Werkstattbesuch beim Vergoldermeister Dietmar E. Feldmann. Alles Gold, was glänzt - BM online
Startseite » Inspiration » Blick über den Tellerrand »

Alles Gold, was glänzt

Werkstattbesuch beim Vergoldermeister Dietmar E. Feldmann
Alles Gold, was glänzt

Rohe, grundierte oder gefasste Holzfiguren, matte und glänzende Goldoberflächen – die Vielfalt der Materialien scheint unüberschaubar in der Werkstatt von Dietmar E. Feldmann, seines Zeichens Vergoldermeister und Restaurator im Handwerk.

Melanie Kirchlechner

Drei Gesellen, ebenso viele Lehrlinge und der Meister höchstpersönlich arbeiten in der etwas unübersichtlichen Vergolderwerkstatt im bayrischen Abensberg. Man kann es kaum fassen, die Mann- bzw. Frauschaft arbeitet an etwa 100 Aufträgen gleichzeitig! Bedingt durch die langen Trocknungszeiten bei den hier ausgeführten traditionellen Polimentvergoldungen und um rentabel zu wirtschaften, muss die Zahl der Parallelaufträge immer hoch sein. Zur Sicherheit ist aber jeder Auftrag auf der Unterseite mit dem Namen des Kunden versehen, damit er jederzeit zuzuordnen ist.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass nur der Chef, der Vergoldermeister Dietmar E. Feldmann, den Überblick über das für außenstehende Besucher chaotisch wirkende System behält: „Aufräumen funktioniert nur im Team“ meint er dazu ganz lapidar. Wie ein Blitz flitzt er zwischen den unterschiedlichen Arbeiten hin und her, legt hier und da letzte Hand an und verleiht den Vergoldungen den allerfeinsten Glanz.

Von der Pike auf

Begonnen hat Dietmar E. Feldmann seine Ausbildung 1987 als Maler und Lackierer. Fünf Jahre später kam noch der Gesellenbrief des Fassmaler- und Vergolderhandwerks hinzu. 1996 absolvierte er dann mit Bravour die Meisterschule für Kirchenmaler in München. Gleich darauf konnte er im Rahmen der Begabtenförderung des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft mit dem Abschluss „Maestro della pintura della murale“ in Venedig selber glänzen. Und der richtige Glanz ist genau das, worauf es in diesem altehrwürdigen Handwerk am meisten ankommt!

Menschenliebe

Bereits seit 25 Jahren betätigt Feldmann sich als freiberuflicher Dozent und Prüfer an der Meisterschule für Maler und Lackierer für die Handwerkskammer Niederbayern und Oberpfalz. Sein Motto „Ich mag Menschen“ lässt ihn jegliche Begegnungen, sei es mit Schülern oder auch Kunden als Bereicherung empfinden: „Ich gebe gerne weiter und es kommt so viel zurück“ schwärmt er. Auch bei den Firmen Noris Blattgold und Bösner unterrichtet er in der Kunst des Vergoldens. Der Tausendsassa ist natürlich auch ehrenamtlich unterwegs: als Obermeister der Malerinnung Kelheim und Vorstand der Bayerischen Landesinnung des Vergolder- und Fassmalerhandwerks.

Schnitzen und vergolden

Wenn Holz vergoldet wird, gilt es Grundsätzliches zu beachten: So schneidet der/die Bildhauer/in „unter der Fassung“, was bedeutet, dass so viel mehr Holz entfernt werden muss, wie an späteren Grundierungs- und Vergoldungsschichten wieder dazukommt. Auch scharfe Kanten gilt es zu vermeiden, damit an diesen stark beanspruchten Stellen die Vergoldung ebenso dick, das heißt auch genauso dauerhaft ist.

Kleinere Schnitzarbeiten bewältigen die Vergolder in der Abensberger Werkstatt selbst, die großen, komplexen geben sie in der Regel in Auftrag, unter anderem beim Bildhauer Peter Brutler aus Parsberg (siehe BM 08/21).

Großer Aufwand

Jedes Teil, jede Figur wird 7 bis 8 Mal während des Vergoldungsprozesses berührt, besser gesagt von den Vergoldern bearbeitet. Mindestes einmal hat der Maestro Feldmann dabei seine Finger im Spiel. „Werke zu vergolden kostet genausoviel wie die Schnitzarbeit, nämlich 7000 bis 8000 Euro pro Quadratmeter“, erklärt er. „Ein Zehntel davon ist der Goldwert, also ca. 800 Euro.“ Der Betrieb von Dietmar E. Feldmann hat im Laufe der Jahre über 1 Mio. Blätter Gold verarbeitet. Jedes einzelne Blättchen ist je nach Qualität 100 bis 300 Nanometer dick und kostet je nach Goldpreis um die 2 Euro.

Traditionell oder modern

Vergolden ist ein uraltes Handwerk, aber es gibt auch neuere Techniken. „Wir sind die einzige Firma, die sowohl traditionell als auch modern arbeitet“ sagt Feldmann. Als traditionell wird die aufwendige Poliment- bzw. Ölvergoldung mit ihren bis zu 25 Arbeitschritten, und teils sehr langen Trocknungszeiten dazwischen, bezeichnet. Der Vergoldermeister hat sich jedoch durch jahrzehntelanges Arbeiten mit den früher gebräuchlichen, bleihaltigen Inhaltsstoffen gesundheitliche Probleme eingehandelt. Daher arbeitet er inzwischen auch, wenn es passt, mit der sogenannte Instakoll Klebevergoldung, die etwa vor 40 Jahren als zeitsparendere und unschädliche Alternative entwickelt wurde. Heute existieren auf dem Markt beide Methoden gleichberechtigt nebeneinander. So hat Feldmanns Firma zum Beispiel große Flächen des Hundertwasserturms in seiner Heimatstadt Abensberg sowohl innen als auch im Außenbereich klebevergoldet. Frei nach seinem Lebensmotto
„Ich will´s spannend, nicht zu einfach!“

www.feldmann-restaurierung.de

Hier finden Sie weitere Holzsplitter.


Die Autorin

Melanie Kirchlechner ist gelernte Schreinerin. Sie arbeitet freiberuflich als Restauratorin, Autorin und Dozentin.

www.holz-sinn.de

Herstellerinformation
BM NeuheitenSpezial
Wissen testen – Preis absahnen
Herstellerinformation
BM-Titelstars 2021
Herstellerinformation
BM-Videostars 2021
Herstellerinformation
Im Fokus: Materialmangel
Herstellerinformation
Im Fokus: Vakuumtechnik
Im Fokus: Vernetzte Werkstatt

BM bei Facebook

BM auf Instagram
BM-Themenseite: Innentüren
Im Fokus: Raumakustik
_6006813.jpg
Schallmessung in der Praxis: Michael Fuchs (r.) und Simon Holzer bei raumakustischen Messungen in einem Objekt (Friseursalon Max in Wallersdorf). Foto: Barbara Kohl, Kleine Fotowerkstatt
Alles bio? Nachhaltigkeit im Tischler- und Schreinerhandwerk
Im Fokus: Gestaltung

BM Bestellservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der BM Bestellservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum BM Bestellservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des BM Bestellservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de