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Mutig investiert

CNC-Bearbeitungszentren in der Praxis
Mutig investiert

Wenn kleinere Betriebe in ein CNC-Bearbeitungs-zentrum investieren geht es nicht nur um die unbestrittenen Bearbeitungsvorteile, sondern stets auch um unternehmerisches Risiko und die tiefgreifenden Veränderungen für den Betrieb. Im Falle der beiden Jungunternehmer, Hamm und Pöppl, war dies nicht anders.

Nur Mut! Leicht gesagt von hoher politischer Warte, von der herab nach Jungunternehmern gerufen und am grünen Tisch Risiko-kapital verfügbar gemacht wird. Wenn zwei junge Schreiner-meister sich zusammentun, um einen Handwerksbetrieb zu gründen, werden sie schlicht gefragt: „Was habt Ihr?“

Die Herren Karl Hamm und Friedrich Pöppl hatten 1993, dem Gründungsjahr, nichts außer einem bebauten Grundstück, das auch Platz für die Werkstatt bot und natürlich ihre Arbeitskraft samt Intelligenz und Fachwissen. Erschwerend kam hinzu: Hochdorf liegt im Nahbereich von Regensburg, dessen leergefegter Arbeitsmarkt von Firmen wie BMW und Siemens geprägt ist. Unternehmen, die nicht nur mit hohen Löhnen, sondern vor allem auch mit Prestige um qualifizierte Mitarbeiter werben.
Das junge Unternehmen Hamm & Pöppl beschäftigt heute vier Gesellen und nun je Jahr einen Lehrling. Nicht nur das: Mit der Anschaffung eines CNC-Bearbeitungszentrums, einer Investition von rund einer halben Million Mark, zusätzliche Software und die umfangreiche Werkzeug-ausstattung inklusive, wurde nur acht Jahre nach dem Start eine weitreichende Entscheidung getroffen, deren Bedeutung der Firmengründung selbst gleich zu stellen ist. Die Entscheidung über die Investition hatten sich die beiden Jungunternehmer in diesem Zusammenhang nicht leicht gemacht. Dazu Friedrich Pöppl: „Investitionen in dieser Größenordnung, deren Finanzierung und Folgen für Fertigung und Organisation müssen wohl überlegt sein. Wie man heute bei vielen Kollegen sieht, können Fehlentscheidungen rasch ins Aus führen.“
Spezialitäten plus Innenausbau
Treppenbau, Haustüren und zu einem kleineren Teil der Innenausbau bestimmen das Tätigkeitsfeld. Für das CNC-Bearbeitungszentrum war demnach eine Aggregate- und Werkzeug-bestückung mit größtmöglicher Universalität sowohl für die Platten- als auch für die Massiv-holzbearbeitung gefragt.
Die Serienausstattung des Weeke Optimat BP 145 mit Homatic-Steuerung 2000 IPC und der Software WoodWOP als werks-tattorientiertes Programmier-system ist kompatibel mit der Treppenbau-Software von Compass. Bereits nach wenigen Monaten Einarbeitung wurde das System am CAD-Arbeitsplatz von Meister Hamm virtuos gehandhabt. Selbst die dem Treppenbau üblichen Krümm-linge können auf dem BAZ formgefräst werden. Lediglich manuelle Stemmarbeiten fallen an den Krümmlingen noch an. Diese Arbeitsschritte auf das Bearbeitungszentrum zu integrieren, hätte eine teure fünfte Achse (Robotkopf) am Automat erfordert.
Technik und Ausstattung nach Maß
Ein Positionierlaser, einige Meter über der Maschine angebracht, projiziert die im Konturzug-programm erstellte Werkstückkontur oder die vom Programmierer festgelegten Positionen der Vakuum-Spannelemente millimetergenau. Der Laser erlaubt es, Rohteile ohne Sicherheitszugaben für die Bearbeitung und ohne Risiko vorzu-legen. Der Laser ist auf Wechselfeldbelegung abgestimmt, die für kürzere Bauteile rege genutzt wird. Zweimal zwei Licht-schranken sichern dabei den Bediener.
