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Heyliger Vadder!

Werkstattbesuch beim Drechsler Peter Gwiasda
Heyliger Vadder!

Journalist, Gewerkschafter, Holzwerker, Möbelbauer, Apfelkelterer, Pilzspezialist, Naturschützer … die Liste der Interessen und Aktivitäten von Peter Gwiasda ist lang – ganz oben allerdings steht das Drechseln. Es gibt kaum etwas, das er in seiner über 40-jährigen Karriere auf seinen historischen Drechselbänken nicht gedrechselt hätte.

Bm-Redakteur Heinz Fink

Massiv und schwer steht sie da in ihrem sattgrünen Kleid, mit ihren fast 500 kg „Lebendgewicht“ für anspruchsvolle und schwere Aufgaben gemacht. Und man sieht ihr an, dass sie in ihrem langen, mehr als ein halbes Jahrhundert währenden Dasein schon einigen spektakulären Geschöpfen zum Leben verholfen hat – das hat Spuren hinterlassen. Dem einen oder anderen Novizen wird sie dabei sicherlich eine gehörige Portion Respekt eingeflößt haben. Mit einer leichten Bewegung am Drehknopf nimmt sie Fahrt auf und schnurrt alsbald in gleichmäßigem Ton dahin, als könnte ihr die Masse des aufgespannten Werkstückes nichts anhaben. Unter der Schneide des einsetzenden Werkzeuges schält sich jetzt ein schier endloser, haarfeiner Span vom Holzrohling ab und gleitet über die Hände des Drechslers Peter Gwiasda. Auf seiner historischen Heyligenstaedt-Drechselbank entsteht eine Schale von gut 30 cm Durchmesser aus dem hellem Holz einer Scheinzypresse, das die gesamte Werkstatt in einen angenehm würzigen Geruch taucht. Der in Wehrheim im Taunus lebende Peter Gwiasda drechselt seit über 40 Jahren auf Drehbänken des Gießener Herstellers und ist Kopf einer eingeschworenen, die „Heyligen“ genannten Fangemeinde dieser Maschinen.

Hölzerne Wurzeln

Dabei war Holz nicht das erste Material bei der Berufswahl von Peter Gwiasda, obwohl beide Großväter – der eine Schiffszimmermann, der andere Tischlermeister – dies vermuten ließen. Geboren und aufgewachsen in Bremen, erlernte er mit 17 Jahren die sogennannte „Schwarze Kunst“, das Handwerk des Schriftsetzers und arbeitete anschließend in verschiedenen Werbeagenturen. Dort erkannte einer seiner Chefs das schreiberische und gestalterische Talent Peter Gwiasdas und empfahl ihm die Deutsche Journalistenschule in München zu besuchen. Danach war er
35 Jahre für verschiedene Tageszeitungen tätig, zuletzt als Redaktionsleiter Politik einer Bezirksredaktion der Frankfurter Rundschau.

Zum Holz kam Peter Gwiasda Mitte der 70er-Jahre, als er und seine Frau Almut eine historische Hofreite, einen Kleinbauernhof im Ortskern von Wehrheim im Taunus erwarben. Bei der Renovierung fielen reichlich Holzarbeiten an, die der engagierte Holzwerker natürlich selbst übernahm. Auch die ersten Möbel aus Massivholz für die noch junge Familie entstanden im zur Werkstatt umgebauten Kuhstall. Später kam noch die Restaurierung von alten Biedermeiermöbeln bis hin zur perfekten Schellackpolitur hinzu – die dazu notwendigen Handwerkstechniken erarbeitete sich Peter Gwiasda dabei stets selbst – „learning by doing“ ist bis heute seine Devise.

Hoher Priester der „Heyligen“

Da ihn der Holzvirus zu dieser Zeit schon gründlich infiziert hatte, war der Weg zum Drechseln nicht weit. Erste Drechselversuche machte Peter Gwiasda auf einer Metabo-Kombimaschine, doch da musste schnell was Besseres, Schwereres her. Um 1977 kam die erste Heyligenstaedt, Baujahr 1947, ins Haus, und es sollte nicht die letzte bleiben. Vier Maschinen des noch heute existierenden Werkzeugmaschinenbauers aus Gießen stehen in der Werkstatt von Peter Gwiasda, mindestens ein Dutzend weitere sind durch seine Hände gegangen oder an Kollegen vermittelt worden – allein acht Maschinen finden sich im näheren Umkreis von Wehrheim. Peter Gwiasda ist nicht nur begeisterter Drechsler, sondern auch begnadeter Netzwerker. Sein Haus und Hof ist in den vergangenen Jahren zum Treffpunkt von Fans und Besitzern einer Heyligenstaedt aus ganz Europa geworden. Immer wieder mal treffen sich die „Heyligen“ aber auch bei anderen „Gläubigen“ zwischen den Niederlanden, Österreich oder Südtirol.

Vielseitiges drechslerisches Schaffen

Über die Jahre ist in Peter Gwiasdas Werkstatt so annähernd alles entstanden, was gedrechselt werden kann. Von Möbelteilen, Dosen, Schalen, Hausgeräten bis hin zu „solch zweckfreien Gegenständen wie Kugeln“ (Gwiasda). Zu seinen Lieblingsholzarten zählen dabei alle Fruchtbäume, darunter die Sorbusarten wie der Speierling oder die Elsbeere, aber auch Apfel, Kirsche, Pflaume oder Birn- und Nussbaum. Auch das ein oder andere Objekt aus fast schwarzer Mooreiche, fein gezeichnetem Maserholz, aber auch allerlei exotischen Hölzern findet sich im umfangreichen Werk von Peter Gwiasda. Früher hat er seine Arbeiten überwiegend auf Märkten vertrieben, heute kommen die Kunden zu ihm, oder er übernimmt Auftragsarbeiten.
Seine Begeisterung für alles aus Holz gibt Peter Gwiasda aber auch bereitwillig weiter. Ob in den in loser Folge stattfindenden Drechselkursen oder unter dem Namen „Heyliger Vater“ als spitzer Kommentator im Deutschen Drechslerforum – sein Wissen und seine Meinung sind gefragt. Doch nicht nur das Holz in seiner Eigenschaft als Rohstoff interessiert Peter Gwiasda. Als Besitzer von 55 Apfelbäumen, dazu noch zahlreicher Birn-, Speierling- und Elsbeerbäumen interessiert ihn alles, was sich aus deren Früchten machen lässt – von der Marmelade über (Apfel-)Wein bis hin zu ganz speziellen spirituellen Veredelungen.

www.holzart-gwiasda.de

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