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Auf dem Holzweg

Werkstattbesuch beim Drechsler und Holzgestalter Peter Hromek
Auf dem Holzweg

Ihre Formen erinnern an pflanzliche Strukturen, manche an noch ruhende Samenkapseln, andere an gerade aufkeimende Sprösslinge oder an reife, pralle Fruchtkörper. Alle entstammen sie der kreativen Gedankenwelt von Peter Hromek und haben ihn in den vergangenen Jahrzehnten zu einem international gefragten Holzkünstler gemacht.

BM-Redakteur Heinz Fink

Leichtbeinig steht es da, das filigrane, hölzerne Objekt. Aus seinen dünnen, sich nach oben organisch verdickenden Beinen erwachsen Blütenkelchen ähnliche Strukturen, die sich sanft zueinander neigen und zu einem dreiteiligen, nach oben offenen Becher vereinen, dessen Ränder sich nach außen wölben. Ein anderes, an einen gereiften Fruchtbecher erinnerndes Gefäß, entwickelt sich aus seiner voluminösen Basis zu drei ebenfalls üppigen Formen, die nach oben in zarte, sich öffnende Lippen auslaufen. Kaum einem der sensibel gestalteten Objekte ist dabei ihr drehrunder Ursprung auf der Drechselbank noch anzusehen. Denn die über mehrere Achsen aufgespannten und präzise vorgedrechselten Holzrohlinge werden anschließend noch aufwendig von Hand in ihre endgültige Form gebracht. Ihre individuelle Formensprache hat Peter Hromek aus dem hessischen Sinntal in den letzten 35 Jahren zu einem international renommierten Holzkünstler und gefragten Drechseldozenten gemacht.

Vom Metall zum Holz

1947 geboren und aufgewachsen in Gablonz (Tschechoslowakei), erlernte Peter Hromek nach der Schule das Feinmechaniker-Handwerk. Im Alter von knapp 22 Jahren übersiedelte er 1969 nach Deutschland und fand – gut ausgebildete Facharbeiter waren auch damals schon gesucht – schnell Arbeit in einer Metallschleiferei in Frankfurt. Es folgten weitere Stellen als Montagearbeiter und Feinmechaniker für Messgeräte, bis es ihn in die Ferne zog und er als Straßenmusiker Europa ein Jahr von Skandinavien bis zum Mittelmeer bereiste.

Nach Frankfurt zurückgekehrt, bildete sich Peter Hromek in einem zweijährigen Studium zum Maschinenbautechniker fort und absolvierte gleich noch das Abitur. Angespornt durch einen Musikerfreund, brachte er sich Mitte der 1970er-Jahre autodidaktisch den Gitarrenbau bei und konnte sein erstes Instrument gleich über einen Frankfurter Gitarrenladen verkaufen. Weitere Aufträge folgten und seine Instrumente fanden regen Anklang in der damals lebendigen Musikerszene der Mainmetropole. Dies sicherte ihm für gut zehn Jahre den Lebensunterhalt und mündete 1985 sogar in der Veröffentlichung eines Fachbuches im legendären 2001-Versand mit dem Titel „Gitarre selbst gebaut“.

Vom Tonholz zum Drechselholz

Mitte der 1980er-Jahre entdeckte Peter Hromek das Drechseln für sich, das er sich ebenfalls selbst beibrachte. Auch hier entstanden, sicherlich auch begünstigt durch seine Erfahrung in der Metalldreherei, bald brauch- und verkaufbare Produkte. Durch seinen autodidaktischen Ansatz und seine Neugierde für neue Formen entstanden im Laufe der Jahre neben Schalen, Vasen und Dosen auch zunehmend komplexere, über mehrere Achsen gedrehte Formen mit denen er in zahlreichen Ausstellungen überregional Anerkennung fand. Inzwischen Mitglied im Landesverband Kunsthandwerk Hessen erhielt Peter Hromek in den folgenden Jahren zahlreiche nationale und internationale Gestaltungs- und Kulturpreise und wurde weltweit zu Ausstellungen und Symposien eingeladen – darunter in die renommierte Del Mano Gallery in Los Angeles.

Komplexer Entstehungsprozess

Den freien, skulpturartigen Arbeiten von Peter Hromek sieht man in fertigem Zustand oftmals ihre ursprünglich auf der Drechselbank entstandene Form nicht mehr an. Besonders bei seinen plastischen, oft über mehrere Achsen gedrehten Objekten erfolgt nach dem Drechseln der äußeren Form und dem Aushöhlen mittels selbst gefertigter Drehwerkzeuge, die weitere grobe Materialabnahme mit einer speziellen Frässcheibe (Arbortech) im Winkelschleifer. Nach einem groben Vorschliff werden die oft dünn auslaufenden Öffnungen ausgearbeitet und die Gefäße fein geschliffen. In diesem Zustand können sie mit einer entgültigen Wandstärke von 5 bis 6 mm ohne Rissgefahr noch einige Zeit trocknen, bevor sie mit Öl behandelt werden.

Angewandte Arbeiten

Neben seinen freien, künstlerischen Arbeiten fertigt Peter Hromek seit über 25 Jahren auch individuelle, von ihm entworfene Salz- und Pfeffermühlen in den unterschiedlichsten heimischen und exotischen Holzarten. Organisch geformt, lassen sie sich durch Abziehen des markant geformten Kopfes von oben befüllen. Die Mahlwerke aus Stahl, deren Mahlgrad sich leicht von unten mittels einer Schraube einstellen lässt, stellt Peter Hromek in seiner gut ausgestatteten Metallwerkstatt ebenfalls selbst her – 100 % made in Sinntal!

Das jüngste Produkt aus Peter Hromeks Werkstatt ist eine edle, zusammen mit seiner Frau Ellen Hoffmann-Hromek entwickelte Gewürzmühle. Wie er auch leidenschaftliche Köchin und Liebhaberin von exotischen Gewürzen, wünschte sie sich eine Mühle zum Mahlen von groben Gewürzen wie Tasmanischem Pfeffer, Langpfeffer, Piment, Kardamomschoten, Sternanis oder Zimt. Bestückt mit einem speziellen Hromek-Mahlwerk und einer Kurbel aus Edelstahl, lassen sich auch die Gewürzmühlen von oben befüllen und von unten bequem einstellen – eine aufgesteckte Auffangtasse sammelt dabei das Mahlgut.

Neben seinen freien und gebundenen Drechselarbeiten ist Peter Hromek seit Jahren ein gefragter Dozent und Lehrer im In- und Ausland, wo er sein Wissen auf Symposien und während Vorführungen in Deutschland, Irland, Belgien und Tschechien gerne an Interessierte weitergibt.

www.salzundpfeffermuehlen.de

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