Startseite » Inspiration » Blick über den Tellerrand »

Holz – aus Freude am Paddeln

Kanus in Leistenbauweise
Holz – aus Freude am Paddeln

Indianisch der Ursprung, hochwertig die Materialien, edel das Resultat: Ein Holzkanu ist der Traum vieler Zeitgenossen. Die Leistenbauweise erfordert nur geringe Vorkenntnisse und ist wie geschaffen für den Selbstbau – eine reizvolle Freizeitbeschäftigung.

Leise plätschert das Wasser an die Bootswand. „Schau mal, ein echtes Indianerkanu!“, „Wow, das ist das schönste Boot, das ich je gesehen habe!“, „Sieht richtig nobel aus, so ein Kanu ganz aus Holz.“ Diesen und ähnlichen Kommentaren von Passanten folgen meist eine Vielzahl von Fragen, das Woher, Wie und Weshalb betreffend. Dabei sind wir doch nur in unseren selbstgebauten Holzkanus ans Ufer gepaddelt, um eine kleine Rast auf unserer Tagestour einzulegen.

Ein Kanu – in Deutschland gelegentlich auch „Kanadier“ genannt, das, im Gegensatz zum gedeckten „Kajak“, offene Paddelboot also – zu besitzen, ist und war schon immer ein Traum vieler Menschen. Darunter finden sich nur wenige Karl-May-Fans und Freizeittrapper, oft sind es eingeschworene Nordlandfahrer, Naturliebhaber und – im Falle eines Holzkanus — der große Kreis derer, die eine gewisse Vorliebe für den Werkstoff Holz entwickelt haben. Dieser langersehnte Jugendtraum kann durch der eigenen Hände Arbeit Wirklichkeit werden. Die Leistenbauweise ist für den Selbstbau bei nur geringen oder gar überhaupt keinen Vorkenntnissen prädestiniert. Jedoch sind eine gehörige Portion Enthusiasmus und Geduld erforderlich: 120 bis 250 Stunden dauert der Bau eines Leistenkanus.
Die Leistenbauweise
Was ist das Besondere an dieser Bauweise? Die Kombination von Holz mit modernsten Werkstoffen, d. h. hochwertige Glasgewebe, Epoxydharz und Polyurethane erlaubt es, das Holz zu dünnwandigen, somit leichten, aber dennoch formstabilen Bootsrümpfen zu verarbeiten. Durch die glasklare Beschichtung erhält das Holz eine optische Tiefe, die seine natürliche Schönheit unterstreicht.
Diese stoßfeste Beschichtung wird beidseitig, d. h. sowohl auf der Rumpfinnen- als auch Außenseite durchgeführt und versiegelt das Holz dauerhaft gegenüber jeglichen klimatischen Einflüssen und mechanischen Belastungen. Aufgrund dieser Sandwichbauweise ist ein derart gebautes Holzleistenkanu – vergleicht man es mit einem herkömmlichen Kunststoffkanu – um ein Vielfaches robuster, langlebiger, leichter und – last but not least – schöner.
Die drei Grundpfeiler
Die moderne Leistenbauweise basiert auf folgenden drei Sachverhalten:
• Das Kanu wird über sogenannte „Formspanten“, die die spätere Rumpfform festlegen, gebaut.
• Das Ausgangsmaterial für den hölzernen Bootsrumpf sind schmale, astfreie Leisten, etwa in den Abmessungen 6 x 20 mm, wobei die Schmalseiten einmal konkav und einmal konvex gefräst sind. Diese besitzen neben der erhöhten Klebefläche den Vorteil, dass sie auch bei unterschiedlichen Krümmungsradien dicht schließen. Traditionell werden Hölzer verwendet, die langfasrig sind und ein niedriges spezifisches Gewicht aufweisen. Nadelhölzer wie Fichte oder Kiefer eignen sich hierfür besonders. Für die tragenden Elemente, wie Scheuerleiste, Tragejoch, Sitzrahmen usw. werden Harthölzer, insbesondere Esche, Eiche, Mahagoni oder Kirsche verwendet.
• Die statische Festigkeit des Rumpfes wird durch ein beidseitiges Beschichten mit Glasgewebe, welches mit Epoxydharz aufgebracht wird, erreicht.
Das Baugerüst
Wagen wir uns doch etwas näher an diese interessante Baumethode heran und schauen einem Kanubauer über die Schulter.
Kein Boot ohne Baugerüst! Dem anfangs noch fragilen Kanu gibt ein stabiles, verzugsfreies Baugerüst, oft als Leiterrahmen, T-Träger oder torsionssteifer Kasten ausgeführt, den nötigen Halt. Hierauf sind die Mallen, d. h. die Formspanten – die den Querschnitt der späteren Rumpfform an der jeweiligen Position wiedergeben -, montiert. Sie müssen exakt rechtwinklig ausgerichtet werden, denn wer hier ungenau arbeitet, wird unter Umständen später einen verzogenen Rumpf mit entsprechend wenig guten Laufeigenschaften erhalten. So wird auch hier, noch bevor die erste Leiste montiert wird, der Kurvenverlauf der Form aufs Genaueste überprüft: Diese Form ist die Grundlage des perfekten Kanubaus! Der Rumpf wird „über Kopf“, d. h. kieloben, gebaut, beginnend mit der Deckskante, endend mit dem Kiel. Die erste Leiste bestimmt auch den „Decksprung“, so nennt man die schön geschwungene Linie der Rumpfoberkante, betrachtet man ein Kanu von der Seite. Auch hier gilt: Das eigene Formgefühl ist gefragt.
Die Leisten
