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Himmlische Klänge

Werkstattbesuch beim Harfenbauer Willi Corall
Himmlische Klänge

Sie heißen Avalon, Camaret, Clairseach oder Morgat – was klingt wie längst verschwundene Orte aus der keltischen Mythenwelt, sind die Namen wohlklingender Musikinstrumente, sogenannter keltischer Hakenharfen, aus der Werkstatt des Harfenbauers Willi Corall im rheinhessischen Siefersheim.

BM-Redakteur Heinz Fink

Zügig gleitet das Werkzeug über die sanft geschwungene Kante des Werkstückes und nimmt Span um Span ab. Messerscharf abgezogen muss es sein, um solch feine, engelslockengleiche Späne zu erzeugen, die sich nach und nach auf der Werkbank und dem Boden ansammeln. Immer wieder wird innegehalten bei der Arbeit. Mal gleitet ein den gleichmäßigen Schwung taxierender Blick über die Kontur, dann wieder prüft der Daumen als feiner Sensor die Qualität der Oberfläche. Sollte diese nicht den Ansprüchen genügen, kommt noch einmal der edle Schweifhobel aus Messing mit Griffen aus Edelholz zum Einsatz und wird mit ziehendem Schnitt über das fein gezeichnete Kirschbaumholz geführt. So lange, bis Willi Corall zufrieden ist mit der Form und Oberflächenqualität. Denn die Säule und der Hals, die unter seinen Händen entstehen, fügen sich später zu einer seiner in Musikerkreisen begehrten keltischen Hakenharfen.

Passionierter Musiker und Handwerker

Bereits im zarten Alter von neun Jahren wurde Willi Corall vom Musikvirus ergriffen. Da es im elterlichen Haushalt in Heinsberg bei Aachen eine Mandoline gab, erlernte er bei einem Lehrer am Ort, das Instrument zu spielen. Etwa zur gleichen Zeit entdeckte er während eines Urlaubs mit seinen Eltern in Mittenwald eine Geigenbauwerkstatt und der Wunsch, selbst Musikinstrumente zu bauen wuchs heran.

Doch bevor es so weit kommen sollte – in Heinsberg gab es damals weit und breit keine Ausbildungsbetriebe für Instrumentenbau – kam alles erst mal ganz anders. Nach der Schule erlernte Willi Corall den Beruf des Elektronikers, bildete sich zum Elektrotechniker mit Ausbildereignungsschein fort und arbeitete einige Jahre als Konstrukteur in der Industrie. Doch die Leidenschaft fürs Holz ließ ihn nicht los und so begann er als junger Familienvater mit dem Möbelbau. Über Jahre fertigte er in seiner gut ausgestatteten Kellerwerkstatt alle seine Möbel aus Massivholz selbst. Doch die Leidenschaft für den Instrumentenbau war ungebrochen.

Über Umwege zum Instrumentenbau

Mitte der 90er-Jahre wechselte Willi Corall als Ausbilder in den sozialen Bereich in eine Werkstatt für Behinderte und besuchte parallel dazu die Fachschule für Heilerziehungspflege. Während dieser Zeit entstanden auch die ersten Instrumente, wie ein Monochord, für den therapeutischen Bereich, aber auch einfache Instrumente wie eine Lyra oder ein Dulcimer. Auch Baupläne für Musikinstrumente, die BM in den 80er-Jahren vertrieben hat, zählten zu den Wegbereitern für Willi Coralls Instrumentenbauerkarriere.

Die Harfe wiederum hat Willi Corall schon in jungen Jahren fasziniert. Nach der Mandoline brachte er sich als Jugendlicher das Gitarrenspiel selbst bei und stieß so auf die Musik des bekannten bretonischen Harfenisten Alan Stivell. Der Durchbruch jedoch kam, als er während eines Italienurlaubs einen Straßenmusiker Harfe spielen hörte und derart fasziniert war, dass er beschloss, das Instrument auch zu erlernen. Die erste Harfe dazu baute er natürlich selbst. Seit 2012 ist Willi Corall bei der Handwerkskammer der Pfalz als Harfenbauer gemeldet und produziert im Nebenerwerb etwa vier bis fünf Harfen im Jahr.

Diffiziles Handwerk

Etwa 120 bis 150 Stunden stecken, je nach Ausführung, im Bau einer keltischen Harfe aus der Werkstatt von Willi Corall. Das Holz für seine Instrumente – Kirsche, Birnbaum, Nussbaum, Esche oder Erle – bezieht er bevorzugt aus der Umgebung seines Wohnortes Siefersheim und lässt dieses auf einem mobilen Sägewerk einschneiden. Auf Kundenwunsch verarbeitet er aber auch amerikanischen Kirsch- und Nussbaum. Für die Klangdecken seiner Harfen setzt er auf möglichst feinjährige Fichte aus der Mittenwalder Gegend oder aus dem Bregenzer Wald.

Komplexe Arbeitsschritte

Den Korpus, auch Muschel genannt, fertigt Willi Corall in Leistenbauweise. Acht dünne, konisch geschnittene und auf Gehrung verleimte Leisten bilden eine konisch zulaufende Halbschale, auf die anschließend die quer verlaufende Klangdecke aufgeleimt wird. Verstärkungsleisten und die innere Verbalkung sorgen für die nötige Stabilität der Decke, auf der später schließlich einmal gut 400 kg Saitenzug lasten.

Ein weiteres Bauteil ist der Hals, der die Wirbel und die Halbtonmechaniken trägt und der mit der senkrechten Säule verzapft und verleimt ist. Mit dem Korpus bilden sie den Rahmen, auf dem die bis zu 36 Nylon- und Karbonsaiten aufgespannt sind. Das sogenannte Knie, eine kunstvoll ausgearbeitete Verstärkung des Halses schließlich stellt die umlaufend bündig gearbeitete Verbindung mit dem Klangkorpus her. Nachdem alle Teile der Harfe fein geschliffen sind, erhalten sie eine Oberflächenbehandlung aus einer Mischung aus Ölen, Wachs und Baumharzen.

Jetzt kann Willi Corall die Stimmwirbel und die Stegstifte anbringen, die Saiten aufziehen und die Harfe nach und nach auf die richtige Tonhöhe stimmen – bis das Instrument stimmstabil ist und die Halbtonmechaniken angebracht werden, können schon ein paar Wochen vergehen. Die Zeit nutzen Willi Corall und seine Frau Heidi, wie er eine versierte Musikerin und Harfenistin, das Instrument zu spielen und das Klangspektrum zu erkunden, bevor sich der spätere Besitzer oder die Besitzerin – vielleicht in Österreich, Dänemark oder gar in den USA – an ihrem außergewöhnlichen Klang erfreuen kann.

www.corall-harps.de

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