsvermögen und Sachkenntnis bearbeiten, Barrieren erkennen und beseitigen sowie durch kreative Problemlösungs- und Gestaltungskompetenz zu mehr Spaß, Freude und Wohlgefühl beim Leben und Wohnen beitragen.

Bei allem sollte nicht die Technik im Vordergrund stehen, vielmehr dienen die technischen Einbauten dazu, dass dem Kunden und der Kundin ein größerer Nutzen, eine leichtere Bedienung, mehr Entspannung und ein komfortableres Leben entsteht.

Barrierefrei ist in der Handwerksbranche seit einigen Jahren auf dem Markt als zusammenfassender Begriff für Wohnelemente, -einrichtungen und Möbel, die leicht bedienbar, direkt zugänglich und sehr komfortabel nutzbar sind.
Er ist ursprünglich entstanden als positive Weiterentwicklung der Worte „behindert“ und „beeinträchtigt“, die beide eher mit negativen Assoziationen belegt sind.
Allerdings zeigt der Umgang mit dem Begriff barrierefrei auch, dass er zuweilen als sperrig und vor allem erklärungsbedürftig empfunden wird. Es wird nicht selbsterklärend offensichtlich, dass barrierefrei mehr als nur die Beseitigung von Hindernissen beinhaltet, dies muss zusätzlich erläutert werden.
Die Erfahrung der letzten Jahre bezüglich der Planungen und Umsetzungen von Aufträgen im Bereich barrierefrei macht deutlich, dass es um ein Spannungsfeld von einfacher Wohnungsanpassung (z. B. Anbringen eines Haltegriffes) bis hin zu komfortabler Umgestaltung ganzer Wohnungen (z. B. Einbau von schiebbaren, senk- und hebbaren, elektrisch bedienbaren Einrichtungselementen) geht. Dies rückt barrierefrei näher an den Begriff Komfort heran.
Wie nähere ich mich dem Thema?
Für den Handwerker und die Handwerkerin, die sich mit dem Thema nähern, treten zwei, gegebenenfalls neue Themen in das Blickfeld:
  • 1. Habe ich die nötige fachliche Kompetenz für die Beratung und Umsetzung?
  • 2. Habe ich die nötige kundenorientierte Kompetenz? Spüre ich eine Verunsicherung im Umgang mit Menschen, die eine körperliche Beeinträchtigung und/oder Krankheit haben? Wenn ja, wie gehe ich damit um? Wie lege ich jemand aufgrund seines Alters ein erhöhtes Bett nahe?
Schweifen Sie kurz von Ihrem Tagesgeschäft ab und überlegen:
  • Habe ich eigene (oder in der Familie erlebte) Erfahrungen mit Krankheit, Alter, Beeinträchtigung?
  • Habe ich Kontakt, bin ich befreundet mit alten Menschen, mit Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung, mit Menschen im Rollstuhl?
  • Was verbinde ich mit Alter, Beeinträchtigung und Einschränkung?
  • Welche Klischees kreuzen meine Gedanken? Welche andere Bilder fallen mir ein – z. B. der Rollstuhl-Marathon mit den Hightech-Rennmaschinen? Oder die Senioren und Seniorinnen im Stadtteil, die das Seniorenzentrum aufgebaut haben?
Was bedeutet barrierefrei leben?
Die Norm ist der in seiner Mobilität uneingeschränkte Mensch. Barrierefrei leben ist das Gegenteil von Behinderung. Nicht der Mensch ist behindert, sondern der Mensch wird behindert. Behinderung entsteht dadurch, dass örtliche Gegebenheiten und Räume sowie die Bedingungen von Mobilität, Arbeit und Wohnen nicht auf die Bedürfnisse von körperlich beeinträchtigten Menschen zugeschnitten sind.
Es ist nötig, den Blickwinkel zu wechseln, beim barrierefreien Bauen und Wohnen umso mehr. Das beste Beispiel ist der Rollstuhl: Für viele Menschen ist der Rollstuhl der Inbegriff der körperlichen Einschränkung. Für die, die auf ihn angewiesen sind, ist er der Inbegriff der Freiheit, denn ohne Rollstuhl wäre keine Mobilität möglich. Nicht der Rollstuhl, sondern die Barrieren (Treppen, Absätze, Randsteine) machen Menschen zu Behinderten.
