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Holz und Sehne

Werkstattbesuch beim Holzbogenbauer Konrad Vögele
Holz und Sehne

Aus einem Stück Holz gefertigte Bögen gehören zu den ältesten Jagd- und Kampfwerkzeugen der Menschheit und kamen in allen Kulturkreisen in unterschiedlichen Varianten vor. Einer, der diese Art des archaischen Bogenbaus perfektioniert hat, ist der international renommierte Bogenbau-Spezialist Konrad Vögele aus Bellamont in Oberschwaben.

BM-Redakteur Heinz Fink

Mit entschiedenem Strich gleitet die grob behauene Raspel über die Oberfläche des Werkstückes und produziert dabei feine, leuchtend gelbe Späne, die sich rundum auf der Werkbank und dem Boden ansammeln. Noch ein bis zwei Hiebe, ein prüfender Blick. Ist die mit Bleistift angezeichnete Kontur noch zu sehen? Der nächste Griff geht zur feineren Raspel, gefolgt von einer Feile – solange, bis die gewünschte Form erreicht ist und sie dem kritischen Auge des Handwerkers genügt. Eine fein abgezogene Ziehklinge schließlich erzeugt eine leicht glänzende und sauber geschnittene Oberfläche. Was so leicht und routiniert von der Hand zu gehen scheint, bedarf jahrzehntelanger Erfahrung. Und die hat Konrad Vögele aus Bellamont, baut er doch seit über 25 Jahren bei Bogenschützen in aller Welt begehrte Holzbögen.

Vom Bio-Bauern zum Bogenbauer

Geboren und aufgewachsen auf einem Bauernhof in oberschwäbischen Ummendorf bei Biberach, betrieb Konrad Vögele Ende der 1980er-Jahre zusammen mit seiner Frau einen Bio-Bauernhof – ein arbeitsreiches Geschäft, das die Familie gerade so ernährte. Zum Bogenbau kam er zu Beginn der 90er-Jahre eher durch einen Zufall. Ein Freund nahm ihn mit zum Bogenschießen und Konrad Vögele war sofort Feuer und Flamme. Ihn fazinierte die Mischung aus archaischer Jagdsimulation, Körperspannung und Konzentration. Mit einem während eines Bogenwettbewerbes gewonnenen Stück Bogenholz nahm dann alles seinen Anfang und aus dem Bio-Bauern wurde nach und nach ein hauptberuflicher Bogenbauer.

Das dafür notwendige Wissen erarbeitete Konrad Vögele sich weitgehend autodidaktisch anhand von Büchern und durch eigene Versuche. Und mit diesem Wissen hält er auch nicht hinter dem Berg, sondern gibt dieses auch gerne weiter. Seit Mitte der 90er-Jahre führt er – neben dem Bau seiner eigenen Bögen – regelmäßig Interessierte in Kursen in die Techniken des Bogenbaus ein. In Gruppen von fünf bis maximal acht Personen entsteht dabei in zwei Tagen ein schießfertiger Bogen.

Das ideale Bogenholz

Prinzipiell könne man auch aus Hölzern wie Esche, Ulme oder Robinie gute Bögen bauen, sagt Konrad Vögele. Er bezieht dieses als Stammware von örtlichen Förstern und Bauern und nicht jeder hochgepriesene Stamm findet unter seinen kritischen Augen Gefallen. Denn anders als der Tischler und Schreiner stellt er ganz andere Kriterien an sein Holz. Möglichst gerade gewachsen sollte es sein, damit es sich gut spalten lässt. Gut verwachsene Äste und Unregelmäßigkeiten spielen dabei weniger eine Rolle als die richtige Jahresringstruktur.

Trotz der guten Eigenschaften der genannten Hölzer nutzt Konrad Vögele diese jedoch zumeist für seine Kurse – da kann der Anfänger nicht viel falsch machen und erhält dennoch einen brauchbaren Bogen. Wenn es jedoch um seine – lediglich auf Bestellung erhältlichen – Meisterbögen geht, führt für ihn kein Weg vorbei an Osage Orange. Das Holz des im Süden Nordamerikas heimischen Baumes – auch Osagedorn (Maclura pomifera) oder Milchorangenbaum genannt – hat mit seiner dichten Struktur, Rückstellkraft und Dauerhaftigkeit die idealen Eigenschaften für den Einsatz als Bogenholz. Konrad Vögele hat sich schon vor Jahren eine größere Menge des Holzes in den USA gesichert, vor Ort selbst ausgesucht, eingeschnitten und in zwei Containern nach Deutschland liefern lassen.

Strenge Holzauswahl

Man könnte annehmen, dass eine solche Menge an Rohmaterial dem Handwerker bis zu seinem Lebensende reichen sollte. Doch dem ist nicht so, denn nur die wenigsten Stücke genügen den hohen Ansprüchen des Meisters. Denn erst nach dem Spalten der gut zwei Meter langen Stammabschnitte zeigt sich deren wahre Qualität. Ausgesuchte Rohlinge werden anschließend im Holzlagerschuppen gut drei Jahre natürlich getrocknet, um nach dem groben Zuschnitt auf der Bandsäge noch einige Zeit in der Werkstatt bis auf 10 % Holzfeuchte nachzutrocknen. Vorher legt Konrad Vögele allerdings noch mit dem Zieheisen einen über die gesamte Bogenlänge ununterbrochenen, durchgehenden Jahresring im Bereich des äußeren Spätholzes frei, der die Referenz für die weitere Bearbeitung darstellt.

Eingespannt in spezielle Schraubstöcke mit Unterstützung der Bogenenden findet mittels verschiedener Raspeln und Feilen die Formgebung des Bogens statt. Je nach Kundenwunsch erhalten die Enden des Bogens in diesem Stadium aufgeleimte Spitzen zur Sehnenbefestigung aus Wasserbüffelhorn (Horntips), aber auch die unter Hitze ausgeführte Biegung der Wurfarmenden (Recurves) für ein gleichmäßiges Zugverhalten. Mit der Ziehklinge geglättet und bis zur Körnung 400 geschliffen bekommen die Bögen abschließend eine Oberflächenbehandlung durch Hartöl. Im Griffbereich erhalten die Bögen eine haptische Bespannung aus Lederschnur oder eine vollflächige Belegung aus sämisch gegerbtem Hirschleder.

Jeder Bogen ein Einzelstück

Jeder der 40 bis 50 von Konrad Vögele pro Jahr gebauten, individuell auf den Schützen abgestimmten Holzbögen wird von ihm von Hand signiert und mit seinen Daten, wie Gesamtlänge, Auszugweg und Auszugkraft in Inch-Maßen, gekennzeichnet. Seine Kunden müssen sich allerdings gedulden, denn das Auftragsbuch ist voll: Gut sechs Monate muss man derzeit warten, bevor man einen feinen Bogen aus der Werkstatt von Konrad Vögele sein Eigen nennen darf.

www.holzbogenbau.com

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