Vom Barock bis zur Moderne

Sitzen in Kuba

Für den reisefreudigen Möbelliebhaber ist Kuba eine Fundgrube mit reichhaltigem Angebot an alten „Möbelschätzen“ aus der Kolonialzeit in oft sehr reizvoller Kombination mit modernem Mobiliar. Diesen Eindruck gewann Michael Eckert, Fachlehrer für Entwurf und Konstruktion an der Fachschule für Holztechnik Detmold, auf seiner Reise durch den Inselstaat Kuba im Sommer 2002.

Die Unesco hat 1983 den kolonialen Kern der Hauptstadt Havanna und ebenso die einst reiche und heute eher verschlafene Kleinstadt Trinidad im Süden der so genannten Mitte der Insel zum „Weltkulturerbe“ erklärt.

Beide Städte gehören zu jenen, in denen die spanische Kolonialarchitektur weitgehend erhalten blieb. Der ehemalige Reichtum der „Zuckerinsel“ ließ imposante Paläste, Kathedralen, Boulevards und Villen entstehen.
Der besondere Charme der kubanischen Kolonialarchitektur resultiert nicht zuletzt daraus, dass die barocke Fülle, die die spanischen Architekten mitbrachten, sich mit dem tropischen Klima und seinen Lebensformen arrangieren musste. Zu den prägenden Elementen gehören die opulenten Gitter vor offenen Fenstern, die Patios – die unverzichtbaren Innenhöfe der Häuser – die großen Lamellentüren und -fenster, die jederzeit Luft in die Häuser lassen, die heißen Sonnenstrahlen jedoch fern halten sowie die zahllosen Balkone in den großen Städten. Heute sind hier Möbel aus allen dem Barock nachfolgenden Stilrichtungen vom Klassizismus über Jugendstil und Art-Déco bis zum Bauhaus wiederzufinden
Alte Villen werden in Havanna häufig in Form von staatlichen Hotels und Cafés genutzt. Sie sind sehr oft mit altem, restauriertem Mobiliar in Kombination mit modernem ausgestattet.
Der kubanische Staat bemüht sich hier im Rahmen der Tourismusförderung mit viel Aufwand die Inneneinrichtung originalgetreu wiederherzustellen. Museen wie das bekannte „Museo National De Bellas Artes“ sind mit postmoderner Innenarchitektur gestaltet (Abb. 13 und 15).
Die Situation zu Beginn der 90er Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war katastrophal, da die Wirtschaft in den Jahrzehnten nach der Revolution immer mehr auf die sozialistischen Länder ausgerichtet worden war.
Die Wirtschaft musste also über Nacht auf die Bedürfnisse des Weltmarkts umgestellt werden, was inzwischen weitgehendgelungen sein dürfte. Dennoch sind die Aussichten nach wie vor schwierig. Ein Ausweg schien die Wiederbelebung des Tourismus zu sein. Heute kommenallein aus Deutschland jährlich annähernd 300 000 Touristen nach Kuba. Die Folgen sind eine Dollarisierung der Gesellschaft. Wer Dollars hat, kann in den Dollarläden alles kaufen, was sonst auf dem Markt nur schwer zu erhalten ist. Wer als Türhüter oder Taxifahrer im Touristengebiet arbeitet, verdient durch Dollar-Trinkgelder mehr als ein Arzt pro Monat in kubanischen Pesos bekommt. Dies hat zu neuen Ungleichheiten zwischen Dollar-Reichen und Peso-Armen geführt. Die Folgen sind wachsende Kriminalität, Prostitution und eine immer größere Spaltung der Gesellschaft.
Einschränkung der Menschenrechte und der politischen Freiheiten – das ist die eine Seite der Revolution, die in sieben Jahren ein halbes Jahrhundert alt sein wird. Andererseits hat die Revolution auch viel für die Menschen getan. Bei einem Besuch in einer Schule war ich beeindruckt von der Ausstattung der Schule. Video für didaktische Programme in jedem Klassenzimmer, ein größerer Computerraum und ein Garten mit Heilpflanzen. Das Niveau der Schulausbildung zeigt sich auch in Gottesdiensten, wo Tanz und Theater eine große Rolle spielen und auf hohem Niveau dargeboten werden. „Das alles lernen unsere Kinder in der Schule“, sagte mir stolz Pastorin Rita Olivia, die für diesen Programmbereich der Kirche Verantwortung trägt. Das Schulsystem, die kostenlose Ausbildung für alle, ist in Lateinamerika unerreicht. Ähnliches gilt für das hervorragende Gesundheitssystem. Um so schwieriger ist es zu verstehen, dass die USA nicht nur seit Jahrzehnten Kuba boykottieren, sondern diesen Boykott in den 90er Jahren noch weiter gegen internationale Rechte verschärft haben. Diese kurzsichtige US-Außenpolitik behindert eine friedliche und demokratische Entwicklung in Kuba.
Doch die Not schaffte Kreativität und die lässt sich an vielen Stellen in Kuba finden. Seien es filigrane Nachbauten von Thonet-Stühlen mit barockem Beinschwung aus Baustahl an einer unscheinbaren Straßenecke (Abb. 9), einfache Kinderstühle (Abb. 7 und 16) oder Spielmöbel (Abb. 10).
Spielt sich das Leben in Alt-Havanna am Abend auf der Straße, auf Balkonen und in den Bars und Cafés ab, so ist es im länd-lichen Raum die Veranda, wo sich die Familien mit Nachbarn in den kühleren Abendstunden zusammenfinden. Schaukelstühle in den unterschiedlichsten Varianten, wie solche aus Aluminiumrohrgestellen mit farbiger Kunststoffbandbespannung – bei uns sind sie heute auch in so genannten „Design-Läden“ zu hohen Preisen zu finden – sind dort relativ preiswerte Alltagsmöbel (Abb. 11). Der Schaukelstuhl aus Zedernholz (Cedro) oder Mahagoni ist jedoch die prestigeträchtigere Variante, oft auch mit reichhaltigem Schnitzwerk und vom örtlichen Tischler für Dollars hergestellt (Abb. 1 und 8)
Michael Eckert

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