Paul Reisberg baut nachhaltige Surfbretter aus Holz. Auf zum Wellenritt - BM online

Paul Reisberg baut nachhaltige Surfbretter aus Holz

Auf zum Wellenritt

Beim Gedanken an die rauen Wellen, die an der Küste Cornwalls auftreffen, schlägt das Herz eines jeden Surfers höher. Nahe dem Hotspot Newquay lebt und arbeitet Paul Reisberg, passionierter Surfer und Shaper von Surfbrettern aus Holz.

Anna-Katharina Ledwa

Er ist gerade mit seiner Freundin und dem gemeinsamen Baby auf Rundreise in Deutschland, um Freunde und Familie zu besuchen, als ich ihn bei seinen Eltern zu einem Gespräch treffe. Sozusagen eine seltene Gelegenheit, denn Paul Reisberg lebt schon seit
zwölf Jahren in Großbritannien. In Cornwall, im Südwesten der Insel, hat er alles, was er braucht: eine eigene kleine Werkstatt und die Wellen des Atlantiks. Seit er 15 ist, geht er regelmäßig surfen. Früher in den Schulferien, heute wann immer sich die Gelegenheit dazu ergibt. „Drei Boards habe ich immer im Bus.“ Je nach Stimmung, Wellengang und Fitness sucht er sich dann das passende aus.

Vom Hörsaal an die Hobelbank

Doch dass er Surfboard-Shaper wurde, war mehr oder weniger Zufall. Nach einem Jahr im Lehramtsstudium in Bremen war ihm klar: Das ist es nicht! „In so einem Studium geht wahnsinnig viel Zeit verloren,“ erklärt Paul seinen Ausstieg. „Und dann ermunterten mich viele Freunde und Bekannte: Lern ein Handwerk, da hast du was in der Hand! Deine Arbeitsleistung kannst du kurzfristig zu Geld machen.“ Gesagt, getan. Eine Lehrstelle in einer Sylter Tischlerei war ihm schon sicher. Doch durch Zufall wurde er auf den Surfspot Wales aufmerksam und hat dort ein College aufgetan, an dem Bootsbau gelehrt wird. „Bootsbau fand ich schon immer spannend – vor allem den reinen Holzbootsbau.“

Also ab nach Wales zu zwei Jahren schulischer Intensivausbildung im Holzbootsbau. Freiberuflich an Bootsprojekten mitarbeiten und nebenbei eigene Surfboards bauen, so sah die Zeit nach dem College aus. Surfboards für den Eigenbedarf, just for fun und ohne den Gedanken an einen kommerziellen Erfolg.

Durch eine Kooperation kam der erste Workshop im Surfbrettbau zustande. Teilnehmer konnten sich ihr Board unter professioneller Anleitung selbst fertigen. „Danach lief dann alles wie von selbst,“ erzählt Paul, „die Leute haben mitbekommen, was wir gemacht haben und was ich mache. Ich bekomme bis heute internationale Anfragen zu meinen Workshops.“ Und diese Workshops finden nicht nur in seinem Studio statt, sondern auch in anderen Ländern.

Der Weg zum eigenen Board

Zum Beispiel mitten in St. Pauli in einer alten Lagerhalle. Zur Vorbereitung auf den Workshop haben die Teilnehmer per Mail Kontakt zu Paul. Jedem wird sein persönliches Board als 3D-Modell am PC entworfen und zugeschickt. Alles auf der Basis einiger Angaben, die er im Vorhinein abfragt. „Wie lange surfst du schon? Wie groß und schwer bist du? Welche Bretter gefallen dir? Hast du schon
ein Board?“ Material und Werkzeug wird von Arbo Surfboards gestellt. Alles inklusive – und alles persönlich von Paul im eigenen Bulli zum Workshop-Standort transportiert.

Nach drei Workshoptagen gehen die Teilnehmer mit einem Board nach Hause, dessen Aussehen Paul bewusst auf die Funktion reduziert hat. „Kein Oberflächendesign, keine überflüssigen Details, keine Farblackierung. Man muss das Brett als solches betrachten können und nicht als Designerstück, das zu schade zum Benutzen ist,“ betont der junge Shaper.

