Werkstattbesuch beim Möbelrestaurator Michael Wintjen

In neuem Glanz

Schildpatt, Schellack, Elfenbein und edle Hölzer – das sind Materialien aus einer längst vergangenen Zeit des Tischlerhandwerks, sollte man denken. In den Händen des Berliner Möbelrestaurators Michael Wintjen jedoch erwachen Möbel daraus zu neuem Leben.

BM-Redakteur Heinz Fink

Schon an der Eingangstür zur Werkstatt weht einem ein ungewohnter Geruch entgegen: eine Mischung aus Alkohol, aromatischen Essenzen und altem, abgelagertem Holz. Drinnen erkennt man, sobald sich die Augen an das schwache Licht gewöhnt haben, unzählige Schraubzwingen, Werkzeuge, Pinsel und Leimgefäße entlang der in Jahrzehnten von Ruß und Staub geschwärzten Wände. Die einfachverglasten Scheiben und ein mächtiger, gusseisener Ofen lassen erahnen, bei welchen Temperaturen die Arbeit hier morgens in den Wintermonaten beginnt. Dazwischen zahllose Möbelstücke: Kabinettschränke, Kommoden und Sekretäre, aber auch Stühle und ein hölzernes Karussellpferd. Hier in einem malerischen Hinterhof im Berliner Stadtteil Friedenau wird seit 60 Jahren Handwerksgeschichte geschrieben. Der gelernte Tischler und Möbelrestaurator Michael Wintjen betreibt hier seit 2008 in dritter Generation seine Werkstatt, das Restaurierungs-Atelier Michael Wintjen.

Um- und Nebenwege

Geboren 1974 in Bremervörde, zog es Michael Wintjen Mitte der 90er Jahre zum Zivildienst im Reha-Bereich nach Göttingen. Dort, in der Schreinerwerkstatt des Landeskrankenhauses, absolvierte er im Anschluss auch seine Tischlerausbildung. Eine gute Zeit, an die er sich gerne erinnert: Eine solide handwerkliche Ausbildung mit wenig Zeitdruck, in der er auch mit der handwerklichen Anleitung von Reha-Patienten betraut war.

Die anschließende Gesellenzeit brachte Michael Wintjen mit einer Zwischenstation in seiner norddeutsche Heimat 2002 nach Berlin. Dort konnte er durch die freie Mitarbeit bei einem Kunsttischler erste Erfahrungen in der Restaurierung von historischen Möbelstücken sammeln. Von entscheidender Bedeutung für seine restauratorische Entwicklung war jedoch ein halbjähriges Praktikum bei dem französischen Ebenisten Mario Kraeft in Paris, mit dem ihn bis heute eine enge private Freundschaft und geschäftliche Partnerschaft verbindet.

Werkstatt mit Geschichte

Zurück in Berlin arbeitete Michael Wintjen zunächst zusammen mit dem Restaurator Eberhard Weiss in dessen Hinterhofwerkstatt im Stadtteil Friedenau. Im Hof eines in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts erbauten Berliner Bürgerhauses gelegen, hat das Gebäude eine wechselvolle Geschichte. Einst als Maleratelier und Remise, das heißt als Stellplatz für Kutschen genutzt, diente es seit den 50er Jahren als Restaurationswerkstatt. Im Jahr 2008 übergibt Eberhard Weiss nach gut 40 Jahren den Schlüssel der Werkstatt an Michael Wintjen. Die Werkstatt ist dabei in all den Jahrzehnten fast unverändert geblieben: im Hochparterre Bankraum, Werkstatt und Lager und im Untergeschoss ein kleiner Maschinenraum sowie das Holz- und Furnierlager.

Breites Auftragsspektrum

Michael Wintjens Kunden kommen zum überwiegenden Teil aus Friedenau und den umliegenden Stadtbezirken Berlins. Er bedient zur Mehrzahl Privatkunden, welche ihm ihre Antiquitäten zur Restaurierung anvertrauen. Das Auftragsspektrum reicht dabei von der Aufarbeitung eines lieb gewonnenen Erbstückes bis hin zur aufwendigen Restaurierung eines Tabernakelschranks aus dem 18. Jahrhundert oder eines Renaissance-Kabinettschranks. Wenn notwendig, wird auch mal ein Satz zeitgenössischer Stühle wieder instand gesetzt.

Oftmals geht es darum, die Optik eines Möbels aufzufrischen, es vom Schmutz der Jahrhunderte zu befreien und ihm mithilfe einer Oberfläche aus Schellack, Öl oder Wachs zu neuem Glanz zu verhelfen. Ein anderes Mal stehen aufwendige, auf viele hundert Stunden kalkulierte Arbeiten an, vom Loslösen und Wiederaufleimen lockerer Furnierstellen bis hin zum Ersatz verloren gegangener Teile eines Möbels.

Hier kann Michael Wintjen auf einen reichen Fundus an historischen Materialien zurückgreifen, darunter Massivholz und Starkfurniere aus Kirschbaum, Nuss und Mahagoni oder Exoten wie Palisander, Amaranth und Veilchenholz, aber auch solch exotische Materialien wie Schildpatt, Perlmutt und Elfenbein – am besten von alten Möbeln. Gilt es doch bei der Restaurierung so nah als möglich am Original zu bleiben, sowohl bei den Materalien als auch bei den handwerklichen Techniken. Daher greift Michael Wintjen für die Verleimung von Holz und Naturmaterialien ausschließlich auf Knochen- und Fischleim zurück.

Weitergabe von Wissen

Die etwas verborgene Lage der Werkstatt in einem Berliner Hinterhof darf nicht täuschen, denn hier ist immer was los. Neben Kunden, die eben mal vorbeischauen und sich nach dem Stand der Restaurierung ihrer Möbel erkundigen, gibt Michael Wintjen auch immer wieder Kurse, in denen Interessierte ihre mitgebrachten Kleinmöbel unter fachkundiger Anleitung restaurieren können. In den letzten Jahren waren auch immer wieder junge Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Bereich Denkmalschutz absolvieren, in seiner Werkstatt. Immer wieder öffnet er seine Werkstatt auch für die offenen Atelier-Tage in Friedenau, während derer manchmal Lesungen stattfinden – die zahlreichen Gäste sitzen dann natürlich auf historischen Stühlen aus seinem reichhaltigen Fundus.

www.restaurierungs-atelier.de

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