BarrierefreiLeben bietet Lösungen für verschiedene Beeinträchtigungen. Es geht dabei um Fragen der
  • Mobilität (Fortbewegung, Bewegungsfläche). Beispiele: Ungenügende Durchgangsbreiten, Schwellen, Rampen, Platz für Drehen um die eigene Achse
  • Antropometrie (z.B. Greifraum, Körpergröße, Augenhöhe). Beispiel: Ältere Menschen greifen noch bequem auf eine Höhe 150 cm, im Rollstuhl kommt man uneingeschränkt lediglich auf 130 cm
  • Biomechanik (Feinmotorik). Gute Beispiele sind: Gerundete Formgebung, griffige Oberflächen, größere Profilquerschnitte, besser drücken statt drehen
  • Physische Kondition (Körperkraft, Ausdauer). Beispiel: Entlastung und Erleichterung durch Sitzen, Abstützmöglichkeiten
  • Sensorik (Sehen, Hören, Tasten). Beispiele: Visuelle Orientierungshilfen im Nahbereich (z. B. Stufe) bei Sehschwäche, optische Wege der Informationsübermittlung bei Hörschwäche.
Wer sind eigentlich meine Kunden?
Die unterschiedlich betitelten Zielgruppen – silver generation, Senioren und Seniorinnen, Generation 50+ oder 55+, best ager – müssen im Zusammenhang mit barrierefrei genauer untersucht, beschrieben und erweitert werden.
Dabei geht es weniger um die genaue Zielgruppen-Definition, als vielmehr um den Bedarf, den gewünschten Nutzen und die Erwartungen der verschiedenen Gruppen. Wohnungsanpassung findet bei völlig verschiedenen Bevölkerungs- und Einkommensgruppen statt.
Es macht einen Unterschied, ob ein Kunde oder eine Kundin über eine Wohnungsanpassung, also eine Maßnahme, die durch (immer ungewollte) Veränderung (Verschlechterung) der eigenen Bewegungsmöglichkeiten (durch Krankheit, durch Alter) herbeigerufen wird, zum Thema barrierefrei stößt.
Fakten sind, dass
  • nur ca. 5 % der Menschen über 65 Jahren im Heim leben,
  • das durchschnittliche Eintrittsalter ins Alten- und Pflegeheim bei 83 Jahren liegt,
  • 2030 jede/r dritte/r Bundesbürger/in über 60 Jahre sein wird (heute ist es jeder fünfte),
  • die Eigentumsquote von Seniorenhaushalten in den alten Bundesländern bei über 50 % liegt.
Oder, ob das Thema barrierefrei durch ganz andere (meist positive) Veränderungen der Lebensumstände (z. B. Kinder haben Ausbildung abgeschlossen) und neue Lebensabschnitte eingeläutet wird, die mit anders zu nutzenden Wohnräumen und den entsprechenden finanziellen Ressourcen gekoppelt sind. Hierbei geht es verstärkt um „sich etwas gönnen“ und sich „das Leben erleichtern“. Diese Zielgruppe ist in der Regel etwas jünger als die Erstgenannte.
Eine weitere Gruppe sind Behinderte, die durch Krankheit oder Unfall bereits in jüngeren Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Das Bundesgleichstellungsgesetz von 2002 (Beseitigung der Benachteiligung von behinderten Menschen mit dem Ziel der gleichwertigen Teilhabe am Leben der Gemeinschaft) bedeutet für das Leben von Menschen mit Behinderungen einen Paradigma-Wechsel ins Positive: selbstständig leben statt Heimunterbringung.
Seit mehreren Jahren entstehen auch gemeinschaftliche Mehrgenerationenprojekte, die teilweise eine Antwort auf die Auflösung der traditionellen Familienstrukturen sind. Diese Projekte (mit einer langen Planungsphase von den zukünftigen Bewohnern und Bewohnerinnen mit den Architekten und Architektinnen) werden alle barrierefrei nach DIN 18025, Teil 1 und 2, umgesetzt. Für solche Projekte benötigt die Projektleitung dringend Handwerker, die mit dem nötigen Know-how, Interesse, Sachverstand und Gefühl an die Arbeit gehen.
