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Hakuna Matata – alles kein Problem

Schreinerabenteuer in Afrika
Hakuna Matata – alles kein Problem

Einrichten einer Berufsschulschreinerei in Afrika und Einweisen der Lehrkräfte – Fachschullehrer Peter Winklhofer stellte sich der Herausforderung. Aber was ihn in Kenia wirklich erwartete, damit hatte erso nicht gerechnet. Denn in Nairobi ticken nicht nur die Uhren anders.

„Bei Zeit und Pünktlichkeit haben Kenianer ein völlig anderes Verständnis. Ein bis zwei Stunden später als vereinbart sind auch noch völlig ausreichend. Nichts konnte auf Anhieb und schon gar nicht nach Plan durchgeführt werden.“ Peter Winklhofer lächelt verschmitzt, als er von seinen Erlebnissen in Afrika berichtet und schüttelt versonnen den Kopf, als könne er es selbst noch nicht fassen, was er mit einem Team letztendlich im Kinderheim auf die Beine gestellt hat: eine komplett ausgestattete Schreinerei, in der fundiert ausgebildet werden kann.

Das Projekt
Seit 2014 unterstützt Winklhofer ein Projekt der Stiftung „Keniahilfe Schwäbische Alb“ in Karai, nahe Nairobi. Um was man ihn gebeten hat, klingt für den technischen Oberlehrer aus Karlsruhe zunächst relativ einfach: Er soll eine Schreinerwerkstatt in der Berufsschule des Kinderheims „Karai Childrens Vocational Centre“ (KCVC) einrichten und die Lehrkräfte einweisen sowie mit einem gewissen Budget alles in Gang bringen oder beschaffen was man in einer Schreinerei braucht: Standard- und Handmaschinen, Absauganlagen, Hobelbänke, Handwerkzeuge sowie Verbrauchsmaterialien. „Nach den Vorgesprächen zu urteilen, war das kein Problem, man müsse nur schauen wo man alles bekommt.“ Der Schreinermeister war zuversichtlich.
Bestandsaufnahme beim ersten Besuch
„Als ich 2014 das erste Mal in Karai war, gab es in der Werkstatt nur eine alte, kombinierte Säge- und Hobelmaschine, eine Handoberfräse, einen rustikalen Arbeitstisch und einige verwaiste Handwerkzeuge“ erinnert sich Peter Winklhofer. Hier konnte also weder eine ordentliche Ausbildung, noch eine Produktion stattfinden. Beides ist jedoch unerlässlich, damit sich die Einrichtung zukünftig finanziell selbst tragen kann. „Da ich zuvor noch nie in Kenia war, versuchte ich meine Reise einfach so gut wie möglich vorzubereiten. Ein genauer Zeitplan sollte die Zielvorgabe sicherstellen.“ Doch dieser Plan geriet schnell ins Wanken.
Plan trifft Realität
Schon das erste Meeting mit dem General Manager startete mit etwa vier Stunden Verspätung. Dann fehlte der Schulleiter. Der zuständige Lehrer kam erst zwei Tage später.
Jeder Arbeitsversuch wurde im Keim erstickt. Trotz Vorbestellung wurde kein Holz für die Hobelbänke eingekauft. Das vorhandene war frisch geschnitten, nass und alles andere als hochwertig. Beim Zuschneiden zeigte sich u. a., dass die Keilriemen der Kombimaschine eingerissen oder zu groß waren. Werkzeug zum Sägeblattausbau: Fehlanzeige. Und auch der Riemen ließ sich nicht spannen, weil die Schrauben am Motor festgeschweißt waren – als Diebstahlsicherung.
Bis alles in Ordnung gebracht wurde, zogen zwei weitere Tage ins Land. Das Beschaffen der gewünschten Standardmaschinen hat sich in Nairobi als unmöglich erwiesen und so musste das Team dieses Vorhaben nach drei ergebnislosen Tagen einstellen. Höchste Zeit mit dem Bau der Hobelbänke zu beginnen, denn ohne entsprechenden Maschinenpark bestand der Großteil aus traditioneller Handarbeit. Man arbeitete bis spät in die Nacht – bewacht von Sicherheitsleuten mit Pfeil und Bogen. Bei Winklhofers Abreise war die erste Doppelhobelbank einsatzbereit.
Nur nicht aufgeben – der zweite Besuch
Zurück in Deutschland ließ der Schreinermeister nicht locker: „Mit der Stiftung beschlossen wir, die Maschinen in Deutschland zu kaufen und per Container zu transportieren.“ Auf diese Weise eingeführt werden dürfen aber nur Maschinen mit Rechnung, Qualitäts- und Funktionsnachweis sowie englischem Stecker. Was diese Bedingung nicht erfüllt, muss im Koffer transportiert werden. Nach einem Jahr Vorlaufzeit sollte alles Mitte August 2015 in Karai eintreffen – Winklhofer auch. Zusammen mit einem elfköpfigen Team war in den Sommerferien die Montage geplant. Und wieder kam alles anders. Da bei der Ankunft des Teams die Lieferung des Containers nicht absehbar war, wurde die Zeit für Vorbereitungen genutzt: Schränke reparieren, Scheiben ersetzen und die Elektroinstallation erneuern. Letztendlich kam der Container drei Wochen zu spät und auch das Abladen wurde zu einem Erlebnis, dass eine kleine Anekdote wert ist.
Schwere Last am seidenen Faden
Beim Abladen des Containers war das erste Kranunternehmen fest davon überzeugt, dass man die 10-t-Last mit einem 10-t-Autokran und Aludrahtseilen abladen kann.
„Weil zudem bei der Hälfte der Stützen die Grundplatten fehlten, hatten wir Glück, dass das Seil immer riss, bevor sich der Container anhob“, seufzt der Schreinermeister. Erst der zweite Kran war dann so groß und mit Ketten ausgestattet, dass der Container problemlos vom LKW auf die Sockelfundamente abgesetzt werden konnte. Auch der bestellte Gabelstapler ließ auf sich warten.
Der Erste wurde auf dem Highway verhaftet, der zweite konnte kein Transportfahrzeug finden. Der dritte kam mit sechs Stunden Verspätung, konnte aber keinen Hubwagen organisieren, um die Maschinen im Container zu bewegen. Das Besorgen von Metallrohren zum Bewegen der Maschinen dauerte mehrere Stunden. So blieben von den geplanten drei Wochen wieder nur wenige Tage zum Aufbau der Werkstatt. Daher entschloss sich Winklhofer, in den Herbstferien erneut nach Karai zu fliegen und das Projekt zum Abschluss zu bringen. Dann war das Werk vollbracht.
Wie sieht die Zukunft aus?
Mit der komplett eingerichteten Schreinerei hat die Schule nun sehr gute Voraussetzungen auszubilden und eine kleine Produktion zu betreiben. In naher Zukunft wird die Absauganlage verbessert und die Anzahl der Hobelbänke aufgestockt. Zudem wurde unter Anleitung des technischen Oberlehrers jüngst in einer Technikerarbeit an der Heinrich-Hübsch-Schule (Karlsruhe) ein Schulungskonzept ausgearbeitet, um in Kenia Maschinenkurse für Schreiner durchzuführen.
Ziel ist es, trotz der herrschenden Armut in Afrika gewinnbringende Aufträge zu erhalten, die das Überleben der Einrichtung sichern. Man will sich auf die Produktion von Schulmöbeln spezialisieren.
So sollen, aufgrund steigender Schülerzahlen, die Möbel für die eigene Einrichtung, aber auch für Nachbarschulen hergestellt werden. Denn die Lehrkräfte vor Ort haben es geschafft, viele neue Schüler aus dem Umland für die Schule zu gewinnen, die dann durch Schulgeld die Kosten der Schule reduzieren.
Start ins eigene Abenteuer
Bereut Peter Winklhofer nach allem was er erlebt hat, sich der Initiative angeschlossen zu haben? Mit nichten! Neben dem guten Gefühl, sich sozial engagiert zu haben, erntete er natürlich jede Menge Lebenserfahrung.
Drei Wochen lang Maisbrei mit dem spinatähnlichen Sukuma Wiki bzw. dicken Bohnen zu essen oder bestenfalls ein unsaft in Stücke gehacktes Schwein zu grillen, ist für europäische Gaumen zwar hart – dennoch eröffneten ihm die Erlebnisse in in Afrika eine neue Sichtweise, auf scheinbar schwierige Probleme, die hierzulande auftreten. Und auch, wenn ihn die Gelassenheit der Menschen dort manchmal fast zur Weißglut brachte, so könne man sich hier und da vielleicht eine Scheibe abschneiden. Wer also Lust hat, sich ebenfalls zu engagieren, sollte sich an die Stiftung „Keniahilfe Schwäbische Alb“ wenden und in sein eigenes Abenteuer starten. (mh/Quelle: Peter Winklhofer)

