Besuch beim Altholzverwerter Florian Eckart. Der Altholzjäger - BM online
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Der Altholzjäger

Besuch beim Altholzverwerter Florian Eckart
Der Altholzjäger

Uralte Dachstühle gibt es zuhauf im ganzen Land. Darin schlummern ungeahnte Schätze: wertvolles Altholz, das möglichst wohlbehalten geborgen werden will. Eine delikates Unterfangen, auf das sich kaum einer so gut versteht wie der Altholzjäger und -sammler Florian Eckart.

Melanie Kirchlechner

Die Szene hat etwas Martialisches: ein kräftiger junger Mann mit Ohrschützern, Gegensprechanlage und einer Fernbedienung bewaffnet steht auf dem Führerhaus eines
Lkws und bringt den Dachstuhl eines 120 Jahre alten Bauernhauses zum Einstürzen. Doch der Schein trügt: Florian Eckart, der Altholzjäger, geht ganz behutsam zu Werke. Mit einem umgebauten Kran zieht er vorsichtig bis zu 14 m lange Hölzer aus dem Gebälk, ohne sie zu quetschen oder sonst wie zu beschädigen. „Das ist wie beim Zahnarzt, zuerst lockern und dann ganz vorsichtig rausziehen“, meint er verschmitzt.

Der Beginn einer Leidenschaft

Florian Eckart wurde als Ältester von vier Kindern auf einem Bergbauernhof geboren. Schon früh lernte er zu improvisieren, denn auf dem elterlichen Hof wurde eher etwas mit einem „Stückerl“ Draht repariert, als dass man sich fremde Hilfe geholt hätte. Da er für Maschinen schon in jungen Jahren eine Leidenschaft entwickelte, belohnte er sich nach seiner Schreinerlehre mit einer eigenen Oberfräse. Altes Handwerk neu zu entdecken und weiterzuentwickeln ist von Anfang an seine Devise. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass er später auf der Meisterschule ernüchtert feststellt, „dass moderne Möbel nicht so mein Ding sind“. Über ein Jahrzehnt arbeitet er bei einem Schreiner, der gerne ungewöhnliche, nahezu unrealisierbare Aufträge annimmt und sie seinem jungen, findigen Meister übergibt mit den Worten: „Das machst du schon!“

Der Jäger

Mit 29 Jahren macht sich Florian Eckart dann selbstständig und verdient zunächst sein Brot mit gängigen Schreinerarbeiten. Daneben bewerkstelligt er erste Hausabrisse im Alleingang. „ Aber da brauchst du ständig einen Orthopäden …“, resumiert er und so wächst sein Betrieb schnell auf drei Angestellte, um der steigenden Nachfrage nach altem Holz gerecht zu werden. Der Trend, sich mit dem Charme von altem Holz zu umgeben, ist ungebrochen. Otto und Anna Normalverbraucher möchten auch so urig eingerichtet sein. Innerhalb von zehn Jahren wächst der Betrieb aufgrund der hohen Nachfrage auf zehn Mitarbeiter und sechs Hallen.

Der Sammler

Bis zu 300 alte Häuser werden Florian Eckart im Jahr angeboten, aber „nur“ etwa 50 davon kann er eigenhändig zu Fall bringen. Nichtjedes antike Holzgebäude eignet sich zum Bergen seines alten Holzes. Materialgüte des Holzschatzes und der Arbeitsaufwand beim Bergen müssen immer in einem sinnvollen Verhältnis stehen. Die Vorgehensweise beim Abbruch ist meist dieselbe: Nachdem das Dach abgedeckt ist, werden die Holzböden von Hand ausgebaut. Dazu hat Florian Eckart in der Regel zwei Angestellte dabei, die er über mehrere Jahre lang angelernt hat. Denn Sorgfalt ist bei dieser grob erscheinenden Arbeit oberstes Gebot: Das teils morsche Holz soll so unbeschädigt wie möglich geborgen werden. Im vorliegenden Fall, dem alten Bauernhaus aus dem Fränkischen, bringen die Fußböden allein 8 m3.