Der Teller-Werkzeugwechsler für 18 Plätze bei max. 100 mm Werkzeugdurchmesser fährt in X-Richtung mit. Da eine C-Achse vorhanden ist, lassen sich neben Fräswerkzeugen auch Adapter-aggregate manipulieren, unter Einschränkung der Werkzeug-anzahl bis 180 mm Durchmesser. Dazu gehört ein spezielles Fräsaggregat mit Winkelgetriebe und verlängerter Welle zur Aufnahme von Werkzeugen mit Bohrung bis 100 mm Außendurchmesser und 60 mm Breite, hier mit 12 000 U/min zum Fräsen z. B. des angeschrägten Steigungsschnitts am Stufen-versatz von Wangen für aufgesattelte Treppenstufen. Das Adapteraggregat ist per C-Achse um 360° schwenkbar. Ein weiteres einschwenkbares Aggregat ist auf universelle Bearbeitung ausgelegt. Es bohrt, fräst (bis 20 mm Durchmesser) zweispindlig und sägt bis 80 mm tief. Für Bohren/Fräsen muss das Sägeblatt von Hand ausgespannt werden. Neben anderen ist ein Aggregat zum Ausfräsen von Schloßkasten und Stulp zu erwähnen, zweispindlig, horizontal mit Ausblasdüse.
Neben einem 22-spindligen vertikalen Bohraggregat zählen mehrere horizontale Bohrgetriebe zu den festen Installationen am Support. Alle Bohrspindeln sind einzeln oder in Gruppen abrufbar. Positionierung nach X erfolgt über Zahnstangentrieb mit Ritzel, nach Y und Z mittels Kugelrollspindeln. Die 12 kW-Hauptspindel läuft in flüssigkeitsgekühlten Keramiklagern und liefert mittels frequenzgeregeltem Drehstrommotor stufenlos Drehzahlen zwischen 1250 und 24 000 U/min.
Rechnet sich das Investment?
Das kleine Unternehmen schaffte im Jahr 2001 einen Umsatz von rund 800 000 Euro. Bei entsprechender Belegung mit standardisierten Bauteilen mache sich das BAZ schon bezahlt, wenn es nur drei Stunden täglich voll ausgelastet sei. Diese Aussage unterliegt jedoch, wie betont wird, erheblichen Unsicherheiten und Einschränkungen, ist sie doch nicht nur von der Art der Aufträge und deren Umfang abhängig, sondern z. B. auch davon, ob es z. B. gelingt, Partnerunternehmen für Lohnauf-träge zu gewinnen, selbst wenn diese nur einen Deckungsbeitrag liefern.
Verstärken wollen Hamm & Pöppl die Zusammenarbeit mit Kollegen, z. B. in Sachen Treppenbau. Dazu können die Hochdorfer mit Planung, Konstruktion und Fertigung individueller Treppen eine komplette Dienstleistung anbieten.
Die beiden Unternehmer rech-neten zwei Jahre vor der end-gültigen Investition hin und her: lohnt sie, lohnt sie nicht? Auch wenn das BAZ sich schon nach den wenigen Monaten aufgrund seiner Bearbeitungsvorteile gerade bei Treppen und Haustüren unentbehrlich machte, gebe das noch längst keine letzte Sicherheit für eine langfristige Rentabilität.
Die Effekte des heute wie eine Standardmaschine genutzten Automaten seien schwierig in Zahlen zu fassen.
Insgesamt, so Friedrich Pöppl, habe sich das Leistungsspektrum durch die vielseitigen Fertigungsmöglichkeiten mit dem Bearbeitungszentrum wesentlich verbreitert. So sei man heute z. B. auch mit Innenausbau im Objektbereich aktiv.
Eines ist klar: Mit Hilfe des BAZ muss der Umsatz steigen, und dieser stellt sich nicht von alleine ein. Da muss auch das Umfeld stimmen, so z. B. die Aufgeschlossenheit der Mitarbeiter für Neues, für Technik, aber auch leistungsgerechte Entlohnung.
Ein auf Erfolg gestimmtes Betriebsklima ist gefragt, nicht ganz einfach in dem industrialisierten Umfeld Regensburgs. Es war deshalb wirklich eine unternehmerische, nämlich risiko-reiche Entscheidung, die hier von den beiden Inhabern getroffen wurde. Wohl zwei weitere Jahre werden ins Land gehen, so schätzen Hamm und Pöppl, um eine endgültige, betriebswirtschaftliche Bilanz über ihre Großinvestition zu ziehen. hgs
Kontakt:
Hamm & Pöppl
93182 Hochdorf
Tel 0 94 73/690
Fax ~/89 80
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