Als Schreiner-Azubi im Auslandspraktikum in Nepal

Am Fuße der Achttausender

Den eigenen Horizont zu erweitern, das Interesse an anderen Kulturen und mal im Ausland zu arbeiten – dies war der Antrieb für Anna Schmideder, Schreiner-Azubi im 3. Lehrjahr, sich für ein Auslandspraktikum in Nepal zu bewerben.

Auslöser waren die begeisterten Berichte eines Kollegen, der während seiner Ausbildung zum Schreiner ein dreiwöchiges Praktikum in einer Schreinerei in Polen absolvierte. So etwas wollte Anna Schmideder, Schreiner-Azubi im 3. Lehrjahr, in den Werkstätten des Zoologischen Forschungsinstitutes A. Koenig in Bonn, auch machen. Da sie in ihrem Jahrgang allerdings die einzige Interessentin war, kam das Programm nicht zustande. Doch dadurch ließ sich Anna Schmideder nicht entmutigen und recherchierte auf eigene Faust zu den Möglichkeiten eines Auslandseinsatzes für junge Handwerker.

Dabei stieß sie auf die Webseite der Initiative für junge Handwerker in der Entwicklungszusammenarbeit und entschied sich nach einigen Telefonaten und einem Treffen mit einem Ansprechpartner eines der Partnervereine der Initiative für einen Arbeitseinsatz in Nepal mit der Organisation „easyGo – easyCome“. Diese fördert normalerweise Auslandspraktika für Lehrer und Lehramtsanwärter. Doch durch die schweren Erdbeben in Nepal im Jahr 2015 waren viele Partnerschulen zerstört worden, sodass die Organisation begann, auch junge Handwerker ins Programm aufzunehmen.
Eintauchen in eine andere Welt
Nun galt es nur noch das Einverständnis des Arbeitgebers einzuholen, die notwendigen Impfungen durchzuführen, den Flug zu buchen und los gings am 1. Juli 2016 vom Flughafen Köln-Bonn aus, über Istanbul nach Kathmandu. Nach Klärung der Visaformalitäten am dortigen Flughafen ging es, begleitet vom Sohn der Gastfamilie, mit dem Taxi ins etwa 20 km entfernte Kharipati, dem Einsatzort von Anna Schmidmeier.
Dort war sie im Haushalt des Gastvaters Raj, seiner Frau Manju und den beiden Kinder Rajip und Rajshree untergebracht. Ebenso im Haus wohnten die Mutter und die Schwester von Raj sowie zeitweise die Tochter der Schwester und deren Baby. „Die Familie hat in Nepal einen sehr hohen Stellenwert,“ erzählt Anna Schmideder, „jeder kümmert sich umjeden und der männliche Vertreter hat für die Versorgung zu sorgen.“
Da sich die Schulen, in denen noch Hilfe nötig gewesen wäre, zu weit weg für die kurze Aufenthaltsdauer befanden und wegen des Monsuns nur schwer zu erreichen gewesen wären, hatte Anna Schmideder die Möglichkeit, ein eigenes Projekt zu planen und sogar bis zum Ende durchführen zu können. In den ehemaligen Garagenräumen des Hauses der Gasteltern sollte ein Konferenzraum entstehen, der zur Weiterbildung von Frauen und Analphabeten, aber auch für Englisch- bzw. Deutschkurse für Interessierte durch andere Volontäre des Programms genutzt werden kann.
Anfang mit Hindernissen
„Dafür musste ich aber erst warten bis mein Gastvater mit dem Reisanbau fertig war,“ berichtet Anna Schmideder, „da der Raum erst einmal leergeräumt werden musste.“ Doch dann ging’s zügig: Eine Wand wurde eingerissen, die Wände neu gestrichen und alles ordentlich geputzt. „Davor erstellte ich nach dem Aufmaß schon einen Grundrissplan, so konnte Material bestellt und eingekauft werden.“ Und dann ging es los mit dem Schreinern: Alles war etwas improvisiert, für die Zuschnitte stand eine Handkreissäge bereit. Der HPL-Schichtstoff wurde zusätzlich mit Backsteinen aufgepresst, da nur zwei Schraubzwingen zur Verfügung standen. Da keine Dübel oder Formfedern zur Verfügung standen, wurden die Korpusteile sichtbar verschraubt – und das in mühsamer Handarbeit, da kein passender Bit für die Schlitzsenkkopfschrauben im Gepäck war. Passende Bits konnte man im Umkreis aber nur mit einem Akkuschrauber zusammen kaufen! „Außerdem war gute Planung vonnöten,“ so die angehende Schreinerin, „da der Strom für die Handkreissäge nicht immer zur Verfügung stand. In Nepal gibt es einen Stromplan, da dieser zeitweise, um zu sparen, abgeschaltet wird.“
Nachdem der Linoleum-Boden verlegt war, die Wände mit Whiteboards, einer Pinnwand und einer Uhr bestückt waren, konnten die angefertigten Schränke, Regale und Besprechungstische platziert werden. „Dazwischen hängen schöne Bilder aus der Umgebung von Bhaktapur und des Himalayas, die ich mit einem Nachbarsjungen angebracht habe – er wollte unbedingt meinen Akkuschrauber benutzten,“ berichtet Anna Schmideder. „Während der ganzen Bauzeit arbeitete ich eigenverantwortlich und leitete meinen fleißigen Helfer aus der Buchhaltung an. Er übte sich in Englisch und erzählte mir viel über Nepal, während ich ihm etwas von meinem Fachwissen, aber natürlich auch allgemein über die deutsche Kultur mitteilen durfte. Dies war in meinen Augen eine sehr bereichernde und gelungene Zusammenarbeit.“
Tolle Natur – freundliche Menschen
Neben der Arbeit hatte Anna Schmideder natürlich auch die Chance Land und Leute kennenzulernen. So bei Busfahrten in die nächstgelegene, größere Stadt Bhaktapur: „Die Busfahrten waren immer ein Abenteuer und die Menschen sehr neugierig, was diese „riesige Ausländerin“ denn in Nepal mache, wo ich herkomme, wie viele Geschwister ich habe und ob ich alleine reise,“ berichtet sie. Als Beifahrerin auf dem Motorrad des Gastvaters ging es auch mal es zu seinem Bauprojekt im wunderschönen Hinterland von Kharipati, zu Aussichtsplätzen, von denen an guten Tagen das Himalaya-Massiv zu erkennen ist, nach Kathmandu oder einfach nur ins Dorf oder zum Einkaufen.
„Ich würde jedem empfehlen, der die Chance bekommt, eine Zeit ins Ausland zu gehen, diese zu nutzten,“ resümmiert Anna Schmideder. „Man lernt neu zu schätzen, was wir hier haben – aber natürlich auch um neue Erfahrungen, Kulturen, Erlebnisse, Gerüche, Essen und die Art zu leben zu erfahren. (hf/Quelle: Anna Schmideder)

Herstellerinformation

Ligna 2019: Werde BM-Titelstar!

Herstellerinformation

Wissen testen – Preis absahnen

Herstellerinformation

Ligna 2019: BM-Messewegweiser

LIGNA - Weltleitmesse für Maschinen, Anlagen und Werkzeuge zur Holzbe- und verarbeitung

Herstellerinformation

BM-Themenseite: Innentüren

Im Fokus: Vernetzte Werkstatt

BM bei Facebook

Alles bio? Nachhaltigkeit im Tischler- und Schreinerhandwerk

Im Fokus: Gestaltung

Herstellerinformation


BM Bestellservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der BM Bestellservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum BM Bestellservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des BM Bestellservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de