Besuch in der Intarsienwerkstatt von Somayeh Jamali

1000-Teile-Puzzle

Das Holz des Johannisbrotbaums, der Bitterorange oder der Roten Dattel kennt hierzulande wohl kaum ein Holzhandwerker. Die iranische Intarsienkünstlerin Somayeh Jamali schafft daraus in einer speziellen Holz- und Lacktechnik aufwendige Einlegearbeiten.

BM-Redakteur Heinz Fink

Prüfend streift der Blick über die auf dem Arbeitstisch ausgebreiteten, dünnen Holzplatten. Deren Farben reichen von einem blassen Rosa mit gelben Streifen über ein leuchtendes Orangerot bis hin zu einem warmen Rotbraun. Zielsicher wird eines davon ausgewählt, begutachtet, gedreht und an das aus vielen Teilen bestehende Bild gehalten um die Eignung von Maserung und Farbe zu prüfen. Passt! Mit gezielten Hammerschlägen dringen zwei spitze, kantige Stahlnägel durch eine Schablone aus Sperrholz, darauf das aufgeklebte Bildmotiv, und fixieren diese auf dem ausgewählten Holzstück. In gleichmäßigen Zügen arbeitet sich die Laubsäge an der Kontur der Schablone entlang durch das Holz. Noch einmal kurz die ausgesägte Form an das fertige Motiv anhalten, um die Passung zu prüfen. Dann wird die gegenüberliegende Kontur gesägt und schon fällt das Teilstück vom Holzbrettchen samt Schablone ab. Mit Weißleim wird das kleine Holzstück nun auf der Trägerplatte befestigt und das nächste passende Stück Holz ausgewählt. Stück um Stück, gleich einem Puzzle, arbeitet sich die aus dem Iran stammende Intarsienkünstlerin Somayeh Jamali so an das fertige Motiv ihrer Bilder aus Holz heran.

Traditionelle Handwerkskunst

Die Herstellung von Marketerien – Moaragh, wie diese auf Persisch heißen – hat eine lange Tradition im Iran. Im Gegensatz zu der in Europa bekannten Marketerietechnik aus dünnen Furnieren, werden hier zwischen 3 bis 5 mm starke Massivholzplättchen mit der Laubsäge ausgesägt und Stück für Stück auf eine Trägerplatte aufgeleimt. Dabei muss nicht die gesamte Fläche mit Holz belegt sein, sondern kann teils mittels schwarz eingefärbten Harzen oder Lacken vergossen werden, welche das in Holz gearbeitete Motiv so vor dunklem Hintergrund zeigt.

Zur Marketerie kam die 36-jährige, in Kaiserslautern promovierte Biologin, Somayeh Jamali, während ihres Studiums in Teheran. Sie war damals auf der Suche nach einem handwerklichen Ausgleich zu ihrem wissenschaftlichen Studium. Mit einer Freundin zusammen

suchte und fand sie 2006 eine private Intarsienlehrerin, die sie beide Schritt für Schritt in die Moaragh-Technik einführte. In wöchentlichen, gerade einmal eine halbe Stunde dauernden Kursen wurden sie und von der strengen Lehrerin, die das Handwerk ihrerseits von einem der letzten traditionellen Meister erlernt hatte, unterrichtet. Wobei sich der Schwierigkeitsgrad der Motive mit fortschreitender Kursdauer stetig steigerte, vom einfachen Blumenmotiv bis hin zu komplexen, figürlichen Szenen. Auch gab es stets eine kleine Hausaufgabe, die bis zum nächsten Kurstag erledigt werden musste. Das Material für ihre Arbeiten mussten sich die Schüler bei lokalen Holzhändlern selbst besorgen.

Hölzer aus Tausendundeiner Nacht

Somayeh Jamali, die seit 2011 in Deutschland lebt, kommt noch jedes Jahr ein bis zweimal zurück in ihre Heimat. Bei jeder Rückreise finden sich in ihrem Reisegepäck auch zahlreiche neue Hölzer, die sie bei spezialisierten Holzhändlern in Teheran kauft. Holz vom Johannisbrotbaum, der Bitterorange, der schmalblättrigen Ölweide oder dem Chinesischen Jujuba, der Roten Dattel, und viele andere Hölzer, deren Namen sie oft nur auf Farsi, ihrer persischen Muttersprache, kennt.

Dabei sind ihr weniger die exakten botanischen Holzarten, als ihre Farbe und Textur wichtig. Denn diese nutzt sie zur Komposition ihrer hölzernen Bildmotive – natürliche Farbverläufe und Schattierungen, die Unregelmäßigkeit von Wurzel- und Maserhölzern, aber auch Holzfehler oder Pilzbefall sind ihr dabei am liebsten.

Starke Kontraste

Eine Besonderheit der persischen Moaragh-Kunst ist die Kombination von Holz- und Lacktechnik. Das fertig ausgesägte Motiv wurde tradtionell mit schwarz eingefärbten Harzen ausgegossen, bis diese die Schichtdicke des Holzes von 2 bis 4 mm erreicht haben. Dabei füllen sich große nicht belegte Flächen, als auch Schnittfugen und zur Detaillierung eingesägte Gravurschnitte mit dunklem Harz und akzentuieren das Bildmotiv. Somayeh Jamali nutzt dazu heute jedoch einen modernen Mehrkomponenten-Polyesterlack. Dieser wird nach dem Aushärten, beginnend mit Körnung 40, mit dem Schwingschleifer abgetragen bis Holz und Lack eine ebene Fläche ergeben. Anschließend wird die Oberfläche bis zur Körnung 2000 fein geschliffen, mit einem Klarlack überzogen und poliert.

Die Motive für ihre Bilder findet Somayeh Jamali oft in der traditionellen Kunst ihres Heimatlandes: Klassische Pflanzenmotive, dekorative Ornamente oder auch figürlich Szenerien aus alten, persischen Mythen schmücken ihre Werke. Doch auch Intarsien nach modernen, westlich inspirierten Motiven finden sich unter ihren Arbeiten. Das Wissen um das alte Handwerk ihrer Heimat behält Somayeh Jamali aber nicht für sich, sondern gibt dieses engagiert in Kursen an andere weiter – ganz so, wie sie es von ihrer Lehrerin in Teheran vor nun mehr als 13 Jahren auch erlernt hat.

www.moaragh.de

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