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If you’re going to San Francisco …

Blick über den Tellerrand
If you’re going to San Francisco …

… be sure to wear some flowers in your hair. So heißt es in einem alten Pop-Song. Blumen im Haar hatte Boris Volland nicht, als er im kalifornischen Modesto inmitten des Central Valley’s zwischen San Francisco und dem Yosemite Nationalpark ankam. Eine Arbeitserlaubnis in der Tasche allerdings schon.

Boris Volland arbeitet dort als „Project Engineer“. In den USA gibt es keinen wirklich passenden Titel für einen deutschen Holztechniker und Tischlermeister. Wie er, obwohl er erst 23 Jahre war, weder über ausgezeichnete Englischkenntnisse verfügte noch jahrelange Berufspraxis vorweisen konnte, in diese Position kam, berichtet er selbst: „Ich habe eine Ausbildung zum Tischler gemacht, nachdem ich die Realschule beendet hatte. Die Ausbildung schloss ich mit einem Schnitt von unter 2,0 ab und zu meinem Erstaunen bekam ich einen Platz in der Begabtenförderung. Da ich schon während meiner Ausbildung Lust hatte, mich in meinem Beruf fortzubilden, absolvierte ich das notwendige Gesellenjahr, um an der Fachschule für Holztechnik in Melle angenommen zu werden. Ich studierte also Holztechnik und durch den großen Einsatz der Lehrer war es außerdem vielen Studenten des Jahrgangs möglich, den Tischlermeister sowie REFA-Grundschein in den Ferien zusätzlich zu machen.

