Werkstattbesuch beim Trommelbauer Boris Ritscher

Aus Alt wird Neu

Sie sind aus massiven Hölzern wie Ahorn, Hainbuche, Kirsch-, Apfel- oder Nussbaum gefertigt – manchmal auch aus exotischen Holzarten wie Afzelia, Mahagoni oder Wenge. Am liebsten jedoch baut Boris Ritscher seine Midmill Drums aus den Eichedauben alter Weinfässer, die er von Winzern aus der Umgebung erhält.

BM-Redakteur Heinz Fink

Fahl fällt das Licht der langsam über den Dächern der Nachbargebäude aufsteigenden Sonne durch die hohen, in kleine Rechtecke unterteilten Industriefenster. In der sich zunehmend erwärmenden Luft tanzen Millionen von feinen Partikeln. Der Geruch von abgelagertem, bis unter die Decke der fast fünf Meter hohen Halle in Regalen gestapeltem Holz durchzieht den Raum. Sobald sich das Auge an das diffuse Licht gewöhnt hat, sind in der Tiefe des Raumes schwarze, gusseiserne Maschinen zu erkennen: Kreissäge, Abrichte, Dickte, Bandsäge … alles Maschinen aus der Frühzeit der maschinellen Holzbearbeitung, schwer und solide gebaut. Und mittendarin eine mannshohe stählerne Konstruktion, die eher an die frühen, kinetischen Metallskulpturen des Schweizer Künstlers Jean Tinguely erinnert als an eine Maschine zur Bearbeitung von Holz. Eine scheinbar wild zusammengefügte Konstruktion aus Trägern, Schwungrädern, zahllosen Rollen und Keilriemen. Doch der Schein trügt, denn auf dieser selbst gebauten Maschine entstehen in Osthofen bei Worms unter dem Markennamen Midmill Drums die international gefragten Schlagzeuge in Massivbauweise von Boris Ritscher.

Leidenschaftlicher Upcycler

Zum Trommelbau kam Boris Ritscher, der seit früher Jugend aktiv Schlagzeug spielt, eher zufällig. Im Hauptberuf als Abwassermeister in einem Klärwerk beschäftigt, hatte der 48-jährige Rheinhesse schon immer ein Faible für alte Dinge – was sich auch in seinem liebevoll zum Wohn- und Reisemobil umgebauten Hanomag-Lkw AL 28, Baujahr 1963, zeigt.

Erste Erfahrungen im Umgang mit der Bearbeitung von Holz sammelte er bei der Aufarbeitung alter Möbel und schließlich beim Bau eines großen Esstisches aus Kirschbaum für die eigene Loftwohnung. Dabei wurde ihm auch schnell klar, nur mit Stichsäge, Akkuschrauber und Schwingschleifer ist ein solches Projekt nicht zu stemmen – vernünftige Maschinen mussten her! Glücklicherweise wurde gerade eine schon lange stillgelegte Schreinerei im Ort aufgelöst und Boris Ritscher konnte die teils noch aus den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts stammenden schweren Maschinen erwerben.

Erstes Drumset für den Eigenbedarf

Sein Faible für das Aufarbeiten und den Erhalt schöner alter Dinge, wie Möbel oder Werkzeuge, und die Idee, genutzten Materialien ein neues Leben einzuhauchen, brachten Boris Ritscher, verbunden mit seiner Leidenschaft fürs Schlagzeugspielen, schließlich vor einigen Jahren dazu, sich selbst ein Drumset zu bauen. Schlagzeugkessel bestehen in der Regel aus zu Zylindern schichtverleimten Furnieren. Eine andere Möglichkeit ist die sogenannte Stave-Bauweise, bei der beidseitig schräg auf Gehrung gesägte Massivholzleisten gleich einem Fass zu einem Ring verleimt werden. Was lag da näher für jemanden, der in einer Weingegend aufgewachsen ist, als die Fassdauben ausgedienter Fässer als Rohmaterial zu verwenden?

Doch nicht nur er selbst war überzeugt vom tollen Sound seiner Recycling-Instrumente, auch Schlagzeugkollegen aus der Szene waren begeistert. Da dauerte es nicht mehr lange bis zur Gründung von Midmill Drums im Jahr 2013. Seither baut er etwa vier bis fünf komplette Drumsets im Jahr, dazu einzelne Snaredrums und Trommeln, und repariert bzw. restauriert die Schlagzeuge seiner Kunden.

Edle Tropfen – feines Holz

Das Rohmaterial für seine Trommeln erhält Boris Ritscher von den zahlreichen Winzern im Umland, darunter ausgediente 6000-Liter-Rotweinfässer mit zentimeterstarken und gut zweieinhalb Meter langen Fassdauben, aber auch mal ein kleineres Whiskyfass. Besonders schätzt er dabei den Geruch und die spezielle Verfärbung der Hölzer durch deren vorherigen Inhalt – als überzeugter Rhein-Hesse aber natürlich auch deren lokale Herkunft.

Nicht nur Fassdauben werden unter den Händen von Boris Ritscher zu wohlklingenden Instrumenten, auch eine Überseepalette aus Meranti hat er schon in ein Drumset verwandelt – inklusive aller Verfärbungen durch die eingeschlagenen Nägel. Neben diesen Fundstücken werden bei Midmill Drums auch einheimische Hölzer wie Kirsche, Apfel-, Birn- und Nussbaum, aber auch Ahorn und Weißbuche sowie Exoten wie Wenge oder Afzelia verarbeitet. Die Oberfläche behandelt er am liebsten mit Öl, das er anschließend noch wachst. Bei gebeizten Sets kommt auch mal ein hochglänzender 2K-Lack zum Einsatz. Die Hardware, das heißt die Spannringe, Schrauben und Felle, bezieht er dabei im Fachhandel.

Individuell gestaltet

Mit seinem Wissen hält Boris Ritscher aber nicht hinter dem Berg: Zwei- bis dreimal im Jahr bietet er für maximal fünf Personen zweitägige Kurse zum Bau einer Snaredrum an.

Sein aktuelles Projekt jedoch ist ein komplettes Drumset – Snare, Stand- und Hängetoms und Bassdrum – aus Weißbuche, das blau gebeizt und anschließend hochglanzlackiert werden soll. Doch da werden noch einige Wochen ins beschauliche Weinland Wonnegau gehen, bis Boris Ritscher auf die fertigen Kessel die Metallplaketten mit dem Logo seiner Midmill Drums schrauben kann.

www.midmill-drums.de

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