Werkstattbesuch beim Holzbildhauer Stefan Schindler

Herrgottschnitzer

Schlank aufragende Figuren, mit rauer, aber dennoch präzise bearbeiteter Oberfläche, deren fein gestaltete Konturen sich oft erst aus der Ferne betrachtet verdichten – jede einzelne ein eigener Charakter. Der Nürnberger Bildhauer Stefan Schindler fertigt seine ausdrucksstarken Figuren fast ausschließlich mit dem Beil.

BM-Redakteur Heinz Fink

Mit einem durchdringenden Quietschen öffnet sich das Metalltor zur Hofeinfahrt des mehrstöckigen Gebäudes in der Nürnberger Südstadt. Eines von vielen solcher Häuser in der Straße, erbaut in den 50er- und 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Nüchtern sachliche Wohnarchitektur, oft mit einem Ladengeschäft im Erdgeschoss und Werkstätten von Handwerkern und Gewerbetreibenden in den Hinterhöfen- und häusern. Sobald man die überbaute Hofeinfahrt durchschritten hat, wähnt man sich zurückversetzt in diese Zeit. Da, unter einer Überdachung aus Wellplexiglas, reichlich Holzvorräte, dort eine hölzerne Bank und zahlreiche Holzfiguren, die den Eingang zu einem flachen Werkstattbau säumen. Durch die geschlossene Stahltür dringt ein gleichmäßiges, rhythmisches Klopfen nach Außen – dahinter die Wohn- und Werkstatt des fränkischen Holzbildhauers Stefan Schindler.

Von der Pike auf gelernt

Geboren 1981 in Ansbach und aufgewachsen im westmittelfränkischen Bechhofen an der Heide, hatte Stefan Schindler nach dem Abitur eigentlich vor, Sprachen zu studieren und Lehrer zu werden. Eine TV-Reportage über die Berufsfachschule für Holzbildhauer in Oberammergau faszinierte ihn jedoch so sehr, dass er beschloss, sich dort um einen Ausbildungsplatz zu bewerben. Nach der Mappensicht und Vorstellung, zusammen mit knapp 40 anderer Bewerbern, machte er sich jedoch keine Hoffnung, einen Platz an der renommierten Schule zu bekommen und begann, sich im ganzen süddeutschen Raum bei freien Bildhauern zu bewerben. Wie es der Zufall so will, war darunter auch der Bildhauermeister, der die Aufnahmeprüfung in Oberammergau betreute. Dieser erkannte ihn wieder und gab ihm den Tipp, doch erstmal die Ergebnisse der Bewerbung abzuwarten. Und das zahlte sich aus, denn im Herbst 2002 begann Stefan Schindler zusammen mit 17 anderen Azubis eine dreijährige Ausbildung zum Holzbildhauer in Oberammergau.

Während der Ausbildung erlernte er alle klassischen Techniken der Bildhauerei, vom Kerbschnitt und Ornamentschnitzen bis hin zu vollplastischen Arbeiten. Aber auch Portraits sowie Akt- und Tierstudien – von der kleinen Messerschnitt-Arbeit bis hin zu großformatigen Arbeiten mit der Kettensäge – standen auf dem Lehrplan. Den Gesellenbrief gerade mal in der Tasche zog es Stefan Schindler 2005 zurück in die fränkische Heimat, zum Studium der Bildhauerei an der Nürnberger Kunstakademie. Dieses brachte ihn auch zu einem viermonatigen Gastaufenthalt an die Kunstakademie in Krakau, der Partnerstadt Nürnbergs. Wieder zurück in Nürnberg schloss er 2011 sein Studium als akademischer Bildhauer ab und ist seither dort selbstständig.

Künstlerische Weiterentwicklung

Wie wohl jeder Künstler machte auch Stefan Schindler in seinen Arbeiten eine, nicht immer schmerzfreie, Entwicklung durch. Seine anfänglichen Arbeiten standen noch stark in der Tradition der handwerklichen Bildschnitzertradition, figürliche Arbeiten, deren Oberflächen sauber und glatt mit dem Schnitzeisen bearbeitet waren. Seine neueren Arbeiten dagegen zeigen sich deutlich rauer, wenn auch nicht weniger detailgenau. Bis auf grobe Vorarbeiten mit der Kettensäge entstehen seine Figuren fast ausschließlich mit der Axt. Dazu nutzt er die ganze Bandbreite dieser Werkzeugart: von der langstieligen Spaltaxt über die mächtige Breitaxt des Zimmermanns, vom Dechsel zum Ausarbeiten von Hohlformen bis hin zur kurzstieligen Handaxt für sehr feine Arbeiten. So grobe Werkzeuge für die Bearbeitung solch fein detaillierter Figuren? „Auch mit groben Werkzeugen kann man fein arbeiten“, antwortet Stefan Schindler mit einem Augenzwinkern auf solche Fragen, „man muss nur wissen, wo man hinschlagen muss.“

Tiefe Einblicke in die menschliche Seele

So unterschiedlich auch deren Bearbeitung, eines jedoch verbindet die frühen und aktuellen Arbeiten Stefan Schindlers: Stets haben sie die menschliche Figur zum Thema. Mit einem sensiblen Gespür für den Charakter seiner Figuren arbeitet er immer wieder die individuellen Wesenszüge heraus. Religiöse Themen wie Engel, der gekreuzigte Christus oder eine in sich gewandte, an eine Madonna erinnernde Skulptur, aber auch mythische Inhalte ziehen sich durch seine gesamte Arbeit. Allen Figuren gemeinsam ist der eindringliche Ausdruck ihrer Gesichter, die den Betrachter unweigerlich in den Bann ziehen – zeigen sie doch zutiefst menschliche Empfindungen,
wie Schmerz, Leid und Zweifel.

Diese Intensität seiner Arbeiten hat Stefan Schindler auch zu seinem bisher größten Auftrag verholfen, einer lebensgroßen Figur des gestorbenen Christus für eine Grablege im Kloster Plankstetten in Bayern. Die dortigen Benediktinermönche vergaben den Auftrag, nach langer Suche nach einem geeigneten Bildhauer an ihn – den Herrgottschnitzer.

www.stefanschindler.com

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