Schon während der Zeit an der Fachschule wurde die Arbeitsmarktsituation immer schlechter, und so streckte ich meine Fühler Richtung Ausland. Schon während der LIGNAplus 2001 hat es mich sehr beeindruckt, dass auf dem Messestand „Karriere mit Holz“ nahezu alle befragten Personen Erfahrungen im Ausland gesammelt und auch explizit dazu geraten hatten. Damit stand mein Entschluss ins Ausland zu gehen schon zu 99 Prozent fest.
Auf Grund des letzten fehlenden Prozentes an Entschlusskraft und den ungenügenden Informationen über die „Auswanderung“, habe ich mich zwar auch noch bei vielen deutschen Firmen beworben, oft ging es dabei um internationale Projektleitung. Die Absagen waren immer sehr ähnlich: zu jung (22 Jahre), gerade erst von der Schule, zu schlechtes Englisch und zu wenig Erfahrungen im Beruf. Nun stand mein Entschluss zu 100 Prozent fest und die nötigen Informationen bekam ich auch langsam und mit großer Mühe zusammen. Staatlich geförderte Auslandsprogramme kamen nicht in Frage, weil sie zeitlich begrenzt waren und meist auf mich, der ich mich fortgebildet hatte, nicht mehr zutrafen. Außerdem wollte ich auch im Ausland meiner Ausbildung entsprechend verdienen.
Ich habe mir Bücher über das Auswandern in die einzelnen Länder besorgt, um herauszufinden, welches der beste Weg ist. Leider musste ich feststellen, dass es keinen wirklich idealen Weg gibt. Das Surfen im Internet hat mir am meisten geholfen. Es gibt viele Internetseiten von „Auswanderern”, die beschreiben, wie sie den Sprung ins Ausland geschafft haben. Um überhaupt erst mal Kontakte im Ausland zu finden, nutzte ich Internetseiten wie Monster usw., die weltweite Stellenausschreibungen anbieten. Es ist jedoch schwierig, auf solchen Seiten die passende Ausschreibung zu finden. Das Problem ist, dass viele ausländische Firmen im Ausland gar nicht wissen, dass es so etwas wie einen Tischlermeister oder Holztechniker gibt. Es gibt zwar den Tischlerberuf, aber – zumindest in den USA. – nahezu keinerlei Fortbildungen, wie in Deutschland. Wie also eine Stelle im Ausland finden, die gar nicht ausgeschrieben sein kann?
Ich habe deshalb Schlagwörter in Suchmaschinen eingegeben, um an Websites von Firmen im Ausland zu kommen. Das Gute daran war, dass ich gleich einen Eindruck der Firma durch die Website bekam und selber sehen konnte, ob es das richtige für mich ist und ob diese Firmen evtl. Stellen zu besetzen haben, die zu meiner Ausbildung passen. Ich schickte dann „Standard-Bewerbungen“ um die ganze Welt. Die Bewerbungen gingen vorwiegend an Firmen aus Neuseeland, Australien, Kanada und den USA, aber auch in den skandinavischen Raum.
Nachdem ich dann mit einigen Firmen Kontakt aufgenommen hatte, entschied ich mich für die Firma „Wood Connection“ in Kalifornien, welche mich zu einem Vorstellungsgespräch auf Firmenkosten eingeladen hatte. Für diese arbeite ich nun seit mehr als 1,5 Jahren als Project Engineer. Wood Connection ist eine Tischlerei für den überwiegend kommerziellen Innenausbau. Wir bauen Möbel für Arztpraxen, Rechtsanwaltskanzleien, Bücherläden, Universitäten, Autohäuser, Villen und vieles mehr.
Ich bearbeite die erhaltenen Aufträge, erstelle Zeichnungen und CNC-Programme, tätige Materialbestellungen und kümmere mich um die Projektleitung, den Arbeitsablauf und die Arbeitsplatzgestaltung.
Man muss anpassungsfähig sein
Mit den Arbeitskollegen komme ich gut aus. Es gefällt mir gut, dass die Amerikaner sehr offen sind. Ich habe noch nie eine blöde Bemerkung von irgend jemandem darüber bekommen, dass ich aus Deutschland bin oder hier arbeite. Es ist eher das Gegenteil der Fall: Alle zeigen sich sehr interessiert. Im Arbeitsalltag muss man allerdings manchmal auch ziemlich anpassungsfähig sein. Der größte Unterschied liegt, denke ich, darin, dass man nicht mit ausgebildeten Tischlern zusammenarbeitet, so wie man es aus Deutschland gewohnt ist. Einige Dinge müssen in der Produktion anders gestaltet werden, da man nicht immer damit rechnen kann, dass das Hintergrundwissen wie in Deutschland vorhanden ist. Zum Beispiel müssen Abläufe oftmals deutlicher dargestellt werden. Die Produktion ist häufig einfacher gestaltet und weniger modern als in Deutschland. Allerdings sind deutsche Holzbearbeitungsmaschinen in vielen guten Tischlereien zu finden und werden als die besten Maschinen angesehen.
Das Komischste hier in den Staaten ist, nicht die Sicherheiten wie in Deutschland zu haben. Hier ist es üblich, anfangs ohne jeglichen Urlaubsanspruch dazustehen. Im Laufe der Zeit bekommt man zwar etwas Anspruch, es ist aber nie mit 24 bis 30 Urlaubstagen wie in Deutschland zu rechnen. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gibt es auch nicht und der Arbeitgeber ist nicht dazu verpflichtet, einen Mindestlohn zu zahlen. In den meisten Firmen gibt es auch keine Arbeitsverträge, „hire and fire”, heißt das Motto. Die Zuzahlungen, z. B. bei Arztbesuchen und Apotheken, sind hier wesentlich höher als in Deutschland und die Krankenversicherungen nicht so weit reichend.
Vertrauen in das Können junger Leute
Von anderen Dingen bin ich jedoch begeistert: Mir scheint es, als ob die ausländischen Firmen mehr Vertrauen in das Können junger Leute haben. Die Aufstiegschancen sind wesentlich größer und richten sich nicht immer nach Briefen, Scheinen und Alter, sondern im Wesentlichen nach Leistung und Einsatzbereitschaft. Was kann also einem jungen Techniker und Tischlermeister Besseres passieren, als die Möglichkeit zu bekommen, Erfahrungen im Ausland zu sammeln, für seine Ausbildung die entsprechende Anerkennung zu erhalten und dazu noch überdurchschnittlich gut bezahlt zu werden, was in Deutschland zurzeit kaum möglich ist. Der Spruch „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ ist sicherlich nicht wörtlich zu nehmen, aber es steckt doch ein Quäntchen Wahrheit dahinter.“
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