Spätgotische Miniaturschnitzereien aus den Niederlanden. Klein und fein - BM online

Spätgotische Miniaturschnitzereien aus den Niederlanden

Klein und fein

Denkt man an die Kunstwerke der Gotik, kommen einem sofort die atemberaubende Größe der Kathedralen oder die fein gearbeiteten Figuren berühmter Flügelaltäre in den Sinn. Weniger bekannt sind die Miniaturschnitzereien aus den Werkstätten niederländischer Künstler des 15. und 16. Jahrhunderts.

Sie passt gerade in die geschlossene Hand mit ihren 50 mm Durchmesser, die Kugel aus Buchsbaum. Die Oberfläche ist von einem fein durchbrochenen Muster aus gotischem Maßwerk überzogen. Durch ein kleines, hölzernes Scharnier lässt sie sich in zwei Hälften aufklappen, die im Inneren nochmals von kleinen Türchen verschlossen werden. Öffnet man diese, so entfaltet sich ein wahres Wimmelbild vor den Augen des Betrachters: Dutzende, nur wenige Millimeter große Figuren – Menschen und Tiere – so fein aus dem vollen Material herausgeschnitzt, dass selbst die Gesichtszüge und der Faltenwurf der Kleidung zu erkennen sind. Dazu auf dem Rand eine umlaufende Inschrift in lateinischer Sprache, ebenfalls geschnitzt. Dargestellt sind Szenen rund um die Kreuzigung Christi – insgesamt sechs unterschiedliche, vollplastische und reliefartige Schnitzereien. Die Kugel ist eine sogenannte Gebetsnuss, entstanden zwischen 1500 und 1530 in der Werkstatt von Adam Dircksz im niederländischen Delft und Teil einer Ausstellung im Rijksmuseum in Amsterdam aus dem Jahr 2017 mit dem Titel „Small Wonders – Spätgotische Buchsbaum-Miniaturschnitzereien aus den Niederlanden“.

Millimeterarbeit

Es war das erste Mal, dass eine derart große Zahl Mikroschnitzereien aus dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit zu sehen war. Oft waren diese Privatschätze nicht größer als eine Handfläche, daher sind auch nur etwa 125 Exemplare erhalten geblieben – das Amsterdamer Rijksmuseum zeigte in seiner Ausstellung rund 60 davon. Neben Miniaturaltären, Tabernakeln und Memento-Mori-Anhängern war auch ein prachtvoller Rosenkranz von König Heinrich VIII von England zu sehen. Jedes Glied des teilweise aufklappbaren Kranzes ist ein eigenes Kunstwerk, unzählige biblische Szenen sind auf dem nur 47 cm langen Schmuckstück abgebildet.

Neue Erkenntnisse

Seit Jahrhunderten faszinieren Miniaturen die Menschen. Wie kam man darauf, in einem derart kleinen Maßstab einen solchen Reichtum an Details darzustellen? Welche Künstler schafften diese Meisterleistung und in wessen Auftrag? Ein Team aus Kunsthistorikern und Restauratoren des Rijksmuseums, der Art Gallery of Ontario und des Metropolitan Museum of Art hat dies in den letzten Jahren intensiv untersucht. Die Experten kamen zu dem Schluss, dass viele der Miniaturen so konsistent gearbeitet sind, dass sie aus einem einzigen Atelier stammen müssen. Die Signatur von Adam Dircksz, mit vollem Namen Adam Theodrici, auf einer der Gebetsnüsse legt den Schluss nahe, dass er dieses Atelier geleitet hat. Aus der Liste der Auftraggeber, darunter neben wohlhabenden Bürgern auch Könige, ergab sich für die Forscher außerdem die überraschende Erkenntnis, dass sich das Atelier wahrscheinlich im nördlich gelegenen Delft befand. Bisher hatte man weithin angenommen, dass die Miniaturschnitzerei, wie viele Künste des ausgehenden Mittelalters, ihren Schwerpunkt im heutigen Belgien habe. Auch mit der Vorstellung, die Miniaturdevotionalien dienten strikt zur religiösen Erbauung, räumten die Wissenschaftler auf: Der verspielte Charakter, das Rätselhafte und die versteckten Details machten die Miniaturen zu einem beliebten Vergnügen unter den Wohlhabenden und Adligen.

Die Ausstellung „Small Wonders“ entstand in Zusammenarbeit mit der Art Gallery of Ontario, dem Metropolitan Museum of Art sowie aus Leihgaben des Louvre und der Residenz München. (hf/Niederländisches Büro für Tourismus & Convention)

www.smallwonders.nl

Herstellerinformation

BM-Titelstars: Schreiner wie wir

Herstellerinformation

Wissen testen – Preis absahnen

BM-Themenseite: Innentüren

Herstellerinformation

BM bei Facebook

Herstellerinformation

Alles bio? Nachhaltigkeit im Tischler- und Schreinerhandwerk

Im Fokus: Gestaltung

Herstellerinformation


BM Bestellservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der BM Bestellservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum BM Bestellservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des BM Bestellservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de