Von Komfortwohnen bis Wohnungsanpassung
Zusammenfassend ergeben sich also folgende Zielgruppen-Themen, die sich des öfteren auch überschneiden:
  • Wohnungsanpassung
  • Komfortwohnen
  • Selbstständig leben mit Behinderung
  • Mehrgenerationenprojekte.
Hinsichtlich der Zielgruppen macht es einen beträchtlichen Unterschied, wo ein Betrieb angesiedelt ist (Großstadt, Kleinstadt, Ballungsraum, ländliches Gebiet, strukturschwaches Gebiet, Industrie-Region etc.). Eine sinnvolle Herangehensweise ist, die Strukturmerkmale seiner Gegend unter dem Gesichtspunkt barrierefrei zu untersuchen (Altersstruktur, Einkommen, Kaufkraft, Anteil Hausbesitz, Spezial-Krankenhäuser, Rehabilitations-Zentren, Berufsförderungswerke, Wohnraum-Umnutzung ehemaliger Kasernen).
Wenn deutlich ist, welche Bevölkerungsgruppen in relevanter Anzahl vertreten sind, kann daraus eine passende Gruppe zur Akquise ausgewählt werden.
Welches Marketing passt zu wem?
Zunächst einmal sollten natürlich die Stammkunden des Betriebes über die neue Ausrichtung „barrierefreiLeben“ informiert werden. Die nächste Überlegung ist: Welche Kundensegmente und welche Themen und Orte passen zu welchen Marketingmaßnahmen? Dazu stellen sich die Fragen:
  • Wofür interessieren sich diese Menschen? Was machen sie in ihrer Freizeit? Was lesen sie?
  • Was benötigen sie für Produkte?
  • Wo kaufen und suchen sie diese Produkte?
  • In welchen Vereinen und Organisationen sind sie Mitglied?
Und daraus resultieren mögliche Marketingmaßnahmen zu folgenden Kundensegmenten:
  • zu Senioren und Seniorinnen: Garten, Kreativität (Zeit dazu), Kurse in Volkshochschulen und Akademien für Ältere, Seniorenmessen (sich als kompetenter Ansprechpartner präsentieren)
  • zu Wohnungsanpassung: Sanitätshäuser
  • zu Komfortwohnen: Produkte und Orte, die ein hohes Lebensniveau ausdrücken (der besondere Weinhändler, die gehobene Wellness- und Fitness-Oase). Solche Firmen als Partner für gegenseitiges Empfehlungsmarketing gewinnen
  • zu Menschen mit Behinderung: Vorträge zu Wohnungsthemen, Vorträge bei Fachforen, Vorträge bei Beratungszentren.
  • zu Mehrgenerationen Projekte und staatlicher Wohnungsbau: Veranstaltungen zu Bebauung / Umnutzung mitgestalten, Zusammenarbeit mit entsprechenden Architekten suchen.
Besonderheiten im Umgang mit den Kunden
Welche Besonderheiten sind beim Thema „barrierefrei“ im Umgang mit Kunden und Kunden zu beachten? Wie soll man die Kunden und Kundinnen behandeln? Um es vorwegzunehmen: Es ist wie mit allen anderen Kunden und Kundinnen auch. Nur wenn ich sie verstehe, wenn ich mir ihre Anliegen zu eigen mache, wenn ich mich in ihre Situation hineinversetze und wenn ich den Blickwinkel des Kunden und der Kundin einnehme, werde ich die passende und beste Lösung finden.
Jedoch zeichnen sich die angesprochenen Kundengruppen auch durch verschiedene besondere Merkmale aus, die im Umgang und in der Planung berücksichtigt werden müssen:
Senioren und Seniorinnen: Je nachdem, ob man die Alterseinstiegsgrenze für Senioren bei 50, 55 oder 60 setzt, diese Lebensphase wird gekennzeichnet durch:
  • biografische Umbrüche (Kinder aus dem Haus, Krankheiten, evtl. Partnerwechsel, -verlust),
  • beginnende oder fortschreitende körperliche Einschränkungen,
  • Überlegungen für die Lebensgestaltung nach dem Berufsleben.
