Werkstattbesuch beim Intarsienkünstler Stefan Broszeit. Der mit dem Holz tanzt - BM online
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Der mit dem Holz tanzt

Werkstattbesuch beim Intarsienkünstler Stefan Broszeit
Der mit dem Holz tanzt

Apfel-, Nuss- und Birnbaum, aber auch seltenere Holzarten wie Zwetschge, Mooreiche und Essigbaum – Schreinermeister Stefan Broszeit nutzt allerlei heimische Exoten für seine fein intarsierten Dosen, Objekte und Kleinmöbel und legt dabei großen Wert darauf zu wissen, woher sein Rohstoff stammt.

BM-Redakteur Heinz Fink

Mal links, mal rechts herum – fast mühelos arbeitet sich das nur 3 mm breite Sägeblatt der Präzisionsfeinschnittsäge durch das aus zwei unterschiedlichen Hölzern verleimte Werkstück. Von sicherer Hand geführt, entlang an der aufgezeichneten, wellenförmigen Kontur gesägt, entstehen so, Schnitt um Schnitt, in einem rhythmisch anmutenden Tanz schmale, exakt ineinanderpassende Leisten. Sind diese einmal gesägt und in ihre Schichten gespaltet, ergänzen sie sich richtig zusammengelegt erneut zu einer Fläche und der Prozess kann, nun gedreht verleimt, aufs Neue beginnen.

In der kleinen Werkstatt von Stefan Broszeit in Gomaringen bei Tübingen entstehen so seit gut 15 Jahren Dosen, Objekte und Kleinmöbel aus ausschließlich heimischen Holzarten, deren Herstellung nicht nur den Laien in Staunen versetzt. Die dazugehörige komplexe Technik – anzusiedeln zwischen den klassischen Techniken der Intarsie aus eingelegten Massivholzplättchen und den aus gesägten Furnieren hergestellten Marketerien – bezeichnet er als Parketerie.

Um- und Nebenwege

Mit 16 Jahren begann Stefan Broszeit, aufgewachsen in Seesen am nordwestlichen Harzrand, eine Lehre zum Tischler in einem örtlichen Tischlereibetrieb. Vom Holz war er fasziniert, doch die Herstellung von Fensterrahmen war nicht so sein Ding. Schon damals sammelte er die in der Werkstatt anfallenden exotischen Holzreste und verarbeitete sie.

Mit 22 dann das jähe Ende der Handwerkerkarriere: Bandscheibenvorfall, Operation und anschließende Reha. Die Möglichkeit einer Umschulung zum Ergotherapeuten brachte Stefan Broszeit nach Tübingen. Seit 1991 arbeitet er als Ergotherapeut in einer psychiatrischen Einrichtung auf der Schwäbischen Alb mit angeschlossener Holzwerkstatt.

Dennoch, ganz vom Holz konnte Stefan Broszeit doch nicht lassen, wollte mehr wissen über Holz, Leim und Lacke und nahm sich um das Jahr 2000 eine einjährige Auszeit vom Job und besuchte die Meisterschule in Tübingen. Inzwischen hat er seinen Tagesjob auf
80 % reduziert und hat dadurch mehr Zeit, in seiner kompakten, gut eingerichteten Kellerwerkstatt neue Produkte zu entwickeln und zu fertigen.

Komplexe Handwerkstechnik

Die Inspiration für die von ihm weiterentwickelte Parketerie-Technik, wie er sie nennt, fand Stefan Broszeit vor gut 16 Jahren während eines Kurses zur Herstellung von gesägten Intarsien aus Furnieren. Begeistert von deren Farb- und Strukturvielfalt, entstanden die ersten Arbeiten – damals noch aus massiven, exotischen Holzarten. Heute fertigt er seine Dosen und Objekte ausschließlich aus einheimischen Hölzern. Von Apfel-, Kirsch- und Birnbaum bis hin zu Zwetschge und Nussbaum, die schwäbischen Streuobstwiesen seiner Heimat liefern hierfür reichlich Material – hin und wieder verwendet er auch Raritäten wie Mooreiche und Essigbaum. Der Einschnitt der Stämme erfolgt bei einem Bauern in der Nähe auf dessen mobilem Sägewerk.

Gezielte Dekonstruktion

Üblicherweise entstehen Intarsien in bildlicher oder abstrakter Art durch gezielte Auswahl der Holzfarben und das Stürzen, Drehen und Verschieben von Furnieren. Die spezielle Technik von Stefan Broszeit bei der Herstellung seiner Parketerien beruht auf dem welligen bzw. geraden Auftrennen, erneuten Zusammensetzen und weiteren, um 90 ° gedrehten Zuschnitt der Massivholzplatten. Das eigentliche Dekor wird dadurch sozusagen defragmentiert und wieder neu zusammengesetzt, was zu oft unerwarteten, sich wiederholenden Mustern führt.

Die auf etwa 6 bis 12 mm Stärke geschliffenen Platten bilden die Basis für seine fein dimensionierten Objekte. Sauber auf Gehrung gearbeitet, bilden sie die Deckel seiner Hauben- und Würfeldosen mit filigranen Inneneinteilungen oder die Fronten seiner Kleinmöbel. Als Oberflächenbehandlung nutzt Stefan Broszeit Öl und Wachs, das nach mehrmaligem Auftrag und abschließender Politur dichte, seidenmatte Oberflächen ergibt.

Unerwarteter Karriereschub

Seine Werke hat Stefan Broszeit in den vergangenen Jahrzehnten vorwiegend auf regionalen Märkten vertrieben. Dabei schätzt er vor allem den direkten Kontakt zum Kunden, wie reagieren diese auf die optischen, aber auch haptischen Qualitäten seiner Arbeiten, was spricht sie daran an.

Auf einen Kunsthandwerkermarkt in Freiburg wurde Stefan Broszeit zur Ausstellung „Originale“ in Freiburg-Merzhausen eingeladen. Der Kontakt zu anderen, professionell gestaltenden Handwerkern eröffnete ihm vollkommen neue Türen und Kontakte. Angespornt durch den Erfolg bewarb er sich mit seinen Arbeiten für den alle zwei Jahre ausgelobten „Staatspreis Gestaltung Kunst Handwerk 2020 Baden-Württemberg“ und erhielt auf Anhieb den Preis in der Kategorie Handwerk und dazu noch den Publikumspreis. Klar ist: Ab sofort spielen die feinen Arbeiten von Stefan Broszeit in einer anderen Liga!

www.broszeit-holz.de

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