Da sich der Verlauf der folgenden Leisten nach dieser ersten richtet, beschränkt sich die nachfolgende Tätigkeit in der Hauptsache auf das Anbringen und Fixieren der durchschnittlich 60 bis 70 Leisten eines Kanurumpfes. Doch es ist keine monotone Arbeit, denn gerade hier werden individuelle Gestaltungsvorstellungen in Form von Mustern, teils in unterschiedlichen Holzarten, realisiert.
So viele Bootsbauer es gibt, so viele Möglichkeiten gibt es beinahe auch, die Leisten an den Formspanten zu befestigen: Die einen tackern, die anderen klemmen, schnüren und spannen. Bleibt nur noch, den Steven, d. h. die senkrechte, vom Rumpfboden zum Rumpfende verlaufende Kante – Hartholzlamellen eignen sich hervorragend hierfür – auf die plangeschliffenen Stirnseiten der Rumpfleisten zu leimen. Was nun folgt, fordert Ausdauervermögen: Schleifen ist angesagt. Diese recht monotone Schmutzarbeit (Staubmaske ist, vor allem bei der Verwendung von Western Red Cedar, obligatorisch!) kann durchaus einen ganzen Arbeitstag dauern.
Das Laminieren
Nun wird’s spannend. Wir wechseln vom Naturstoff Holz ins Reich der Moleküle und chemischen Verbindungen. Das nun folgende Laminieren, d. h. Beschichten des Holzrumpfes mit Glasgewebe und Epoxydharz, umfasst im Wesentlichen drei Arbeitsgänge. Der erste und zeitaufwendigere umfasst das Auslegen des Gewebes am Rumpf und anschließende Tränken im Sinne eines Fixierens am Rumpf mit Harz. In den verbleibenden beiden Schritten wird nur Harz aufgetragen, um eine vollständige Sättigung des Gewebes zu erzielen.
Das Wichtigste ist jedoch, dass diese drei Schritte „Nass in Nass“ erfolgen, d. h., das Harz der vorherigen Schicht ist bereits geliert, jedoch noch nicht ausgehärtet. Um diese Zeitpunkte nicht zu versäumen, gibt es im Allgemeinen zwei Alternativen: einen funktionierenden Wecker oder mehrere Tassen starken Kaffees. Diese Aktion kann sich nämlich – in Abhängigkeit der Raumtemperatur – auf über bis zu 25 Stunden erstrecken.
Ein Versäumen des richtigen Zeitpunktes, beziehungsweise der Zeitspanne, hat ein mühevolles Abschleifen des Rumpfes zur Folge, da das Harz nur auf noch nicht abgebundenen oder angerauten Oberflächen haften kann. Wenn die Oberfläche ausgehärtet ist, wird der Rumpf abermals feingeschliffen. Nachdem die Außenweger genannte Scheuerleiste angepasst, zugehobelt und angeharzt ist, verpasst man dem Bootsrumpf einen Anstrich mit abriebfestem Polyurethanlack.
Was über die Außenseite gesagt wurde, wiederholt sich nun, nachdem der Rumpf von Gerüst und Formspanten befreit ist, in der gleichen Reihenfolge im Inneren der Rumpfschale. Erst Holz, dann Chemie.
Der Abschluss
Was am Ende zu tun übrigbleibt, sind ein paar wenige, aber je nach individueller Ausführung z. T. recht zeitaufwendige Handgriffe. Die doch recht flexible Rumpfschale benötigt ein Rückgrat: Dieses setzt sich aus den bereits an der Bootsoberkante montierten Außen- und Innenwegern, sowie zwei Querholmen (pro Bootsende einer) und dem in etwa der Bootsmitte zu montierendem Tragejoch zusammen. Letzteres hat – ähnlich dem Schlussstein eines Gewölbes – die Funktion, das ganze Wasserfahrzeug in Form zu halten. Ist das Tragejoch in Höhe des Bootsschwerpunktes montiert, wird es seinem Namen gerecht – eine wichtige Tatsache, hat man auf Paddeltouren unpassierbare Wasserstrecken zu umtragen.
Zu guter Letzt muss noch das eigene Hinterteil im Kanu verstaut werden und entsprechend den Ansprüchen kann die Bestuhlung spartanisch oder bequem gefertigt werden. Optisch sehr reizvoll – und auch zum Vorteil des Allerwertesten – sind handgeflochtene Sitze, so wie sie schon seit über 100 Jahren Verwendung finden.
Die Bezugsquelle
Die benötigten Kanubaumaterialien können einzeln oder in beliebiger Zusammenstellung bezogen werden. Auch komplette Bau-sätze, Ausrüstung, Fachbücher, Entwürfe individueller Bootsrisse, Fachzeitschriften zum Thema Holzbootbau und weiterführende Informationen sind erhältlich:
„Canoe & Paddle Store“
Roland Hess
Mönchstraße 22A
70191 Stuttgart
Telefon 07 11/2 56 93 65
Herstellerinformation
BM MesseSpezial
Herstellerinformation
Fette Preise im Juli
Herstellerinformation
Werde BM-Titelstar 2022!
Herstellerinformation
BM auf Social Media
Herstellerinformation
Im Fokus: Materialmangel
Im Fokus: Vakuumtechnik
BM-Themenseite: Innentüren
Im Fokus: Vernetzte Werkstatt

Im Fokus: Raumakustik
_6006813.jpg
Schallmessung in der Praxis: Michael Fuchs (r.) und Simon Holzer bei raumakustischen Messungen in einem Objekt (Friseursalon Max in Wallersdorf). Foto: Barbara Kohl, Kleine Fotowerkstatt
Im Fokus: Gestaltung
Alles bio? Nachhaltigkeit im Tischler- und Schreinerhandwerk
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]

BM Bestellservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der BM Bestellservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum BM Bestellservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des BM Bestellservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de