Grundsätzlich beachten im Kundenumgang sollte man, dass
  • mit zunehmendem Alter der Widerstand gegenüber Veränderungen steigt (Überzeugungskraft ist gefragt!),
  • die subjektive Wahrnehmung an Bedeutung gewinnt,
  • das Alter auch viele Vorteile mit sich bringt,
  • Komfort im Vordergrund steht,
  • der Nutzen möglichst groß und am besten auch noch variabel sein soll (also zukünftige Verschlechterungen des körperlichen Zustandes miteinbeziehen).
Wohnthemen für Ältere sind neben Bad, Küche und Wohnraum auch der Schlafbereich (Erhöhung des Bettes, Rost mit mehr Komfort). Dabei stoßen wir auch auf Tabu-Themen, z. B. soll das neue Doppelbett später (beim Tod des Partners) in zwei Einzelbetten teilbar sein?
Wichtiges Thema sowohl für Senioren/innen als auch für Sehbeeinträchtigte sind Kontraste, Farben und Farbgebung.
Komfortwohnen: Wie bereits erwähnt, ist dieses Kundensegment etwas jünger und steht inmitten des beruflichen Engagements. Hier geht es deutlich darum, sich etwas zu gönnen und sich – um die Anstrengungen des Alltags auszugleichen – etwas zu leisten. In den Vordergrund ist zu stellen:
  • Komfort – Entlastung – Erleichterung,
  • keine Technik, sondern Nutzen verkaufen,
  • Service bieten durch gewerkeübergreifende Kooperationen oder auch Kooperationen innerhalb des eigenen Gewerks (falls man nicht selbst alles anbietet),
  • den Kunden und Kundinnen möglichst viel abnehmen, Dienstleistungen inbegriffen: Anrufe tätigen, Informationen beschaffen, Reparatur erledigen,
  • neben dem hochwertigen Produkt auch das Image der Firma und vor allem die Persönlichkeit des Verkäufers mitverkaufen.
  • Wichtig ist, die Entscheidungen gut vorbereiten! Denn diese Kunden und Kundinnen sind gewohnt, zugearbeitet zu bekommen und zügig zu entscheiden.
  • Respekt vor dem Lebenswerk und der Lebenssituation zeigen.
Rollstuhlfahrer und -fahrerinnen: Im Vergleich zu den 70er und 80er Jahren hat sich für Menschen, die mit Rollstuhl leben, Grundlegendes verändert und erleichtert. Zum einen das bereits genannte Bundesgleichstellungsgesetz als gesetzliche Grundlage zur Schaffung von gleichberechtigten Lebensmöglichkeiten. Zum zweiten ist die medizinische Versorgung sehr viel besser geworden und führt zu einer höheren Lebenserwartung. Zum dritten liegt der Entwicklung zu selbstständigem Leben ohne Heimunterbringung ein gestiegenes Selbstbewusstsein zugrunde. Es wird das gleiche Recht auf ein selbstbestimmtes Leben in Würde eingefordert, wie es für Nicht-Beeinträchtigte als so selbstverständlich angesehen wird.
Bei Rollstuhlfahrern und Rollstuhlfahrerinnen beziehen sich die Umbau-Anforderungen hauptsächlich auf die Mobilität. Das betrifft Durchgangsbreiten von Türen, Ausgleich von Höhenunterschieden bei Gebäude- und Wohnungszugängen, Türschwellen insbesondere die Übergänge zu Balkonen, Terrassen und Wintergärten sowie ausreichend große Bewegungsfläche zum rangieren. Je nach individueller Situation geht es darüber hinaus um Greifhöhen, Bewegungsabläufe und Fein-/Grobmotorik. Wichtig ist die individuelle Betrachtung der Einschränkung und deren Auswirkungen.
DIN-Normen sind ein wichtiges Thema, und bei so eindeutigen Dingen wie Türbreiten, sehr nützlich. Zum anderen müssen unabhängig von den Norm-Lösungen sehr persönliche Dinge besprochen werden. Bei der Frage „Wo soll der Toilettenpapierhalter hängen“, muss z. B. erfragt werden, ob der Kunde selbst das Papier benutzt oder die Assistenz.
