Handwerkliche Entwicklungshilfe in Ruanda

Abenteuer Afrika

Nach Schule und Ausbildung mal raus. Neues erleben. Andere Länder und Kulturen kennenlernen. Das dachte sich auch Felix Rabe: Der 22-jährige, frisch gebackene Schreinergeselle aus Simtshausen bei Marburg, hat sich dazu gleich in die Nähe des Äquators aufgemacht. Exklusiv für BM berichtet er von den Erfahrungen und Eindrücken seines dreimonatigen Aufenthalts in Ruanda. Felix Rabe

I Feucht-warme Luft, das bunte Treiben unzähliger Menschen und Hunderte Gerüche – von Schweiß über Motorabgase bis hin zum Geruch gegrillten Fleisches – empfingen mich als ich in Kigali, der Hauptstadt Ruandas, kurz vor Mitternacht aus dem Flughafen trat. Ich war angekommen in einem Land, das all denen ich von meinen Plänen erzählte, vor allem mit dem grausamsten Verbrechen in der postkolonialen Geschichte Afrikas verbanden, dem Völkermord an den Tutsi. Dennoch begrüßte mich ein deutscher Entwicklungshelfer mit den Worten: „Für den ersten Aufenthalt in Afrika ist Ruanda genau richtig!“

Er sollte Recht behalten, denn Ruanda ist in den letzten Jahren zu einem Ruhepol geworden, eingekeilt zwischen der riesigen, von Bürgerkriegen und Raubbau versehrten Demokratischen Republik Kongo, dem von Unruhen und Machtkämpfen gebeutelten Bruderstaat Burundi und den großen Nachbarländern Uganda und Tansania. Mit großem Erfolg konnte in den vergangenen Jahren die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen verbessert werden. Ruanda setzt sich von den umgebenden Ländern durch eine funktionierende, korruptionsarme Verwaltung, einen fortschrittlichen Umweltschutz und einen sehr präsenten Sicherheitsapparat ab. Das Klima ist aufgrund der Höhenlage Ruandas ganzjährig erträglich warm – Malaria ist nur in wenigen Landesteilen ein Problem.
Engagierter Einsatz
Mein Ziel war das im Westen des Landes an den Ufern des Lake Kivu gelegene Rubengera. Hier haben die Marburger Entwicklungshelfer Katja und Tim Bluthardt zusammen mit den ruandischen Diakonissen „Abaja ba Kristo“ eine technische Schule gegründet. Die oftmals sehr arme Bevölkerung hat dort seit vier Jahren nicht nur die Möglichkeit, ihrem Nachwuchs eine gute Ausbildung mit großen Zukunftschancen zu ermöglichen, sondern auch selbst in einer Art Volkshochschule beispielsweise Englisch zu lernen.
Die Schule finanziert sich bislang, neben den Schulgebühren und Einkünften aus der Werkstattproduktion, durch die großzügige Unterstützung von Privatspendern, die DGD-Förderstiftung Marburg (Deutscher Gemeinschafts-Diakonieverband e. V), sowie durch Sach- und Personalspenden mittelhessischer Mittelständler. Dadurch, aber vor allem durch den enormen persönlichen Einsatz der Familie Bluthardt und ihrer Freunde, konnte sich die mit Abstand beste technische Schule mit Schwerpunkt Holzverarbeitung in Ruanda etablieren: Die Regierung entsendet nicht nur ihre Lehrer zu Fortbildungen nach Rubengera, sondern hat der Schule in Anerkennung ihrer Verdienste sogar einen Wald geschenkt.
Anleitung zur Selbstständigkeit
Meine Aufgabe war es, als Lehrer, Betreuer und Werkstattleiter, gemeinsam mit den Schülern und Lehrern, verschiedene Projekte für Kunden der Schule zu realisieren. Dabei wurden Spielekisten mit Holzbauklötzen, verschiedene Schränke, Regale, Tische und sogar eine ganze Küche gefertigt.
Besonders beim Bau der Küche konnten einige Schüler wertvolle Erfahrungen sammeln. So begannen wir das Projekt mit einer 3D-Visualisierung im Zeichenprogramm SketchUp und setzten erstmals großflächig MDF ein, welches in Ruanda sonst fast nur in Importmöbeln zu finden ist. Außerdem benutzten wir für das Bohren der Lochreihen einen halbautomatischen Bohrautomaten (Gannomat).
Viele Schüler entwickelten schnell Talente in einzelnen Bereichen: So konnte ich einen jungen Absolventen der Schule für das Konstruieren von Vollauszügen aus Holz begeistern, während ein anderer Schritt für Schritt die Leitung der Werkstatt übernahm.
Die Werkstatt führt neben dem schulischen Betrieb eigene Auftragsarbeiten aus, um so lukrative Arbeitsplätze zu schaffen und die Schule mitzufinanzieren. Aktuell ist die Produktion mit einer Vorlaufzeit von fünf bis sechs Monaten voll ausgelastet.
Beeindruckende Erlebnisse
Untergebracht war ich während meines Aufenthaltes in einem Waisendorf, das von den überaus warmherzigen und hilfsbereiten Schwestern geleitet wurde. Hier nahm ich auch am Mittag- und Abendessen teil.
Neben der Arbeit fand ich aber auch Zeit, die unglaublich vielfältige Natur Ruandas zu erkunden. Zum Beispiel auf einer Safari im von Nilpferden, Löwen und Elefanten bevölkerten Akagera-Nationalpark oder während einer Bergtour auf den Vulkan Visoke, der, umgeben von Bergregenwäldern, eines der letzten Rückzugsgebiete für Berggorillas ist.
Mindestens genauso beeindruckend wie die Natur aber war, für mich die Fähigkeiten der Menschen in Ruanda, sich von Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen zu lassen und der grausamen, allgegenwärtigen Vergangenheit den Glauben an eine bessere Zukunft entgegenzusetzen!
Bereits im Flugzeug nach Frankfurt, als die Welt um mich wieder europäischer, strukturierter und farbloser wurde, freute ich mich schon auf die Rückkehr in dieses farbenfrohe, lebendige Land im Herzen Afrikas. I

Schreiner im Entwicklungsdienst

Seit einigen Jahren unterstützt der Deutsche Gemeinschafts-Diakonieverband e. V. (DGD) durch seine Förder-Stiftung die Weiterbildung von medizinischem Personal in Ruanda. Neben diesem Engagement fördert die DGD-Förder-Stiftung Aufbau und Betrieb einer Lehrwerkstatt mit Schwerpunkt Holztechnik. In Zusammenarbeit mit „Christliche Fachkräfte International“, der Holzfachschule Bad Wildungen und weiteren Partnern, wurden im August 2011 zwei Marburger Mitarbeiter des DGD, der gelernte Schreiner, Theologe und Sozialpädagoge Tim Bluthardt und seine Frau Katja, nach Ruanda entsandt. Sie begleiteten den Aufbau der Lehrwerkstatt fachlich und organisatorisch. (hf/Quelle: DGD)

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