Gefragtes Know-how

Heute kann Paul Reisberg sich voll auf sein Unternehmen Arbo Surfboards konzentrieren und braucht nebenbei keine Bootsprojekte mehr zu stemmen, denn mit seinen Brettern hat er einen Nerv getroffen und ist erfolgreich. „Die Arbeit mit Holz ist einzigartig: Es fühlt sich gut an, es riecht gut, es sieht gut aus, es ist nachhaltig und nicht giftig.“ Die Preise seiner Boards richten sich nach der Länge. „Ich baue natürlich auch Bretter auf Anfrage. Doch zu 80 % meiner Arbeitszeit gebe ich Workshops,“ ergänzt Paul. „Ich könnte sogar mehr machen, wenn ich wollte. Aber ich arbeite bewusst allein und das soll auch so bleiben. Je größer eine Unternehmung wird, desto mehr rücken Managementtätigkeiten in den Vordergrund. Das möchte ich nicht,“ so Paul. Er will die Nähe zu seinen Boards behalten und den Überblick nicht verlieren. So lehnt er es ebenfalls bewusst ab, seine Boards über Shops zu vertreiben. „Diese Anonymität passt nicht zu meiner Authentizität.“

Leidenschaft: Holz

Der Name Arbo – Esperanto für Baum – unterstreicht seinen Materialfokus. Traditionelle Shaper bauen die Boards aus PU-Schaumkernen. Über Jahrzehnte hat sich diese Version etabliert. Paul zeigt, dass es auch anders geht. Dem Holzboard lastet noch immer das Vorurteil des Schweren und Klobigen an. Doch: „Das ist absolut nicht der Fall und das möchte ich den Leuten klarmachen,“ betont er.

Wie zum Beweis drückt er mir ein Brett in die Hand: Tatsächlich, es ist federleicht! Wenn man es nur sieht, erwartet man etwas anderes. Paul Reisberg erklärt, dass es beim Surfen nicht auf das Material der Boards ankommt, sondern auf den Shape. Shape, Form, ist das, was zählt. Damit wird das Verhalten des Bretts im Wasser bestimmt: Wie bewegt es sich über die Oberfläche, wie schnell kann es werden, wie einfach oder schwierig ist es unter Kontrolle zu halten.

Dafür verantwortlich sind mehrere Komponenten des Boards: die Ausführung der Rails, der Tail, die Nose und die Rockerline. Im Innern der Bretter liegt ein Gerippe aus Pappelsperrholz, darüber eine Haut aus etwa 6 mm starkem, extrem leichtem Paulownia-Holz. Hin und wieder wird ein Brett zusätzlich noch furniert. Zum Schluss wird alles mit Glasfaser beschichtet. Das ist die Versiegelung, die das Surfboard wasserfest macht. Arbo Surfboards tragen zudem das Eco-boards-Label. Nur nachhaltige Surfboards, die bestimmte Materialien verwenden, werden mit diesem Siegel ausgezeichnet.

Markenbildung

Mit Arbo Surfboards hat Paul Reisberg einen Brand, eine Marke, erschaffen, die sich voll auf das Brett als Sportgerät fixiert und der es gleichzeitig wichtig ist, nachhaltig zu sein. Bei seinen Boards steht nicht die Wirkung des Holzes im Vordergrund, sondern das Surfbrett an sich. Als Gebrauchsgegenstand. Gerade ist die Kooperation mit einem traditionellen Shaper gestartet: ein Board für einen Profi-Surfer. Das heißt zum einen, traditioneller Shape und zum anderen, Pauls Bauweise aus Holz. „Das ist natürlich auch gute Publicity für uns,“ strahlt er.

In Zukunft möchte er doch ein wenig mit Farbe und Gestaltung experimentieren. So lässt er aktuell ein Board von einem Künstler aus der Streetart- und Punkszene designen. Und mit Gold und Intarsien hat er für spezielle Kunden auch schon mal gearbeitet. „Ganz ohne Deko geht es dann wohl doch nicht,“ grinst er. Aber bitte mit Stil. Surfkitsch gibt es schließlich überall.

Paul Reisberg träumt davon, dass der Name Arbo Surfboards irgendwann automatisch mit Surfboards aus Holz in Verbindung gebracht wird. Er ist schon auf einem sehr guten Weg dorthin!

www.arbosurfboards.com


Die Autorin

Anna-Katharina Ledwa ist Tischlerin und Projektgestalterin (HWK), arbeitet als Gesellin in der AV und entwickelt nebenberuflich eigene Produkte.

www.annaledwa.de

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