Besuch beim Tonholzsäger Andreas Pahler

Klangmaterial

Es kommt darauf an, was man daraus macht! So lautete ein Slogan der Betonindustrie aus den 1970er-Jahren. Aus dem Rohstoff, den Andreas Pahler gewinnt, werden ganz besondere Dinge: Er findet und bereitet feinste Tonhölzer für Musikinstrumentenbauer in aller Welt auf. BM-Redakteur Heinz Fink

„Was kann das Holz dafür, wenn es als Geige erwacht“ – ein Zitat, das dem berühmten französischen Dichter Jean-Nicolas Arthur Rimbaud (1854 bis 1891) zugeschrieben wird. Dessen Ursprung lässt sich leider nicht ergründen, doch ist die Nutzung dieses Rohstoffes in Form eines wohlklingenden Instrumentes sicher nicht die schlechteste. Dennoch, geeignetes Holz für den Bau von Geigen, Bratschen, Celli und Kontrabässen findet sich nicht in jedem x-beliebigen Wald.

Einer, der weiß, wo es die besten Stämme dafür gibt und, noch viel wichtiger, der weiß, diese zu beurteilen und sie fachgerecht aufzuarbeiten, ist Andreas Pahler aus dem bayrischen Westerholzhausen nahe Dachau. Der 44-jährige gelernte Geigenbauer und studierte Forstwissenschaftler ist Tonholzsäger und beliefert mit seiner Firma Alpentonholz Geigenbauer in aller Welt.
Musik- und Holzleidenschaft
Schon immer musikalisch und handwerklich interessiert, absolvierte Andreas Pahler nach dem Abitur an der Berufsfachschule für Musikinstrumentenbau in Mittenwald eine Ausbildung zum Geigenbauer. Seine anschließende Gesellenzeit verbrachte er in einer bekannten Geigenbauerwerkstatt in Lyon und, wieder zurückgekehrt nach Mittenwald, bei einem auf den Bau von Kontrabässen spezialisierten Betrieb.
Doch Andreas Pahler wollte mehr über das Holz, das er verarbeitet lernen und schloss ein Studium der Forstwissenschaften in Freising-Weihenstephan an. Eine Tätigkeit bei einer forstwissenschaftlichen Unternehmensberatung in London nach dem Studium war ihm allerdings zu trocken und so gründete er 2002 einen Sägebetrieb, spezialisiert auf die Aufarbeitung von Hölzern für den Geigenbau.
Wertvoller Rohstoff
Denkt man an Geigen, dann fallen einem sofort solch berühmte Namen wie Amati, Guarneri und vor allem Antonio Stradivari – die wohl bekanntesten Geigenbauermeister der berühmten Cremoneser Schule – ein. Schon Letzterer soll vor gut 300 Jahren von ortsansässigen Holzhändlern die Tonhölzer für seine hochgepriesenen Instrumente erworben haben, die wiederum Bäume aus den Wäldern in Tirol und Südtirol bezogen haben.
Auch Andreas Pahlers „Tonholz-Jagdgebiete“ liegen in den Alpen, in entlegenen Tälern in Bayern, Österreich und Südtirol, ab einer Höhe von 1000 m. Das Fichtenholz für die Instrumentendecken muss fein und gleichmäßig gewachsen sein, frei von Ästen und Verwachsungen. Dabei bevorzugt er an Nord- und Osthängen, auf mageren Böden gewachsene Bäume, denn diese bilden einen möglichst feinen Aufbau von etwa acht bis zehn Jahresringen pro Zentimeter aus. Und zur rechten Zeit gefällt sein muss das Holz auch: Im Winter bei abnehmendem Mond, dann zieht der Baum kein Wasser mehr. 200 bis 300 Jahre alt sind die Fichten, wenn Andreas Pahler sie für sein Tonholz aussucht.
Doch eine Geige besteht nicht nur aus dem Fichtenholz für die Decke. Zargen und Boden sind zumeist aus Ahorn, bei Bratschen, Celli und Kontrabässen oft auch aus Pappel oder Weide. Den ebenfalls fein gewachsenen und meist spektakulär geriegelten oder geflammten Ahorn dafür findet er überwiegend in Südosteuropa und hier bevorzugt in Bosnien.
Spezielle Aufarbeitung
Ist das Stammmaterial einmal gefällt, lässt Andreas Pahler es nach Westerholzhausen transportieren, um es meist schon im darauffolgenden Sommer abzulängen und auf einer großen Blockbandsäge aufzusägen. Die Besonderheit hier: Die Stämme werden, um ausschließlich stehende Jahresringe zu erhalten, radial aufgetrennt. Dadurch entstehen im Querschnitt tortenstückartige Scheite, welche später, der Länge nach halbiert, zwei keilförmige Stücke ergeben, aus denen verleimt die Decken- oder Bodenwölbung der Instrumente herausgearbeitet wird. An zwei Seiten sauber angehobelt und mit dem Firmenstempel versehen, wandern die so zugerichteten Tonhölzer zur Lufttrocknung zuerst ins Freie und später in die gut 8 m hohe Lagerhalle, in der sich das Holz bis unter die Decke stapelt. Etwa 200 m³ lagert Andreas Pahler hier zwischen zwei bis zehn Jahre, bevor es zum Verkauf kommt – reichlich Kapital, denn der Satz Tonholz für eine Geige liegt zwischen 80 bis 250 Euro, für einen Kontrabass auch schon mal bei 500 Euro aufwärts, je nach Qualität!
Trotz solcher Werte versteht sich Andreas Pahler nicht als Tonholzhändler und -verkäufer. Die in jeder seiner Äußerungen spürbare Begeisterung und Leidenschaft für den Werkstoff will er dafür einsetzen, das beste Tonholz für seine Kunden zu finden und aufzuarbeiten: Tonholzsäger sei er, sagt er. „Es ist ja auch nicht alles Holz gut genug, um zu Tonholz verarbeitet zu werden!“ Sagt’s und schiebt mit verschmitztem Lächeln noch ein keilförmiges Stück Fichtenholz in den Ofen der elterlichen Küche – „in den einzigen Tonholzofen weltweit.“

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