Dem Verkäufer und der Verkäuferin sind solche Fragen zu Beginn vielleicht unangenehm und führen zu Verunsicherung. Für den Kunden und die Kundin gehört es in der Regel zum Alltag, diese Punkte zu klären. Im Zusammenspiel mit der Assistenz geht es immer um die Klärung „wer macht was“. Deshalb kann man als Berater und Beraterin ganz neutral an diese Fragen herangehen. Am einfachsten sind solche Dinge auf einer sachlichen Ebene zu besprechen.
Die Umsetzung: konkrete Beispiele
Grundsätzlich sollte bei Planungen beachtet werden, dass für die angebotene Lösung eine Weiterentwicklung möglich ist (falls Verschlechterung des Gesundheitszustandes), die auf den bisherigen Stand aufbaut, ohne dass alles völlig verändert werden muss. Wichtig ist bei Senioren und Seniorinnen in punkto Erinnerungsfähigkeit und Konzentration, dass die Handhabungsabläufe gleich bleiben und möglichst selbsterklärend sind.
Bei abnehmender Konzentrationsfähigkeit helfen einfache und wiederkehrende Bedienungsschemata (z. B. gleicher Knopf für alles zum Ziehen, gleicher Griff für alles zum Schieben), evtl. in Kombination mit der Farbgebung.
Bei Blinden muss der Sehsinn durch die Tastfunktion und das Hören ersetzt werden.
Auch Farbwirkungen sollten eingesetzt werden: Blau für entspannend, Orange für stimulierend oder Hellblau für leicht. Die Kontraste dürfen bei Senioren/innen und Sehbehinderten deutlich gesteigert sein.
Bei Möbeltüren lässt sich prinzipiell sagen, dass Schiebetüren geeigneter sind als Drehtüren, da Drehtüren immer zum Öffnen „umfahren“ werden müssen. Außerdem benötigt man zum Schieben weniger Kraft als zum Ziehen.
Hat die Person weniger Muskelkraft zur Verfügung, ist es wichtig, dass die Türen sehr leichtgängig sind. Bei einer Person mit wenig feinmotorischen, sondern eher spastischen Bewegungen ist es jedoch richtig, dass die Türen schwerer zu öffnen und damit besser kontrollierbar sind.
Raumhohe Schränke sind in der Regel wenig sinnvoll. Die Höhe sollte danach ausgerichtet sein, dass der Kunde oder die Kundin alle Dinge selbst erreichen kann (sofern Arme und Hände benutzt werden können). Hilfestellung kann auch ein Kleiderlift bieten (gegebenenfalls elektrisch bedienbar).
Bei Möbel-Griffen ist es für Rollstuhlfahrer sinnvoll, dass sie waagrecht und lang sind.
Im Allgemeinen sind Stühle meistens günstiger, wenn sie Armlehnen haben.
Für Stühle und Sofas, die von Rollstuhlfahrern genutzt werden, gilt, dass sie eine Höhe haben sollten, die ermöglichen, sich vom Rollstuhl aus bequem umzusetzen. Sofas in dieser Höhe gibt es auf dem Markt jedoch nicht, ebenso wenig wie die dazugehörenden Couchtische. Bei Tischen ist wichtig, dass die Beine so angeordnet sind, dass ein Rollstuhl drunter passt, sowohl in der Höhe als auch in der Breite. Praktisch ist nur ein Fuß in der Mitte, auch wenn das optische Nachteile hat und zumindest in Holz erhöht statische Anforderungen mit sich bringt.
Praktisch ist auch, möglichst viel auf Rollen zu haben, mit einer für den Kunden und die Kundin handhabbaren Feststellung. Dies wäre praktisch für Tische, Container und kleine Aufbewahrungsmöbel, Sideboards etc.
Bei Küchen kommt es im Besonderen darauf an, wer kocht und wer welche Arbeiten erledigt. Eine aufwändige Höhenverstellung macht nur Sinn, wenn der Kunde oder die Kundin auch selbst kocht. Geht es „nur“ darum, aus Neugierde mal in den Topf gucken zu können, reicht es aus, das Kochfeld entsprechend niedriger einzubauen. Dies schränkt den Koch nicht ein und der Rollstuhlfahrer kann am Kocherlebnis teilhaben.
