Werkstattbesuch beim Hutformenmacher Stephan Wagner. In Form gebracht - BM online

Werkstattbesuch beim Hutformenmacher Stephan Wagner

In Form gebracht

Fedora, Matelot oder Pork Pie – wer dabei an feine Pralinen oder würzige Fleischpasteten denkt, ist im sprichwörtlichen Sinne auf dem Holzweg, denn sie bezeichnen klassische Hutmodelle. Hüte für deren Herstellung der Holzbildhauer und Schreiner Stephan Wagner aus Röthenbach im Allgäu die Formen aus Lindenholz herstellt.

BM-Redakteur Heinz fink

Um zur Werkstatt im ersten Stock des alten Allgäuer Bauernhauses zu kommen, geht’s erst mal vorbei an landwirtschaftlichen Geräten und frisch aufgeworfenem Heu – ein Geruch, der sich in der ganzen Scheune verbreitet und den Besucher bis in die Werkstatt hinein begleitet. Eine kompakte, helle Werkstatt mit den üblichen Standardmaschinen: Kreissäge, Fräse und Bandsäge, aber auch eine solide Drechselbank und vor der großen Fensterfront eine Hobelbank – die Werkstatt eines Schreiners halt.

Doch in die Hinterzange der Hobelbank eingespannt erkennt man eine weitere Klemmvorrichtung, einen kräftigen Kloben mit Holzgewinde, darin gehalten ein grob vorgearbeiteter Klotz aus hellem Lindenholz. Im Werkzeugkasten an der Wand dahinter finden sich neben den üblichen Handwerkzeugen des Schreiners Dutzende, verschieden breiter und unterschiedlich geformter Schnitzwerkzeuge, perfekt geschärft und blitzblank abgezogen – schnell ist klar, hier wird mehr als geschreinert! Es ist die Werkstatt des Schreiners und Holzbildhauers Stephan Wagner aus Röthenbach im Allgäu.

Kreative Begabung

In Stephan Wagners Werkstatt entstehen heute vorwiegend Modellformen für Hutmacher – oder Modisten, wie dieser Beruf offiziell heißt. Auf seinen handgefertigten Holzformen entstehen modische Damenhüte genauso wie schlichte Alltagshüte für den Herren. Von bekannten Haute-Couture-Werkstätten in Paris bis hin zur kleinen, feinen Manufaktur für Trachtenhüte in Oberbayern, alle bauen auf die Handwerkskunst von Stephan Wagner, einem der letzten Hutmodellmacher.

Doch die Herstellung von Hutformen ist nicht Stephan Wagners einzige Leidenschaft. Aufgewachsen in der ländlich geprägten Umgebung des Allgäus, hat er schon früh sein Interesse für die Natur und das Arbeiten mit Holz entdeckt. Was lag da näher als eine Ausbildung zum Möbelschreiner? Nach seiner Lehre und anschließendem Zivildienst arbeitete er noch einige Jahre in einem Innenausbaubetrieb. Zwar gefiel ihm die Arbeit als Schreiner, aber die kreative Seite des Berufes kam ihm im Arbeitsalltag zu kurz – er wollte selbst gestalten und eigene Ideen einbringen. So begann er 1990 eine weitere Ausbildung zum Holzbildhauer an der Staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauer und Schnitzer in Oberammergau. Die dort erlernten Fähigkeiten, wie das Schnitzen und Drechseln, brachte er anschließend auch in seine weitere Arbeit in einer Schreinerei ein.

Vielseitige Tätigkeit

Seit 2001 ist Stephan Wagner als Holzbildhauer selbstständig. Den Ausschlag dazu gab die Zusage einer Firma für Modellbahnfiguren in der Region, für eine stetige Auslastung mit Bildhauerarbeiten zu sorgen. Ein weiterer Zufall wollte es, dass im Jahr 2010 Erich Kimpfler, einer der letzten Hutmodellmacher in Deutschland, nach einem Nachfolger suchte. Dieser hatte über Jahrzehnte für eine bekannte Hutmanufaktur in Lindenberg im Allgäu, aber auch überregional für Modisten und Hutmacher gearbeitet. Die Übernahme eines solch spezialisierten und seltenen Holzhandwerks, für Stephan Wagner war das gar keine Frage, sondern eine Ehre!

Vom Lindenholz zur Hutform

Aus verleimten Rohlingen aus gut getrocknetem Lindenholz fertigt Stephan Wagner heute gut 200 Hutformen im Jahr. Dabei umfasst seine Arbeit nicht nur die Neuanfertigung, sondern auch die Restauration und die Ergänzung vorhandener Formen, denn diese verschleißen sich im Prozess der Hutherstellung durch Hitze, Feuchtigkeit und eingestochene Nadeln. Zur Reproduktion existierender Modelle liefern ihm die Hutmacher die Originale, die er mittels einer historischen Kopierfräsmaschine grob vorfräst und anschließend genau in Form schnitzt. In seiner Werkstatt lagern aber auch Dutzende von Hutmodellen, auf die er als Vorlagen zurückgreifen kann. Entwirft ein Modist einen völlig neuen Hut, liefert er Stephan Wagner einen Prototyp von dem, nach Festlegung der durch den Kopfumfang bestimmten Hutgröße, die Maße abgenommen werden.

Gut 1400 Hutformen aus Holz sind in den vergangenen Jahren in Stephan Wagners Allgäuer Werkstatt entstanden. Von der Kappe über das Barett bis hin zu Zylinder und Melone, seine Formen unterstützen Hutmacher in ganz Europa bei der Ausübung ihres Handwerks – die Trägerin eines eleganten Pork Pie in Paris oder der Besitzer eines klassischen Fedora in Wien ahnt davon natürlich nichts.

www.holzart-wagner.de

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