Als Nächstes werden die Sparren von oben nach unten mit dem Kran herausgezogen. Kleinteile müssen dazwischen immer wieder von Hand aufgesammelt werden. Ist der Dachstuhl geborgen, ragt der uralte, gemauerte Kamin noch einsam aus dem Dach. Florian Eckart trägt ihn erst jetzt Stück für Stück mit dem Kran ab, möglichst so, dass kein darunter liegendes Holz beschädigt wird.

Der Tüftler

Seit 20 bis 25 Jahren gibt es Altholzhändler, die meisten im Alpenraum. Dabei sind die Oberösterreicher besonders aktiv, aber so schöne lange Balken wie Florian Eckart hat keiner auf Lager. Hier trägt sein Hang zu ausgefuchsten Maschinen Früchte: ständig tüftelt er an ihnen herum. So ist bei ihm ein umgebauter Vierseiter aus den 1970-iger-Jahren im Einsatz, der nicht nur die heute üblichen 20 cm sondern 60 cm breite Bretter bearbeiten kann. Große Breiten sind bei Altholz ebenso gefragt wie große Längen. „Das Beste aber ist meine Maschine, die Balken – halb CNC-gesteuert – in U-Schalen aushöhlt“, meint er selbstbewusst. Die U-Balken sind so gefragt, weil sich damit moderne Technik stilgerecht verstecken lässt.

Das Holz

Vor allem Fichtenholz in Form von Fußbodenbrettern und Dachsparren bergen Florian Eckart und seine Mitarbeiter aus den uralten Häusern. Das Holz wurde früher aufgrund fehlender technischer Möglichkeiten grundsätzlich von Hand bearbeitet, denn erst um 1900 kamen die ersten Sägewerke auf. Zehn bis 15 Jahre wird es diese besonders lebendige Qualität noch geben, dann sind alle uralten Schätze gehoben. Was der Markt danach verlangt, weiß auch der Altholzsammler nicht zu sagen. „Vermutlich gibt es dann halt nur mehr maschinell gesägte Bretter“, spekuliert er. Äußerst gefragtes Eichenholz muss auch der findige Jäger in Kroatien abbauen, da es hierzulande fast nur in Fachwerkhäusern verbaut wurde, die aufgrund der vielen Holzverbindungen nur ganz kurze Stücke abwerfen.

Die Farben

Altholz gibt es in vielen natürlich entstandenen Farbschattierungen. So macht es einen Unterschied, ob das Holz innen jahrzehntelang mit Viehhaltung oder Rauchöfen in Berührung kam oder außen mit Wind, Wetter und vor allem der Sonne. „Sonnenverbrannt“ nennt Florian Eckart solch natürlich gealtertes Holz in seinem sinnlichen Katalog mit echten Holzproben, die die Haptik des wertvollen Materials direkt vermitteln.

Die Kunden

Die Kunden von Altholz Bayern sind sowohl Privatleute als auch Architekten und Handwerker, die für den Denkmalschutz arbeiten. Florian Eckart versucht alle realistischen Kundenwünsche zu erfüllen, frei nach dem Motto: „Vergraul nicht einen, der nur ein einziges Brettl braucht. Denn der kennt vielleicht einen, der 300 m2 Holz kaufen möchte.“ Dennoch braucht man für das Verkaufen von Altholz viel Fingerspitzengefühl. „Das ist wie beim Metzger – die Kunden kaufen nicht einen ganze Sau, sondern wollen meist nur Filetstückerl. Es braucht auch Kunden, die dir die Streichwurst abnehmen“, erläutert Florian Eckart.

Die Zukunft, das Ziel

Nach seinen Zukunftswünschen gefragt, möchte der Altholzjäger seinen Betrieb logistisch auf Vordermann bringen und die vielen Lagerstätten in einer großen Halle vereinen. Nach längerem Sinnieren relativiert er diesen Wunsch, denn das Wichtigste, sein Antrieb, die immense Arbeit auf sich zu nehmen, fasst er in einem Satz zusammen: „Wenn Kunden glücklich und überzeugt sind, bei mir einen Schatz gehoben zu haben, macht mich das auch glücklich“.

www.altholz-bayern.de


Die Autorin

Melanie Kirchlechner ist gelernte Schreinerin. Sie arbeitet freiberuflich als Restauratorin, Autorin und Dozentin.

www.holz-sinn.de

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