Erfolge des Projekts im Überblick

2014 schon vorhanden:
  • Defekte Kombimaschine
  • zwei alte Werktische – stark verbraucht, beschädigt oder mit alten Brettern belegt
  • Eine Handoberfräse (alle anderen Handmaschinen defekt)
  • Einige Handwerkzeuge wie Hammer, Stechbeitel, Fuchsschwanz, Kneifzange.
Beim ersten Besuch beschafft:
  • Doppelhobelbank (Eigenbau)
  • Handbandschleifer, Akkuschrauber
  • Mitgebrachte Handwerkzeuge und weitere Werkzeuge, wie Sägen, Klüpfel, etc.
Stand nach dem Sommer 2015
  • Komplette „Schreinerei“: alle Standardmaschinen mit Absaugung eingerichtet und sinnvoll im Arbeitsfluss aufgebaut
  • Handmaschinen und Werkzeuge
  • Ersatzmesser bzw. Schärfmaschinen
  • Schleifmittel und Handwerkzeuge
  • Zangen für weitere Hobelbänke

Lust auf Abenteuer? – Hier gibts Infos

Die Stiftung in Deutschland
Wer gerne mitarbeiten möchte, kann sich an die der „Stiftung Keniahilfe Schwäbische Alb“ wenden. Man sollte mindestens zwei bis drei Wochen am Heimleben teilnehmen. Alle Kosten sind selbst zu tragen.
Das Kinderheim in Kenia
Das KCVC liegt in Karai, nahe Nairobi. Rund 70 Kinder sind dort Zuhause, bekommen Essen, Erziehung und Schulbildung. Das Heim hat eine eigene Primary School und eine kleine Berufsschule, u. a. für Schreiner, Elektriker und Schneider.
Land und Leute
Kenia ist auf jeden Fall eine Reise wert, die einen nachhaltigen Einblick in die Kultur Ostafrikas gibt und prägende Eindrücke hinterlässt. Zudem ist es eine gute Möglichkeit Englischkenntnisse aufzubessern, da in Kenia Englisch die Amtssprache ist.
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