Besuch beim Holzsäger Patrick Herrmann. Der Holzernter - BM online
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Der Holzernter

Besuch beim Holzsäger Patrick Herrmann
Der Holzernter

Ob er in schwindelerregender Höhe klettert oder unten auf dem Boden Stämme im XXL-Format bezwingt – der Baumkletterer und Holzsäger Patrick Herrmann sucht die Herausforderung. Dafür werden er und seine Kunden durch Holzunikate belohnt, die es nicht mal schnell eben um die Ecke zu kaufen gibt.

BM-Redakteur Heinz Fink

Schrill erklingt der Ton des Zweitaktmotors über den weiten Talkessel. Immer wieder läuft er zu Höchsttouren auf, um kurz darauf in gleichmäßigem Leerlaufton ruhig dahinzuknattern. Unterbrochen nur durch kurze Warnrufe und das dumpfe Aufschlagen schwerer Gegenstände auf dem weichen Boden. Suchend tastet das Auge den Baumbestand ab und findet sogleich den Verursacher: Bekleidet mit weithin leuchtender Schutzausrüstung und durch zahlreiche Seile gesichert, bewegt sich die Figur behände durch die gelichtete Krone eines alten Nussbaums am Rande des Wohngebietes, sichert ihren Stand und setzt um ein weiteres Mal die handliche, am Klettergeschirr befestigte Kettensäge zum Schnitt an. Der gut 80 Jahre alte Nussbaum muss weichen, da er durch seine nachlassende Standfestigkeit zur Gefahr für die nahestehenden Wohnhäuser wurde. In solchen Fällen ist das Know-how von Patrick Herrmann gefragt, der den Baum fachgerecht fällt und beseitigt. Als Beifang gehen ihm dabei regelmäßig Stämme großen Durchmessers ins Netz, deren Holz er aufbereitet und als Unikate anbietet.

Alte Leidenschaft

Aufgewachsen in der Nähe von Nürnberg in einem landwirtschaftlichen Umfeld, ist Patrick Herrmann das Anpacken und die Arbeit mit den Händen seit früher Jugend gewohnt. Sein beruflicher Weg führte ihn nach dem Abitur jedoch erstmal in eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann. Während seines anschließenden BWL-Studiums besuchte er die Messe Holz Handwerk in Nürnberg und wurde am Stand der Rosenheimer Hochschule auf den dort angebotenen Studiengang Holzwirtschaft aufmerksam. Begeistert von der Alternative wechselte er nach dem Vordiplom nach Rosenheim und setzte dort sein Studium fort.

Mit dem beruflichen Ziel vor Augen, in den Holzhandel einzusteigen, absolvierte Patrick Herrmann als Holzwirtschaftler zusammen mit den Holzingenieuren zahlreiche Werkstatt- und Maschinenkurse. Aus einem vorgeschriebenen Praxissemester bei einem Treppenbaubetrieb in Finnland wurde ein ganzes Jahr – seine abschließende Diplomarbeit schrieb er 2000 für einen Treppenhändler in München, der auch Kunde der Finnen war.

Studium und was dann?

Während einer Reise nach Brasilien nach dem Studium erfasste Patrick Herrmann die Begeisterung für das riesige Land. Er lernte fleißig Portugiesisch und wollte dorthin auswandern – doch daraus wurde nichts. Durch seine neuen Sprachkenntnisse ergab sich jedoch eine Stelle an der portugiesischen Außenhandelskammer. Aus vier Monaten in Portugel wurden vier Jahre, in denen er dort für eine Tochter der Bussparte des Stuttgarter Automobilkonzerns Daimler als Betriebswirtschaftler arbeitete.

2007 kehrte Patrick Herrmann jedoch nach Deutschland zurück um in Ulm und Stuttgart für den Mutterkonzern zu arbeiten. Eine wachsende Unzufriedenheit im Job und Abbaupläne des Unternehmens nutzte er, um dem Angestelltendasein den Rücken zu kehren und endlich zu seiner eigentlichen Leidenschaft zurückzukehren – zum Holz.

Berufliche Neuorientierung

Schon gegen Ende seiner Tätigkeit bei Daimler begann Patrick Herrmann parallel mit der Holzsägerei und meldete 2014 ein Gewerbe als Säger und Kleinmöbelbauer an. Heute ist aus diesen kleinen Anfängen ein Unternehmen mit mehreren Standbeinen geworden. Kern ist der Handel mit ausgefallenen Hölzern in großen Dimensionen, die der konventionelle Holzhandel nicht bietet, gefolgt von der Lohnsägerei und in geringem Umfang der Baumfällung und -pflege. An sein Material kommt Patrick Herrmann über ein ausgedehntes Netzwerk an Garten- und Landschaftsbauern, die ihn rufen, wenn sie Stämme haben, deren Dimension zu groß für sie zum Abtransport sind. Mit seiner Alaskan Mill, einem mobilen Kettensägewerk, zerlegt er Stämme von einem Durchmesser bis zu 1,35 m direkt vor Ort in hantierbare Bohlen und transportiert diese ab – oft im Tausch Arbeitszeit gegen Holz. Aber auch Privatleute und selbst der Botanische Garten der Uni in Stuttgart-Hohenheim zählen zu seinen Kunden.

Eine Menge Holz vor der Hütte

Patrick Herrmann betreibt mit seinem Unternehmen Herrmann Massivholz Lager an mehreren Standorten in Süddeutschland. In Stuttgart, Rottenburg und Nürnberg lagern gut 320 m3 Massivholz. Bis hin zur einzelnen Bohle und Baumscheibe wird über jeden Stamm penibel Buch geführt und der Standort , das Alter und das Fälldatum der Bäume dokumentiert. Ergänzt um Fotos kann der Kunde so die gesamte Historie des von ihm erworbenen Holzes nachvollziehen. Zu seinen Kunden zählen Schreiner, Holzbildhauer und Drechsler ebenso wie ambitionierte Hobbyhandwerker.

Aus dem Umgang mit ausgefallenen Hölzern entstand vor etwa zwei Jahren die Idee der Unikat-Tische. Mit seinem namensgleichen Geschäftspartner Patrick Herrmann fertigt und gestaltet er individuelle Einzelstücke aus besonderen Bohlen und Baumscheiben – oft auch unter Einsatz von farbigem Acrylharz. Patrick Herrmanns Zukunftsvision ist, dass sich der Kunde seine persönliche Tischplatte aus dem Lager aussucht und diese für ihn zum individuellen Tisch-Unikat wird. Denn bei allem Geschäftssinn, Kunden zufrieden zu machen, ist für Patrick Herrmann Antrieb für seine Arbeit, denn dann ist er es selbst auch!

www.mobilsaege-bw.de

www.herrmann-massivholz.de

Hier finden Sie weitere Holzsplitter.

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