Im Bad ist der Platzbedarf für Rollstühle um die Toilette herum nach DIN 18025, Teil 2, bestimmt. Die Bewegungsfläche beträgt 150 cm x 150 cm. Bei der Badgestaltung sind auch die Fragen zu klären: Setzt sich der Mensch selbst auf die Toilette? Oder wird er umgesetzt? Wenn ja, wo steht der Rollstuhl und wo muss Platz für die Assistenz sein?
Der Einbau einer bodenbündigen Dusche hat viele verschiedene Vorteile: Mit Dusch-Rollstuhl selbstständig in die Dusche fahren zu können, sich alleine unter der Dusche mit Wasser berieseln zu lassen (ein Stück Intimsphäre, wenn man sich z. B. nicht selbst waschen kann).
Einen verlängerten Hebel an der Waschbecken-Armatur braucht man nur, wenn der Kunde diesen auch selbst betätigen kann. Schnell bauen Handwerker solch einen verlängerten Hebel ein, weil er als „behindertengerecht“ gilt.
Auch sind bestimmte Höhen zu hinterfragen, z. B. die Dekor-Fliesen nicht auf eine Höhe von 180 cm hängen, sondern auf Augenhöhe von etwa 130 cm, so dass der Rollstuhlfahrer sich auch an der Dekoration freuen kann. ■

www.ihr-wohlfuehl-tischler.de

Qualifizierungsangebot des Fachverbandes Hessen

Das Hessische Tischlerhandwerk qualifiziert in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Sozialministerium und der Hessischen Fachstelle für Wohnberatung seit zwei Jahren interessierte Betriebe in Grund- und Aufbau-Seminaren zu kompetenten Ansprechpartnern, wenn es gilt, geeignete Maßnahmen hin zum barrierefreien Leben fachgerecht in die Tat umzusetzen. Unsere Autorin Sabine Zöller ist für die Fortbildungen in diesem Bereich zuständig. Mehr Infos unter

Planung ist wichtig: Wolfgang Strauch ist im Rahmen seiner Tätigkeit für das Unternehmen Relax Innenausbau Zülch GmbH in Neuenstein u. a. für das Thema „barrierefreie Wohnbereiche“ zuständig. Der Schreinermeister plante für eine Kundin, die auf den Rollstuhl angewiesen ist, ein barrierefreies Schlafzimmer (siehe rechts).
Das Vertrauen der Kunden gewinnt er mit detaillierten 3D-Planungen und Visualisierungen. Ein wichtiger Punkt für barrierefreie Wohnplanungen sei, die Funktionen der Möbel schon in der Planungsphase zeigen zu können. Seit März 2007 führt seine Firma das Zertifikat „Fachbetrieb barrierefreiLeben“ des Fachverbandes Hessen.
Aufklärung ist nötig: Ralf Stuckardt hat sich durch Lehrgänge im Bereich „barrierefreiLeben“ qualifiziert. Auch sein Unternehmen ist seit 2007 zertifiziert. Allerdings reiche das Fachwissen alleine nicht aus, um an Kunden oder Aufträge zu gelangen, meint der Tischlermeister: „Es ist schwierig, aber zugleich auch spannend einem Senior im dritten Lebensabschnitt, der sich auf eine Bergtour vorbereitet, eine barrierefreie Wohneinrichtung zu verkaufen. Viele Kunden wissen gar nicht genau, was „barrierefrei“ eigentlich bedeutet. Hier ist Aufklärung dringend notwendig. Barrierefreie Wohndetails können in vielen Bereichen des Möbelbaus umgesetzt werden. Auch können durch barrierefreie Technik das Wohngefühl und der Komfort immens gesteigert werden. Dies gilt für alle Menschen, die sich Komfort wünschen und auch in Zukunft selbstständig bleiben wollen, nicht nur für Menschen, die durch körperliche Einschränkungen oder das Alter schon die eigentliche Zielgruppe sind.“ Ralf Stuckardt fertigte das von Wolfgang Strauch geplante Projekt.
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Schallmessung in der Praxis: Michael Fuchs (r.) und Simon Holzer bei raumakustischen Messungen in einem Objekt (Friseursalon Max in Wallersdorf). Foto: Barbara Kohl, Kleine Fotowerkstatt
Alles bio? Nachhaltigkeit im Tischler- und Schreinerhandwerk
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